Erste Details

24. Juni 2011 11:36; Akt: 24.06.2011 12:32 Print

Sparprogramm schockiert Griechen

Lohn-Einschnitte für Staatsangestellte, Einführung einer Solidaritäs- und Immobiliensteuer und eine Senkung des Steuerfreibetrags: Für die Griechen gilt es ernst.

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Ein Pope diskutiert mit demonstrierenden Polizisten. (Bild: Keystone)

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Die griechische Öffentlichkeit hat entsetzt auf die ersten Details aus dem neuen Sparprogramm vom Ministerpräsident Georgios Papandreou reagiert. «Es ist der Gnadenschuss für unsere Einkommen», titelte am Freitag die linksliberale Zeitung «Eleftherotypia».

Das konservative Boulevardblatt «Eleftheros Typos» kommentierte: «Unerträgliche Kampfsteuern». Die regierungsnahe Zeitung «Ta Nea» rechnete aus, dass für ein Ehepaar - mit 40 000 Euro Jahreseinkommen für den Ehemann 25 000 Euro für die Frau - zusätzlich mit 2275 Euro jährlich belastet werden.

Der neue Finanzminister Evangelos Venizelos hatte die steuerpolitischen Details aus dem Programm am Donnerstagabend präsentiert. «Es hängt vom Kampfwillen der Griechen ab, ihre Glaubwürdigkeit wieder zu gewinnen, damit die Märkte uns glauben», sagte Venizelos.

Solidaritätssteuer

Je nach Einkommensklasse müssen die Griechen demnach eine Solidaritätssteuer zwischen ein und vier Prozent ihres Einkommens zahlen. Für alle Minister, Parlamentarier, höhere Beamte und andere gewählte Personen, wie Bürgermeister, soll die Solidaritätssteuer fünf Prozent des Jahreseinkommens betragen.

«Das ist aber nicht genug», sagte Venizelos. Freiberufler wie Rechtsanwälte, Klempner, Elektriker werden ausser den normalen Steuern zusätzlich 300 Euro an den Staat zahlen müssen. Betroffen sind davon rund 550 000 Personen.

Ausserdem wird der Steuerfreibetrag von bisher 12 000 Euro auf 8000 gesenkt. Ausgenommen sind Rentner über 65 Jahre und junge Arbeitnehmer bis zum 30 Lebensjahr.

Immobiliensteuer

Das Programm, das zudem den Verkauf von Staatsbesitz im Volumen von 50 Milliarden Euro vorsieht, soll bis Ende kommender Woche vom Parlament gebilligt werden. Die EU macht weitere Hilfszahlungen und ein neues Rettungspaket davon abhängig.

Venizelos kündigte ein neues Steuergesetz an, das die Steuerhinterziehung unterbinden soll. Ausserdem soll eine Extra- Immobiliensteuer erhoben werden für Besitz, dessen Wert die 200 000 Euro übertrifft. Eine «grosse Intervention» werde es im öffentlichen Dienst geben, teilte der Minister mit, ohne Angaben über die Höhe der Lohn-Einschnitte für die Staatsangestellten zu machen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamc am 25.06.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst

    sollten die Griechen ihre Einnahmen richtig deklarieren. Laut Statistik, glauben griechischen Beamten dass ca. 30-35% aller potenziellen Steuereinnahmen an Steuerhinterziehung verloren geht.

  • Heiri Zürcher am 26.06.2011 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerhinterziehung im Grossformat!

    Und wo sind denn all die milliardenschweren Reederfamilien Chandris, Latsis, Mavroleon etc. abgeblieben, die NIE eine Drachme Steuern zahlten? Die sollten jetzt zur Kasse gebeten werden.

  • Rafael Andres am 24.06.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Moderne Sklavenhaltung

    Das gleiche Spiel wird sich in naher Zukunft bei vielen Staaten abspielen. Die Zinschulden des Finanzsystems werde einfach auf die Bevölkerung verteilt. Die Einsparungen, die dem Volk als Lösung versprochen werden aus den Schulden zu kommen, bringen nichts. Die Länder haben nicht Schulden weil die Leute faul waren, sondern wegen dem Zinsenproblem. Nun wird das Volksvermögen (Staatliche Einrichtungen) an Investmentbanken verscherbelt und der Bürger steht am Schluss ohne etwas da und arbeitet nur noch für die Elite. Wie es eigentlich jetzt schon fast der Fall ist....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiri Zürcher am 26.06.2011 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerhinterziehung im Grossformat!

    Und wo sind denn all die milliardenschweren Reederfamilien Chandris, Latsis, Mavroleon etc. abgeblieben, die NIE eine Drachme Steuern zahlten? Die sollten jetzt zur Kasse gebeten werden.

  • Jamc am 25.06.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst

    sollten die Griechen ihre Einnahmen richtig deklarieren. Laut Statistik, glauben griechischen Beamten dass ca. 30-35% aller potenziellen Steuereinnahmen an Steuerhinterziehung verloren geht.

  • Steve Müller am 25.06.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre so einfach,

    einfach jeder der verdient muss auch Steuern zahlen, wie es überall auf der Welt auch so sein sollte. In GR zahlt ja fast niemand Steuern und so kein Wunder dass der Staat bankrott geht.

    • vannessa frueling am 13.09.2011 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Währe so einfach

      wie hasst du dir das vorgestellt

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  • Ein schweizer am 24.06.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    hätte nicht sein müssen...

    ich bin zu 1000% sicher, dass den armen griechen ohne EU niemals passiert wäre. ein "einiges" und friedliches Europa: ja, zusammenarbeiten: ja. ABER finger weg von diesem aufgeblasenen, weltfremden hirngespingst. Vermutlich dürfen wir alle dabei zusehen wie dieses zusammengezimmerte Kartenhaus in sich zusammenfällt und alle wieder bei ihren leisten bleiben. ist aber nicht schlimm, evlt. entsthet ja etwas vernünftigeres daraus...

    • kein EU Freund am 25.06.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

      Und der Kitt ist:

      Geld. Die EU wird nur künstlich am Leben erhalten mit Geld. Eine Firma die nur durch Fremdkapital am Laufen gehalten wird ist nicht überlebensfähig. Wie lange kann die EU wohl noch Geld drucken ?

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  • anonym am 24.06.2011 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    kopf hoch

    richtig so.... kopf hoch ihr griechen, das schafft ihr schon.