CS-Skandal

01. Oktober 2019 06:32; Akt: 01.10.2019 10:10 Print

Zwei Topmanager müssen gehen, CEO Thiam bleibt

Der Verwaltungsrat der Credit Suisse hat einen Bericht zur Bespitzelungsaffäre von Iqbal Khan vorgelegt. Demnach hatte CEO Thiam nichts mit der Überwachung zu tun.

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Die Verantwortlichen der Credit Suisse ziehen aus der Bespitzelungsaffäre Konsequenzen. «Die Überwachung von Iqbal Khan war falsch und unverhältnismässig», heisst es in einer Mitteilung der Grossbank am Dienstag, 1. Oktober 2019. Der operative Chef Pierre-Olivier Bouée und der operative Sicherheitschef Remo Boccali treten per sofort zurück. Konzernchef Tidjane Thiam bleibt. Er habe die Überwachung nicht angeordnet. Für die Credit Suisse war die vergangene Woche eine schwierige. (Im Bild: VR-Präsident Urs Rohner und CEO Tidjane Thiam) Der Aktienkurs der Bank sackte vom Freitag, 20. September, bis Freitag, 27. September, um 5,8 Prozent ein. In diesem Zeitraum kamen zunehmend Details zum Bankerzoff zwischen CEO Tidjane Thiam und dem Ex-CS-Mann Iqbal Khan ans Licht. Das Finanzinstitut büsste fast 2 Milliarden Franken an Börsenwert ein. «Das hat sicher auch mit den negativen Berichten zu tun, denn einige Anleger reagieren sensitiv auf Reputationsrisiken», sagt Andreas Venditti, Bankanalyst der Bank Vontobel. Zwar lief es für die gesamte Schweizer Börse im gleichen Zeitraum eher schlecht. Analysten nennen die Unsicherheit um das Amtenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump als einen der Hauptgründe für den Knick im Kurs. Der SMI wie auch die UBS-Aktie begannen sich aber bereits ab Mittwoch zu erholen. Anders ist es bei der Credit Suisse: Hier kam das Wochentief erst am Freitag. Der Streit zwischen Thiam und Khan kostet die Bank nicht nur Geld an der Börse, sondern auch Reputation, wie Reputationsexperte Bernhard Bauhofer (Bild) zu 20 Minuten sagt: «Diese Geschichte trägt weiter dazu bei, dass die Schweizer Bankenbranche an Glaubwürdigkeit verliert.» Genau beziffern lasse sich dieser Reputationsschaden aber nicht. Nun bestehe die Gefahr, dass es zu einer Führungskrise komme. Sollte der jetzige CEO seinen Posten bei der CS verlieren, wäre VR-Präsident Urs Rohner (Bild), der Thiam einst als idealen Kandidaten zur Bank geholt hatte, gefordert, innert Kürze einen weniger kontroversen Nachfolger aufzubieten. Tidjane Thiam und Iqbal Khan sind Nachbarn. Thiams Villa mit Rundbau steht neben Khans Backsteinhaus. Auf Google Maps ist Khans Haus noch im Aufbau. Zwei Jahre habe die Bauphase gedauert, der Lärm sorgte für Spannung zwischen den Topmanagern. Wegen zwei Bäumen zwischen Thiams Villa und Khans Backsteinhaus kam es dann an einer Cocktailparty zum grossen Streit. Eine Zürcher Filiale der Credit Suisse besudelt von Vandalen am 1. Mai 2019. Der Name der Grossbank wird derzeit von einer hausgemachten Affäre befleckt und alarmiert Aktionäre. Vor seinem Wechsel zur UBS sorgt eine Posse um den ehemaligen Credit-Suisse-Spitzenmanager Iqbal Khan für Schlagzeilen. Der bekannte Bankmanager ist offenbar beschattet worden. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft erklärte am Montag, sie habe aufgrund einer Anzeige von Khan ein Strafverfahren wegen Nötigung oder Drohung eröffnet. Im Mittelpunkt der Affäre steht ein Streit zwischen CS-Chef Tidjane Thiam (im Bild) und Khan. Khan hat die CS zu äusserst vorteilhaften Konditionen verlassen. Seine ehemalige Arbeitgeberin, die Credit Suisse, liess Iqbal Khan beschatten. Laut dem Präsidenten des Schweizerischen Verbands der ausgebildeten Privatdetektive sind diese allerdings dilettantisch vorgegangen. Seltsam ist, dass ein Banker in einer derart hohen Position eine nur dreimonatige Kündigungsfrist hat. Auch gilt in einem solchen Fall in der Regel ein Konkurrenzverbot. Dass Khan schon im Oktober die Vermögensverwaltung der UBS übernimmt, ist höchst unüblich. Iqbal Khan gilt als Kronprinz von UBS-Chef Sergio Ermotti. Er wird die Sparte bei der UBS zusammen mit Tom Naratil leiten. Co-Chef Martin Blessing tritt hingegen zurück.

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Die Bespitzelungsaffäre um den ehemaligen CS-Topmanager Iqbal Khan fordert nun personelle Konsequenzen bei der Grossbank. Der operative Chef (Chief Operating Officer COO) Pierre-Olivier Bouée und der Leiter der globalen Sicherheitsdienste treten per sofort zurück.

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Der COO hatte in einer Untersuchung im Auftrag des Verwaltungsrats erklärt, dass er die Überwachung des zur Konkurrentin UBS wechselnden Iqbal Khan allein angeordnet habe, teilte die CS am Dienstag mit. Die mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei habe keinen Hinweis darauf, dass CEO Tidjane Thiam die Überwachung von Khan genehmigt habe.

Der Verwaltungsrat erklärt in der Mitteilung, dass der Auftrag zur Überwachung von Khan «falsch und unverhältnismässig» gewesen sei und zu einem «schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank» geführt habe. Weder Untersuchung der Anwaltskanzlei Homburger noch die Überwachung von Iqbal Khan hätten Anhaltspunkte dafür erbracht, dass Iqbal Khan entgegen seiner vertraglichen Verpflichtungen versucht hätte, Mitarbeitende oder Kunden der Credit Suisse abzuwerben, hiess es weiter.

Nachfolge von Bouée geregelt

Die Beschattung von Khan war vorletzte Woche bekannt geworden. Der ehemalige Leiter der internationalen Vermögensverwaltung bei der CS hatte die Detektive bemerkt und daraufhin die Polizei alarmiert. Khan soll am heutigen Dienstag seine neue Stelle bei der UBS antreten.

Zum Nachfolger von COO Bouée und zum neuen Mitglied der Geschäftsleitung hat die Bank nun James Walker ernannt. Walker übe derzeit «verschiedene wichtige Funktionen im Finanzbereich der Bank» aus, teilte die CS mit. So sei er Chief Financial Officer der wichtigsten amerikanischen Tochtergesellschaften sowie Leiter Product Control.

(kat/sda)