UBS

08. Februar 2011 23:49; Akt: 08.02.2011 23:49 Print

«60 Prozent Bonus als gesperrte Aktien»

von Hans Peter Arnold - Die UBS müsse noch hart arbeiten, um in der Schweiz das Vertrauen zurück zu gewinnen, sagt Schweiz-Chef Lukas Gähwiler im Interview mit 20 Minuten.

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Die UBS schreibt erstmals seit 2006 wieder einen Jahresgewinn - wie fühlt sich das an?
Lukas Gähwiler: Wir sind alle ein wenig stolz - auch wenn wir wissen, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt. In der Schweiz arbeiten wir vor allem daran das Vertrauen zurückzugewinnen.

2010 floss unter dem Strich immer noch Geld ab. Enttäuscht?
Nein, wir sind realistisch. Wir wissen, dass wir hart arbeiten müssen, um zum Erfolg zu kommen: Wir müssen Tag für Tag beweisen, dass wir für unsere Kunden da sind und dass wir die besten Berater und Dienstleistungen haben. Die Angestellten leisten Ausserordentliches!

Wie heben Sie die UBS in der Schweiz von der Konkurrenz ab?
Wir verstehen uns als regional und lokal verankerte Schweizer Bank, die gleichzeitig über ein global tätiges Netzwerk verfügt, was nicht nur für Firmenkunden wichtig ist. Die UBS kann deshalb die gesamte Palette an Bank-Dienstleistungen anbieten. Gleichzeitig engagieren wir uns stark im Schweizer Markt. So ist etwa die Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus während dieses wunderbaren sonnigen Winters ein besonderer Erfolg. Und schliesslich freuen wir uns auf das nächste Schwing- und Älpler-Fest, wo wir Königssponsor sein werden.

Die UBS-Hypotheken sind teurer als die Konkurrenz. Wie wollen Sie so Kunden gewinnen?
Diese Aussage ist zu pauschal: Wir beraten jeden Kunden individuell und entsprechend machen wir die Angebote. Unsere Kundenberatung geht auf die jeweils persönliche Situation ein.

Schaden die Wirren um das Bankgeheimnis dem Finanzplatz Schweiz nachhaltig?
Unsere Kunden können sich auf die Zuverlässigkeit, Kompetenz und Berechenbarkeit der UBS verlassen. Das ist ein entscheidender Konkurrenzvorteil, der sich langfristig für unsere Bank und den Finanzplatz auszahlt. Manchmal vermisse ich deshalb Politiker, die sich für unseren Finanz- und Bankenplatz engagieren und vorteilhafte Rahmenbedingungen gegen innen und aussen verteidigen.

Der Markt Schweiz steht besser da als die UBS in den USA: Wie erklären Sie Ihrem Personal in der Schweiz, dass die UBS-Mitarbeitende in den USA trotzdem mehr verdienen?
Die UBS ist in der Schweiz eine völlig andere Bank als in den Vereinigten Staaten. Im Gegensatz zu den USA sind wir in der Schweiz in allen Banksegmenten tätig - mit 300 Filialen und zweieinhalb Millionen Privatkunden. Die UBS ist der drittgrösste private Arbeitgeber in unserem Land und zahlt marktkonforme Löhne.

Sind 4,3 Mia. Fr. Boni nicht immer noch zu viel?
Obwohl wir 10 Milliarden mehr verdient haben als 2009 ist der Bonus-Pool um 10% gesunken. Zudem erhalten viele Mitarbeitende 60% des Bonus in Form von gesperrten Aktien. Bei einem Fehlverhalten der Angestellten verfallen diese Anteile wieder.

Was sind die Konsequenzen?
Die Mitarbeitenden müssen sich längerfristig für die UBS einsetzen, bevor sie profitieren. Das ist ein vernünftiges System, das uns alle veranlasst die Reputation zu schützen und keine untragbaren Risiken einzugehen.

Das neu eingeführte Personalberwertungssystem soll aber älterer Mitarbeiter, schwangerer Frauen und Teilzeitkräfte diskriminieren...
Falls es zu solchen Fällen gekommen ist, dann sind das klare Fehler in der Umsetzung. Zurzeit sind wir daran, die Erfahrungen und Feedbacks zum neuen Prozess zu sammeln und zu analysieren. Dann werden wir sehen, ob und in welcher Art Anpassungen nötig sind.

Vor allem stossend: mindestens ein Fünftel der Angestellten müssten als «ungenügend» oder «verbesserungsbedürftig» eingestuft werden. Wie rechtfertigen Sie das?
Das System sieht vor, dass die Leistungen der Mitarbeiter miteinander verglichen werden. Das erlaubt eine differenzierte Leistungsbeurteilung. Gleichzeitig wollen wir die Ausgangslage schaffen, um unsere Mitarbeitenden zielgerichtet fördern zu können.