Weltwirtschaftsforum

01. Februar 2011 16:47; Akt: 25.01.2012 12:48 Print

Was das WEF bewegt hat

von Markus Kick - Seit 40 Jahren treffen sich Ende Januar die Wichtigen, Reichen und Mächtigen in den Bündner Bergen zum Weltwirtschaftsforum. 20 Minuten Online zeigt, was Meilensteine waren, welche Promis auftraten und was Davos bewegte.

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WEF-Gründer Klaus Schwabs Gründungskonzept von 1971 zieht auch heute noch. 35 Regierungschefs, viele Minister und noch viel mehr Manager kamen ans diesjährige Gipfeltreffen nach Davos.

Auch dieses Jahr waren klingende Namen darunter: die deutsche Kanzlerin Angela Merkel inklusive Finanzminister Wolfgang Schäuble, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron reisten an. Die Eröffnungsansprache hielt der russische Präsident Dmitri Medwedew. Ebenfalls dabei sein werden US-Finanzminister Timothy Geithner und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Unter den rund 2500 WEF-Gästen waren auch die Schweizer Grosskonzerne prominent vertreten. Etwa mit UBS B”rsenkurs-Boss Oswald Grübel oder Brady Dougan von der Credit Suisse B”rsenkurs. Mitmachen und netzwerken hiess auch die Losung der CEOs, wie etwa von Joe Hogan (ABB), Paul Bulcke (Nestlé) oder Martin Senn (Zurich Financial Services Group).

Während sich viele Politiker durch die Weltwirtschafts- und Euro-Turbulenzen teils harsche Kritik bezüglich Krisenhandling und –strategie anhören mussten, gaben sich die Manager und Unternehmer wieder sehr selbstsicher. Neue glaubwürdige Ansätze zur Umsetzung «neuer Normen für die globalisierte Welt» waren von ihnen aber nicht zu erfahren.

Was vom Effort übrig bleibt

Was hat das WEF in seiner 40-jährigen Geschichte denn überhaupt erreicht? Welche Highlights fanden in den Bündner Bergen statt? Welche Initiativen und Bewegungen entsprangen dem Spitzentreffen der Mächtigen? 20 Minuten Online lässt vier Jahrzehnte bewegter Geschichte Revue passieren.

2011: Neues Sendungsbewusstsein der Manager, kritisierende und kritisierte Politiker – aber keine durchschlagenden Lösungsansätze bei der Definition neuer Normen für die Weltwirtschaft. Das WEF 2011 blieb in Aussage und Wirkung eher schwammig. Das gab extremistischen Globalisierungskritikern Aufwind. Doch auch diese überzeugten mit eher dilettantisch vorgebrachten Protesten wenig.

2010: Der Jubiläumsgipfel steht unter den nachhaltigen Eindrücken und Nachbeben der weltweiten Finanzkrise. Entsprechend düstere Prognosen malt der zum fünften Mal erschienene Global Risk Report des WEF an die Wand. Er warnt vor Staatsinsolvenzen, Kapitalmarktcrashs und einem Einbruch der chinesischen Wirtschaft. US-Präsident Barack Obama ist ebenfalls zu Gast in Davos - allerdings nur virtuell per Video-Botschaft aus den USA.

2009: Saif al-Islam, einer der Gaddafi-Söhne, trifft sich am Rande des WEF mit Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zu informellen Gesprächen. Sie sollen zur Entspannung des Verhältnisses zu Libyen beitragen. Auslöser der Spannungen war die Verhaftung seines Bruders Motassim Bilal «Hannibal» Gaddafi und seiner Frau im Juli 2008 in Genf. Die Gespräche bringen allerdings nichts: Wie wir heute wissen, begann die härteste Zeit für die beiden Geiseln Max Göldi und Rachid Hamdani erst danach.

2008: Der britische Sänger Bono mischt sich – einmal mehr – am WEF unter die Mächtigen und Reichen der Welt. Zusammen mit dem früheren US-Vizepräsidenten und Friedensnobelpreisträger Al Gore warnten die beiden vor den negativen Auswirkungen von Klimawandel und Armut.

Microsoft-Gründer und künftig «Nur-noch-Philanthrop» Bill Gates fordert am WEF einen sanfteren Kapitalismus. Gates, den sein Unternehmen Microsoft zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat, wünscht sich einen «kreativen Kapitalismus», der die Marktkräfte nutzt, um auch die Bedürfnisse armer Länder zu befriedigen.

2007: Das WEF führte das erste «Jahrestreffen der New Champions» ein. Das Treffen wird künftig jedes Jahr in China stattfinden und bezeichnet sich als «Forum globaler Wachstumsunternehmen».

