Grübel-Nachfolge

03. Oktober 2011 16:02; Akt: 03.10.2011 17:09 Print

Ermotti startet bei der UBS aus der Poleposition

von Lukas Hässig - UBS-intern ist das Rennen um den Posten als CEO für Sergio Ermotti wohl gelaufen - sofern bei den Panama-Mandaten des Tessiners nichts Schmutziges zum Vorschein kommt.

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Der derzeitige UBS-Chef Sergio Ermotti, den der Verwaltungsrat nach Grübels abrupten Abgang nach der Riesen-Fehlspekulation auf den Chefsessel hob, führt die Bank im Moment nur interimistisch. Er hat grosse Chancen, dass die UBS den 51-jährigen Tessiner in absehbarer Zeit auch zum definitiven Konzernchef machen wird. Inmitten von Spekulationen um die Neubesetzung des UBS-Chefpostens hat ein bisher heiss gehandelter Kandidat am Montag sein Desinteresse am Erbe von Oswald Grübel bekundet. Der Schweizer Hugo Bänziger will in Frankfurt bleiben. Ebenfalls ein Kandidat aus dem eigenen Haus wäre Ulrich Körner, operationeller Chef der UBS, den Grübel 2009 von der Credit Suisse holte. Der 48-jährige hat die Schweizer und die Deutsche Staatsangehörigkeit. Aus den Reihen der heutigen UBS-Topchargen werden auch Jürg Zeltner, Chef der Vermögensverwaltung. Ein weiterer Schweizer ist der 54-jährige Martin Senn, der seinen Posten als Konzernchef beim globalen Versicherungskonzern Zurich aufgeben müsste, um ins UBS-Chefbüro einziehen zu können. Bei der «Zürich» ist Senn erst seit Anfang 2010 Chef. UBS-Investmentbank-Boss Carsten Kengeter hat ebenfalls Chancen. Ein vergleichsweise junger UBS-Chef wäre der 37-jährige Boris Collardi. Der schweizerisch-italienische Doppelbürger führt seit 2009 die Vermögensverwalterin Julius Bär. Reuters kann sich auch vorstellen, dass Robert McCann das Rennen machen wird. Der 53-Jährige ist Bürger der USA und Irlands und hat 2009 die schwer angeschlagene Nord- und Südamerikasparte der UBS- Vermögensverwaltung übernommen. Mit John Mack beträte ein bekanntes Gesicht die Szene noch einmal. «John the Knife» (John das Messer), wie der knallharte Manager genannt wird, hatte bei einem Zwischenspiel 2001 bis 2004 bei der Credit Suisse Kosten zusammengestrichen. Axel Lehmann, seit 2008 Risikoverantwortlicher bei der Zurich- Versicherung, amtet bereits seit zwei Jahren als UBS-Verwaltungsrat. Dem 52-jährigen Schweizer werden ebenfalls Chancen eingeräumt. Eine lange Karriere in der Finanzwelt machte auch Philipp Hildebrand (48), Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Zumindest Reuters hält es für möglich, dass der oberste Währungshüter der Schweiz, der 2008 als SNB-Vize entscheidend bei der UBS-Staatsrettung mitgeholfen hatte, UBS-Chef werden könnte.

Diese Kandidaten werden gehandelt (siehe Bildstrecke).

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Dass Zweifel am neuen UBS-CEO gesät werden, hat sich die Grossbank selber zuzuschreiben. Sie hatte es verpasst, rechtzeitig einen klaren Nachfolger für den gescheiterten Oswald Grübel zu küren.

Nun schiessen die Personalgerüchte ins Kraut. Der «Tages-Anzeiger» lanciert heute Hugo Bänziger, ein Appenzeller Risiko-Topshot bei der Deutschen Bank, der zuvor schon vom deutschen Handelsblatt ins Spiel gebracht wurde. Bänziger winkte jedoch am Montag ab. Er habe keine Absicht die Deutsche Bank zu verlassen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Financial Times macht derweil Werbung für Bill Winters, die frühere Nummer Zwei der amerikanischen Grossbank JP Morgan.

Ermotti-Gegner als Hirngespinste

Hinter den Artikeln dürfte der Wunsch von Headhuntern, Beratern und einflussreichen Bankern stehen, UBS-Interims-Chef Sergio Ermotti mit einem eigenen Favoriten vom Thron zu stürzen.

Vermutlich bleibt es beim Versuch. Wenn sich Ermottis eigenartige VR-Mandate bei Panama-Gesellschaften nicht doch noch als zu lusch erweisen sollten, dürfte er das Rennen machen.

Vor allem aus drei Gründen: Ermotti ist der Wunschkandidat des UBS-Verwaltungsrats, auch wenn er erst interimistisch bestimmt ist. Doch die Zeit läuft für den 51-jährigen Tessiner. Er ist dem VR der Grossbank seit einem halben Jahr, als er von aussen zur Bank stiess, vertraut. Nun kann Ermotti in den nächsten Monaten zeigen, was er drauf hat.

