«Der UBS-Crash», Teil 1

05. Februar 2009 09:28; Akt: 05.02.2009 19:05 Print

Die frühen Warner müssen von Bord

Schon 2002 warnten Experten UBS-intern vor den Risiken eines Hypotheken-Berges. Doch sie fanden kein Gehör - und wurden sogar aus der Bank gedrängt. Lukas Hässig, Wirtschaftsreporter von 20 Minuten Online, zeichnet in einem neuen Buch den Niedergang der UBS nach. Wir bringen Auszüge.

Fehler gesehen?

In seiner Abschiedsrede als UBS-Präsident sprach Marcel Ospel am 23. April 2008 im Zusammenhang mit der Finanzkrise von einem «bösen Sturm», der «unsere Segel arg zerzaust», die Bank aber «nicht vom Kurs abgebracht» habe. «Wer den kalten Wind nicht aushält, der hat auf dem Gipfel nichts zu suchen.» Die Finanzkrise als Naturgewalt, das Ausharren und Dagegenankämpfen als Pflicht der Auserwählten – so urteilt Ospel über Ospel.

In meinem Buch «Der UBS-Crash» komme ich zu einem anderen Schluss: Beim Platzen der amerikanischen Immobilienblase handelte es sich nicht um eine unvorhersehbare Katastrophe, sondern um ein «predictable event», ein vorhersehbares Ereignis. Der Absturz war nur eine Frage des Wann und des Wie – auch für die Spitzen der Schweizer Grossbank.

Zwei UBS-Experten stossen auf einen Subprime-Berg

Vom 29. April bis zum 7. Mai 2002 liessen sich zwei Zürcher Experten der UBS von den Zuständigen in New York die Überwachungssysteme für die Hypothekenpositionen erklären. Je mehr sie sahen, desto grösser wurde ihr Unbehagen. Wesentliche Bestandteile, die das Geschäft profitabel machten, blieben den Überwachern vor Ort verborgen. Falls nicht schnell Gegensteuer gegeben würde, drohte eine Wachstumsmaschine ausser Kontrolle zu geraten.

Insbesondere beunruhigte die beiden Risikospezialisten die riesige Position im US-Immobilienmarkt, welche die Händler der UBS-Investmentbank aufgebaut hatten. Per 31. Mai 2002 wies die UBS gemäss einem Report 24 Milliarden Dollar in US-Kreditpapieren mit einem Bezug zum Hypothekarmarkt aus. Allein die absolute Höhe deutete auf potenzielle Grossschäden hin.

«UBS hält eines der grössten Immobilienbücher»

Nach ihrer Rückkehr schlugen die Prüfer aus Zürich Alarm und verfassten einen dreiseitigen Bericht, der als Grundlage für weitere Abklärungen gedacht war. «Vorläufige PFCA & CRE-Analyse» lautete der Titel. PFCA bedeutete Principal Finance & Credit Arbitrage - also Eigenhandel und Kredit-Arbitrage -, CRE bedeutete Commercial Real Estate - und damit das Business mit Geschäftsliegenschaften. Hier konzentrierte die UBS ihre enormen Positionen im US-Hypothekenmarkt.

«PFCA & CRE haben eine grosse Hypothekenposition aufgebaut und halten nun eines der vermutlich grössten Bücher aller Wallstreet-Banken», schrieben die Zürcher Risikomanager, und warnten: «Realistischerweise ist mit sechs bis zwölf Monaten zu rechnen, bis sämtliche Positionen abgebaut werden können.»

Marcel Rohner liess Engagement überprüfen – und schwieg

Als einer der wichtigsten UBS-Manager sass der heutige Konzernchef Marcel Rohner zu jener Zeit im Risikoausschuss der Konzernleitung. Anscheinend war es der damals erst 37-Jährige, der sich des Themas annahm. Rohner forderte einen Stresstest, worauf Walter Stürzinger als oberster Risikoverantwortlicher des Konzerns sein Pendant bei der UBS-Investmentbank mit der Durchführung beauftragte. Doch dieser stand von seiner Herkunft und Position her den Aktienhändlern nah und hatte möglicherweise übertriebenen Respekt vor den hochbezahlten Investmentbankern. Das Prädikat «streng» verdiente die durchgeführte Prüfung jedenfalls nicht.