2006: Die US-Schauspielerin Angelina Jolie stellt mit ihrer blossen Präsenz die Diskussionen der Wirtschaftsführer am World Economic Forum (WEF) in den Schatten. Ihr damaliger Freund und heutiger Ehemann Prad Pitt begleitet sie. Derweil sorgt Rockstar Bono mit seinem Verständnis für Wirbel, dass Davos wiederholt Schauplatz von Demonstrationen gegen das Treffen «fetter Katzen im Schnee» war.

2005: Erstmals richtet das WEF die «Community der Young Global Leaders» ein, die Nachfolgeorganisation von «Global Leaders of Tomorrow». Die Mitglieder sind Führungskräfte unter vierzig Jahren aus der ganzen Welt aus den verschiedensten Branchen und Disziplinen.

Die Schauspielerin Sharon Stone steht während einer Rede des Präsidenten von Tansania auf und bietet ihm 10 000 Dollar an, um sein Land mit Moskitonetzen zu versorgen. Ihr Aufruf, sich der Aktion anzuschliessen, bringt im Saal eine Million Dollar zusammen. Die Aktion trägt ihr aber auch Kritik ein, da die 140 000 gelieferten Moskitonetze die lokale Produktion in Tansania einbrechen lassen.

2004: In dem Bestreben, die Korruption zu bekämpfen, rufen Führungskräfte aus den Branchen Engineering und Bauwesen, Energie und Metalle sowie Bergbau die «Partnering Against Corruption Initiative» (PACI) ins Leben.

Beide Schweizer Parlamentskammern sprechen sich dafür aus, auch künftig die Armeeeinsätze zur Sicherheit am WEF zu finanzieren. Die Behandlung im Parlament wurde nötig, weil am WEF mehr als 2000 Armeeangehörige mitwirken. Der Armee-Einsatz kostet 18 Millionen Franken. Insgesamt kostet das WEF-Sicherheitsdispositiv gegen 22 Millionen Franken.

2003: Die «Global Education Initiative» (GEI) entsteht. Sie soll internationale IT-Unternehmen und Regierungen in Jordanien, Ägypten und Indien zusammenbringen. Ziel ist es, neue PC-Hardware in Schulen einzusetzen und mehr lokale Lehrkräfte in E-Learning auszubilden.

2002: Das WEF zügelt als Positionsbezug zum Terroranschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001 für einmal nach New York. Kofi Annan ruft die «Global Health Initiative» (GHI) ins Leben. Sie soll öffentlich-private Partnerschaften zwischen Unternehmen in den Bereichen HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria und Gesundheitssystemen fördern.

2001: Eine Hackergruppe unter dem Namen «Virtual Monkeywrench» knackt nach eigenen Angaben den Server des WEF und kopiert private Daten von WEF-Mitgliedern. Diese Daten spielt sie der «SonntagsZeitung» zu. Ziel der Aktion sei die «Offenlegung aller Information», um die «Mächtigen und die Macht zu attackieren».

Das erste Weltsozialforum findet in Porto Alegre statt. Der von Globalisierungs-Kritikern organisierte Anlass versteht sich als «Gegengipfel» zu Davos.

2000: Hohe Politik im Alpenort: Der amtierende amerikanische Präsident Bill Clinton nimmt am Forum teil und spricht im Kongresszentrum.

Parallel zum WEF in Davos erblickt das Treffen «Public Eye on Davos» das Licht der Welt. Dort wird am Eröffnungstag jeweils der Negativpreis «Public Eye Award» in vier Kategorien verliehen.

1994: Shimon Peres und Jassir Arafat schliessen in Davos das Gaza-Jericho-Abkommen ab.

1992: Der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk und der Widerstandskämpfer und spätere Staatspräsident Nelson Mandela treten gemeinsam in Davos auf und geben sich die Hand. Ein Jahr später werden beide mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

1988: Griechenland und die Türkei unterzeichnen die Davoser Deklaration und verhindern so einen Krieg.

1987: Namensänderung in Davos: Das «European Management Symposium» heisst künftig «World Economic Forum».

1974: Das Themenspektrum der Konferenz von Managementfragen wird auf wirtschaftliche und soziale Themenbereiche ausgeweitet. Forumsgründer Klaus Schwab lädt erstmals auch führende Politiker nach Davos ein.

1973: Nach dem ersten Erdölschock und der Flexibilisierung des Wechselkurssystems 1973 erfährt der Gipfel in Davos eine neue Ausrichtung. Neben Managementfragen werden nun auch politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und soziale Probleme diskutiert.

1971: Der an der Uni in Genf lehrende Betriebswirtschaftsprofessor für Unternehmenspolitik Klaus Schwab gründet das «European Management Symposium». Es soll europäischen Topmanagern eine Plattform bieten. Schwab leitet die Konferenz anfänglich auf eigenes finanzielles Risiko, um mit den Teilnehmern «die neuesten Managementmethoden aus den USA zu studieren».

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