Economiesuisse-Präsident

03. Januar 2016 02:41; Akt: 03.01.2016 10:16 Print

«2016 keinen grossen Aufschwung erwarten»

Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer befürchtet einen weiteren Stellenabbau in der Schweiz. Besonders gefährdet sind Büroangestellte und Kassierer.

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Stellt der Schweizer Wirtschaft düstere Prognosen: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. (2. Februar 2015) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Heinz Karrer, Präsident des Unternehmensdachverbandes Economiesuisse, macht sich «grosse Sorgen» um die Schweizer Wirtschaft, wie er im Interview mit der SonntagsZeitung sagt. Schon im letzten Jahr seien Tausende Arbeitsplätze abgebaut und ins Ausland verlagert worden. «Ich befürchte, dass dieser Prozess erst am Anfang steht, denn 2016 können wir keinen grossen Aufschwung erwarten», sagt Karrer.

Nicht nur KMU, sondern auch grosse Konzerne würden inzwischen Stellen abbauen. «Sie lagern Funktionen in der Beschaffung, im Rechnungswesen oder in der Informatik aus, zum Beispiel nach Osteuropa, Grossbritannien oder Indien.» Karrer geht davon aus, dass die Unternehmen auch in diesem Jahr «einige Tausend Arbeitsplätze von der Schweiz ins Ausland verlagern werden.» 

Neben dem starken Franken würden auch andere Faktoren diesen Prozess beschleunigen – «die politische Unsicherheit in der Schweiz nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative oder die Digitalisierung der Wirtschaft, etwa durch den zunehmenden Einsatz von Robotern.»

Digitalisierung gefährdet Hunderttausende Stellen

Gemäss einer Untersuchung der Universität Oxford werden Büroangestellte überdurchschnittlich stark von der Digitalisierung betroffen sein. Die Studie beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass sie wegautomatisiert werden, auf satte 96 Prozent, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Nur Kassierer bei den Detailhändlern haben schlechtere Prognosen.

Die Schweiz zählt 284 000 kaufmännische Angestellte. Zudem gibt es 48 000 Buchhalter, deren Stellen gemäss der Studie ebenfalls stark gefährdet sind. Insgesamt könnten die Umwälzungen, die mit dem exponentiellen Wachstum der Computer-Rechenleistung auf den Arbeitsmarkt zukommen, Hunderttausende von Stellen kosten. Zwar werden andere Jobs entstehen. Doch ob sich für diese die gleiche Gruppe von Arbeitnehmern qualifiziert, ist unsicher.

Erik Brynjolfsson, Professor für Betriebsökonomie am Massachusetts Institute of Technology, befürchtet soziale Konflikte. Zu Sündenböcken würden nebst Migranten neu auch Roboter gemacht. Brynjolfsson rät zu einer Neuerfindung der Bildung. «Wir müssen den Menschen nicht nur Fakten beibringen, denn Maschinen lernen diese sehr gut auswendig», sagt der Wissenschafter gegenüber der «NZZ am Sonntag». Der Schwerpunkt solle vielmehr auf Kreativität und Sozialkompetenz gelegt werden.

(chi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ushua am 03.01.2016 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufschwung der Steuern und KK Prämien

    Der Aufschwung wird nur den superreichen dienen, die anderen werden ausgesaugt bis ins Vacum.

    einklappen einklappen
  • Trike am 03.01.2016 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stellenabbauer

    Jede/r der mit einem Selbstscanner durch die Migros oder Coop wuselt, macht aktiven Stellenabbau!

    einklappen einklappen
  • Sandra Meyer am 03.01.2016 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ecoüberflüssig

    Könnten sie bitte den Karrer fragen, wieviel Lohnerhöhung für 2016 erhalten hat, beziehungsweise für sich selbst bestimmt hat?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 04.01.2016 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer sind denen egal!

    Economiesuisse - Das ist die von milliardenschweren globalen Konzernen, denen der kleine Schweizer Arbeitnehmer so etwas von egal ist, geleitete Wirtschaftsverband, der sämtliche Initiativen, welche an ihrer Macht kratzen, mit Millionen bekämpft. Wir Schweizer Staatsbürger sind für Economiesuisse nur gut genug, wenn es darum geht, "richtig" zu abzustimmen.

  • Curator am 03.01.2016 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht auf

    Die Kommentatoren vergessen eines. Die Wirtschaft wird den Teufel an die Wand malen damit wir dann wieder Wirtschaftsfreundlich abstimmen gehen (Rahmenabkommen). Dies zu unseren Ungunsten. Das Outsourcing, Stellenabbau vs immer mehr Zuwanderer zu verlangen nicht aufgehen kann (verantwortungslos gegenüber den Bürgern die mehr und mehr ersetzt werden) scheint die nicht zu stören. Vielleicht erhofft man das wir das nicht merken.

  • köbu am 03.01.2016 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wehr..

    ..will noch mehr Leute aus dem Ausland rekrutiern, statt die Arbeitslosen zu korrekten Löhneeinstellen

  • David Krejci am 03.01.2016 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für was Aufschwung?

    Ich brauche keinen Aufschwung, ich reduziere meine Einnahmen und Ausgaben (Einkaufstourismus!) und gut ist. Der Staat wünscht sich den Aufschwung, klar, dann kann er seinen Wasserkopf voller überbezahlter Beamten noch mehr aufblähen. Aber ohne mich!

    • Chris Schneider am 04.01.2016 00:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David Krejci

      Wieso wandern Sie nicht einfach Aus Wenn Sie es hier nicht moegen?

    einklappen einklappen
  • Milo am 03.01.2016 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    ........

    Es braucht doch nicht immer einen Aufschwung. Lassen wir das ganze doch einmal ruhen. Das ewige streben nach noch mehr Reichtum macht so vieles kaputt.