Zweitens wirkt die initiierte externe Suche nach einem allfälligen Konkurrenten für Ermotti nicht wirklich ernst gemeint. Der UBS-VR hat die bekannte Headhunter-Agentur Zehnder beauftragt, Kandidaten zu prüfen. Zehnder will aber sicher eines nicht: die UBS als wichtige Auftraggeberin vergraulen. Also wird Zehnder kaum Kandidaten präsentieren, die dem Favoriten des VRs gefährlich werden könnten. «Mit dem Zehnder-Suchmandat sind die Würfel zugunsten von Ermotti gefallen», sagt denn auch ein Investmentbanker, der die UBS kennt.

Drittens wirkt Ermotti nicht wie eine Verlegenheitslösung. Er stiess im Frühling als möglicher CEO-Kandidat zur UBS. Wäre Grübel ein Jahr länger geblieben, hätte Ermotti sowieso gute Chancen gehabt, dessen ordentlicher Nachfolger zu werden.

Unbeschriebenes Blatt

Somit ist es also vor allem der vorgezogene Zeitpunkt seiner Wahl, den Ermotti schwächt. Fachlich sind bisher nämlich keine lauten Kritiker ans Tageslicht getreten. Es gibt zwar Stimmen aus London, die Ermottis Zeit in Spitzenfunktionen bei der italienischen Grossbank Unicredit und der US-Investmentbank Merrill Lynch nicht als berauschend bezeichnen.

Doch es gibt praktisch keinen Investmentbanker, der unbeschädigt durch die Finanzkrise gekommen ist, mit Ausnahme vielleicht von Josef Ackermann von der Deutschen Bank (obwohl auch sein Institut Federn lassen musste) und Jamie Dimon von JP Morgan.

Was will Ermotti mit der Investmentbank?

Ein interner UBS-Manager, der mit der Nachfolgefrage vertraut ist, sagt denn auch im Gespräch, dass Ermotti das Rennen machen dürfte. «Intern drängt sich sonst keiner auf, und extern sind auch nur Leute im Gespräch, die es bisher nicht ganz an die Spitze geschafft haben», sagt die Quelle.

Die UBS wird somit aller Voraussicht nach von Sergio Ermotti in die nächste Zukunft geleitet. Die nächste grosse Frage ist somit nicht, wer definitiver CEO wird, sondern, wohin Ermotti wirklich will. Soll die Investmentbank tatsächlich gross bleiben, oder sind solche Aussagen nur gedacht, um die verunsicherten Investmentbanker bei der Stange zu halten? Spätestens Mitte November muss Ermotti am Investor's Day der UBS die Antwort liefern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christoph Zangger am 04.10.2011 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Panama Mandate?

    Welcher Banker hat keinen Dreck am Stecken?

  • Gregor am 03.10.2011 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Witz

    Jaja oh wie gut, dass ein Neuer da ist..... Glaubt ihr echt, das ändert etwas? wie wär's wenn man was über den "Willkommens-Bonus" würde? "sieht sympatisch aus"..... was für ein naiver Kommentar... sind wohl alles Leute die Geld gemacht haben mit dem Crash....

  • Hans Meier am 03.10.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst ihn arbeiten

    Es wäre wirklich sehr schade, wenn man Ermotti mit dem hin und her vergraulen würde! Herr Villiger, es ist auch kein politisches blabla gefragt. Lasst Ermotti mal arbeiten - er wird es sicher richten! Good luck!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jan k am 04.10.2011 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Bestimmt der Pass, wer chef wird???

    Vielleicht sollte mal ein Nicht-Schweizer diesen laden wieder auf die beine bringen. Shareholder wollen Wertsteigerungen sehehn., nicht deren Vernichtung. Und Letzteres ist genau das, was die guten Schweizer Herrne bisher geleistet haben. Mehr nicht! Eine Schande

    • UBS Normalo am 04.10.2011 12:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht richtig

      Welch unqualifizierte Aussage. Das Beste was passieren könnte ist, wenn Verwaltungsrats Präsi und der CEO Schweizer Banker sind. Und nicht Irgendwelche Amerikaner, Engländer oder Deutsche. Die Fehler passierten nie im Schweizer Umfeld, geschweige denn von Schweizer Management. Nur die Veratwortung liegt bei uns in der Schweiz. Wenn sie wie ich bei der UBS als Normalo arbeiten würden, wüssten Sie wovon ich rede. Gruss

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  • Christoph Zangger am 04.10.2011 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Panama Mandate?

    Welcher Banker hat keinen Dreck am Stecken?

  • Rene am 03.10.2011 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ubs

    Lasst Ermotti ist sicher ein guter Typ Bringt einfach keinen Angelsachsen von denen hat es genug in der Bank.

  • Gregor am 03.10.2011 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Witz

    Jaja oh wie gut, dass ein Neuer da ist..... Glaubt ihr echt, das ändert etwas? wie wär's wenn man was über den "Willkommens-Bonus" würde? "sieht sympatisch aus"..... was für ein naiver Kommentar... sind wohl alles Leute die Geld gemacht haben mit dem Crash....

  • sandro j. am 03.10.2011 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wen interessierts?

    ach gott! was spielt das für eine rolle wer kommt? die ubs ist auch mit top management ein scherbenhaufen.

    • hampe am 15.11.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Doch nicht so schlecht

      >Die Mitarbeiter, denn wir geben uns sicher grosse Mühe gegenüber unserer Kunden

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