In einer Mail an seinen Vorgesetzten Stürzinger, der drei Jahre später in die Konzernleitung aufstieg, gab einer der Zürcher Risikoexperten eine Empfehlung ab, die heute prophetisch klingt. «Wir sollten verhindern, dass PFCA/CRE noch grösser werden, als sie es heute schon sind. Das Beste wäre wohl, eine obere Stressgrenze zu verfügen, möglicherweise durch die Konzernleitung abgesegnet und vierteljährlich überwacht.» Doch Stürzinger und der weniger exponierte Marcel Rohner, die mit der Frage des riesigen US-Hypothekenengagements konfrontiert gewesen waren und dieses offenbar für gut befunden hatten, blieben untätig.

Dafür versetzte Stürzinger ausgerechnet jene Spezialisten, die im Frühling 2002 als erste laut und deutlich auf das gefährliche Klumpenrisiko in den USA hingewiesen hatten. Der UBS-Risikochef beauftragte andere Leute mit deren Aufgaben und legte den Abgehalfterten nahe, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Im Verlauf der nächsten 24 Monate verliessen sie die Bank.


Lesen Sie morgen Teil 2 der Serie zum Buch «Der UBS-Crash»: Wie das B-Team dem A-Team nacheifert – und die UBS ins Verderben reitet

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan Hafner am 09.02.2009 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Teil der UBS'ler ist OK!

    90% der UBS'ler in der Schweiz arbeiten seriös und zu gleichen Einkommen wie die Schweizer Lehrer! Sie beraten trotz aktuellem Gestürm täglich bestmöglich ihre Kunden. Sie gewähren die schweizweit meisten Hypotheken für Eigenheime und die schweizweit meisten Kredite an die KMU.

  • Jo Ackermann am 06.02.2009 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Crash war vorhersehbar

    Der Crash war vorhersehbar, aber die reichen Bänker streichen sich weietrhin die Boni in die Taschen. Alle Schweizer sind Bünzlis. Die Boni müsste man streichen und den Armen geben

  • Martin Manser am 09.02.2009 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    UBS - Namen mit neuer Bedeutung

    UBS = United Bankruptcy Switzerland - You buy us.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner Keil am 03.03.2009 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Re: Bankenaufsicht hat versagt

    Naja, auch wenn hier wie man sieht auch die CS vor Gericht muss, so hat die Aufsicht in anderen Fällen bestimmt versagt:

  • ehemaliger Steuerzahler am 10.02.2009 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Erwachet

    300 Millionen Steuergelder für UBS Investment-Bankrotteure.....Sozialschmarotzer in Reinkultur

  • Haimax am 10.02.2009 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Toni

    Wenn ich zum Staat kriechen muss und um Geld bettle, dann währe es eine Schweinerei, wenn ich nachher mit diesem, vom Schweizervolk gegebenen Geld, Armengenössig wie ich dann bin, noch grosse Geschenke mache. Andere würden sich Schämen, die Banken nicht, dass verstehn wir nicht!

  • TONI am 09.02.2009 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    JA JA... MITREDEN...

    Also, für mich ist eins klar: ICH REDE NUR MIT, WENN ICH WAS DAVON VERSTEHE! Diese Regel gilt hier nicht, wenn ich all diese Besserwisserkommentare lese! 95% der Bevölkerung versteht hier die Zusammenhänge nicht, sonst würde sie nicht so argumentieren! Überlegt bevor Ihr schreibt!

  • Natascha Hübner am 09.02.2009 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Rechenschaft

    Was ich mich frage ist? Wieso wird kein einziger Manager für diese VERLUSTE zur Verantwortung gezogen.