Kampf gegen Coronavirus

09. März 2020 04:37; Akt: 09.03.2020 08:10 Print

«Ziel könnte eine gelenkte Durchseuchung sein»

von Dominic Benz - Die Ausbreitung des Virus belastet die Wirtschaft schwer. Ökonom Reiner Eichenberger sagt, was jetzt helfen könnte.

Bildstrecke im Grossformat »
Wie können wir den Schaden für die Wirtschaft klein halten? Der Ökonom Reiner Eichenberger sagt zu 20 Minuten: «Das Ziel könnte also eine klug gelenkte Durchseuchung sein.» Denn je mehr Leute das Virus gehabt hätten, desto weniger könne es sich ausbreiten und Alte und Schwache gefährden. Liestal BL, 8. März 2020: In der Schweiz gibt es den zweiten Todesfall infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. Ein Mann verstarb im Spital in Liestal an den Folgen der Infektion.Der Kanton Basel-Landschaft informierte am Sonntagnachmittag über die Hintergründe. Es handelt sich um einen 76-jährigen Mann, der bereits an zahlreichen Vorerkrankungen litt. Er hatte Herzprobleme, Diabetes und habe in der jüngeren Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten. Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verbrachte während der Fasnachtsferien einige Tage im Südtirol. Nachdem nun ganz Italien als Risikogebiet eingestuft wurde, muss sie die kommenden Tage im Home Office arbeiten, wie der Kantonale Krisenstab am Freitag, 6. März bekannt gab. Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger bedankte sich am Freitag bei der Bevölkerung für das grosse Verständnis. Er sei beeindruckt, wie die Absage der Fasnacht verdaut wurde. Stand Freitag gab es in Basel 12 Corona-Fälle. Das sind vier mehr als noch am Donnerstag. «Wir sind erst am Beginn des Anstiegs der Glockenkurve», so Steffen. Das Virus aufzuhalten, sei China nicht geglückt. Was man nun mache, ist den Verlauf zu verzögern. darauf zielten die getroffenen Massnahmen ab. «Auf diese Art probieren wir genug Zeit zu haben, um die pflegebedürftigen Patienten zu behandeln.» Steffen betonte, dass sich die Krankheit nicht stoppen lasse Die Strategie des Kantons ziele darauf ab, die Risikogruppen bestmöglich zu schützen. «Wir empfehlen Pflegeheimen die Besuchszeiten einzuschränken», so Engelberger. Besucher sollen zudem befragt werden, damit Risiken vermieden werden können. Der Gesundheitsdirektor warnt aber davor, die Besuche von Anhgehörigen ganz einzustellen, das sei ganz wichtig. «Wir stellen uns auf ein relativ garstiges Szenario ein», sagt Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals Basel. So rechne das Spital damit in ein paar Wochen mit einer dünneren Personaldecke mehr Fälle behandeln zu müssen, weil man damit rechne, dass es beim Spitalpersonal auch Ansteckungen gebe.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wie schwer schädigt das Virus unsere Wirtschaft?
Das hängt davon ab, wie wir auf das Virus reagieren. Es sind die Reaktionen, die schlimme wirtschaftliche Folgen haben, nicht das Virus selber. Die Reise- und Veranstaltungsverbote verursachen immense Kosten. Das totale Ausbremsen der Wirtschaft ist übertrieben. Die Frage ist: Wäre eine Vorwärtsstrategie nicht besser?

Umfrage
Wie wirkt sich das Coronavirus auf Ihren Alltag aus?

Wie meinen Sie das?
Gesunde aktive Erwachsene könnten sich gezielt anstecken. Je mehr Leute das Virus gehabt haben, desto weniger kann es sich ausbreiten und Alte und Schwache gefährden. Denn offenbar ist die Chance klein, dass man am Virus nochmals erkrankt. Das Ziel könnte also eine klug gelenkte Durchseuchung sein.

Wir sollen uns absichtlich krank machen?
Noch haben wir keine Impfung, darum brauchen wir Leute, die das Virus bereits gehabt haben und so «wie geimpft» sind. Für die meisten von uns ist Corona ja überhaupt nicht schlimm. Daher wäre es vielleicht richtig, dass die unter 65-Jährigen sich möglichst schnell infizieren, 14 Tage zuhause bleiben und dann wieder arbeiten, festen und reisen.

Das gefährdet aber die älteren Menschen?
Nein, im Gegenteil. Momentan wird alles ausgebremst, um diese Risikogruppe zu schützen. Doch das Virus wird die älteren Menschen sowieso erreichen. Und dann haben wir kaum Leute, die sie pflegen können ohne sich selbst und dann auch andere anzustecken. Daher müssen wir überlegen, jetzt Junge vorbeugend und gezielt zu durchseuchen.

Ziel ist doch momentan, eine Ausbreitung hinauszuzögern
Die Strategie der Regierungen ist Hinausschieben. Ich fürchte, dass sie die Nutzen davon über- und die Kosten unterschätzen. Um die Alten so wirklich zu schützen, dürften wir sie sehr lange nicht mehr besuchen und müssen das Pflegepersonal in Mondanzüge stecken. Wenn man ständig versucht, sich nicht anzustecken, ist das ein riesiger Aufwand und verschlingt immense Kosten.

Eine gezielte Durchseuchung ist wenig realistisch.
Ja, vorläufig. Noch fehlt der Regierung der Mut dazu. Aber wenn mal tausend Junge den Virus hatten und sich eigentlich wieder völlig frei bewegen könnten, dürfte der Ruf nach gezielter Durchseuchung schnell wachsen.

*Reiner Eichenberger ist Ökonom und Wirtschaftsprofessor an der Universität Freiburg

Haben Sie sich mit dem Coronavirus angesteckt oder sind Sie in Quarantäne? Für einen Artikel suchen wir Betroffene, die uns von ihren Erfahrungen berichten. Die Redaktion freut sich über eine Kontaktaufnahme im Formular unten. Wir behandeln Ihre Angaben vertraulich.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ken-Guru am 09.03.2020 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann oh Mann

    Was bei einer Durchseuchung passiert, ob nun gezielt oder nicht, sehen wir ja gerade in Italien! An manchen Entscheidungsträgern darf man zurecht zweifeln, ob sie wissen wovon sie reden.

    einklappen einklappen
  • Eli Rosa am 09.03.2020 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wahr oder?

    Leider eine Idee die an blödheit, Geldinteresse und Medienaufmerksamkeit kaum zu übertreffen ist.

    einklappen einklappen
  • Nein am 09.03.2020 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu glauben

    Nit ganz putzt de ökonom

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wabid am 10.03.2020 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    am besten grad mit seinen beiden Tochtern anfangen..

  • Lily am 10.03.2020 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn!

    Der hat sicher keine Kinder zu Hause!!!

  • Claude D. am 10.03.2020 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Typische Aussage eines

    Deutschen ....... erinnert an Deutsches Gedankengut vor 80 Jahren!

    • Meiner Seiner am 10.03.2020 19:17 Report Diesen Beitrag melden

      Recht hast Du!!!

      Das habeich mich nicht getraut zu sagen, aber genau daran errinnert mich der Mann!

    einklappen einklappen
  • Robert Winkler am 10.03.2020 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Entscheidungsträger ?

    Zum Glück ist der Hr. Eichenberger alles andere als ein Entscheidungsträger

  • 123 am 10.03.2020 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    123

    Dieser Mann ist ein I.....!