Autofahren

21. Februar 2011 23:59; Akt: 22.02.2011 07:45 Print

«90 Rappen pro Liter gehen an den Staat»

von Alex Hämmerli - Autofahrer seien die Milchkuh der Nation, ärgert sich Max Nötzli, Präsident von Auto-Schweiz. Er fordert mehr autofreundliche Politiker.

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Die Auto-Importeure wollen mehr «verkehrstaugliche» Politiker im Parlament sehen. Der Verband Auto-Schweiz lanciert deswegen eine Werbekampagne. 20 Minuten hat mit dem Präsidenten von Auto-Schweiz, Max Nötzli, gesprochen. Er klagt, die Autofahrer seien die «Milchkuh der Nation».


Im vergangenen Jahr wurden 294 239 neue Fahrzeuge verkauft. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 10,6 Prozent. Auch der Januar 2011 lag 7,7 Prozent über dem Vorjahr. Sind Sie selbst von dieser Entwicklung überrascht?
Max Nötzli: Nein, der Trend wird sich weiterziehen. Ich bin für dieses Jahr zuversichtlich, aber nicht euphorisch. Ich gehe davon aus, dass wir im 2011 über 300 000 Autoverkäufe haben werden; also über 2 Prozent mehr. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung könnten es sogar deutlich mehr sein.

In den EU-Staaten sind die Autoverkäufe rückläufig. Sind die aufgrund der Verschrottungsprämien vorgezogenen Käufe die einzige Erklärung dafür?
Ja, Frankreich und Deutschland scheinen jetzt die Quittung für ihre künstliche Einflussnahme zu bekommen. Ich bin froh, dass es in der Schweiz keine solche Massnahmen gegeben hat.

Der teure Schweizer Franken führt dazu, dass immer mehr Kunden Autos im Ausland einkaufen. Wird sich dieser Trend verstärken?
Das hängt natürlich stark von der weiteren Entwicklung der Wechselkurse ab. Importeure wie Garagisten haben erkannt, dass der Druck der Kunden nach tieferen Preisen da ist. Sie reagieren mit Boni, Rabatten und erweiterten Garantieleistungen, um die Kunden zum Kauf zu überzeugen.

Reicht das?
Manche Händler verkaufen ihre Options-Pakete mit Extra-Leistungen beispielsweise zum halben Preis. Andere geben sie gleich gratis dazu. Ich erwarte aber keine allgemeinen Listenpreis-Senkungen für Neuwagen. Denn das würde indirekt auch die Preise der Occasionen drücken – und das käme einer enormen Wertvernichtung gleich.

Sie fordern eine autofreundlichere Verkehrspolitik. Was tun Sie dafür?
Im Parlament hat das Auto bei weitem nicht die Unterstützung, die es eigentlich verdienen würde. Denn man muss sich bewusst sein, dass der Strassenverkehr 80 bis 85 Prozent des gesamten Verkehrs in der Schweiz ausmacht. In diesem Wahljahr wollen wir deshalb aktiv eingreifen.

Was genau haben Sie vor?
Wir werden die Autofahrer in Inseraten dazu aufrufen, autofreundlichere Kandidaten zu wählen. Die Kandidaten präsentieren wir in Form von Listen.

Sie wollen also mehr Auto-Lobbyisten im Parlament?
Machen wir uns doch keine Illusionen: Jeder Parlamentarier ist doch heute ein Interessensverteter für irgendetwas. Uns geht es einfach darum, dass eine gerechte Verkehrspolitik betrieben wird. Heute werden die öffentlichen Gelder sehr einseitig eingesetzt; Sprich es wird quersubventioniert. Heute werden, wenn man die Schwerverkehrsabgabe LSVA einberechnet, die Hälfte der Einnahmen aus dem Strassenverkehr für den öffentlichen Verkehr eingesetzt. Da kann mir niemand sagen, dass sei gerecht.

Und um dies zu zeigen, braucht es eine Inseratekampagne?
Genau. Wir wollen auch aufzeigen, was wir fürs Autofahren genau zahlen. Kaum jemand weiss beispielsweise, dass fast 90 Rappen pro Liter Benzin an den Staat gehen. Oder dass sich bis 2014 die durch Abgaben, Zölle und Gebühren verursachten Autokosten verdoppeln werden, wenn alle politischen Begehrlichkeiten durchkommen. Darüber wollen wir informieren.

Wie wichtig sind die Nationalstrassen für die Schweizer Wirtschaft?
Sie sind die Lebensader der Wirtschaft. 80 bis 85 des Personen- und Nutzverkehrs gehen über die Strasse. Ohne sie geht hier gar nichts.

Der Verkehr auf den Schweizer Strassen nimmt Jahr für Jahr zu. Und damit auch der Stau (2009 11‘800 Staustunden). Muss die Schweiz die Nationalstrassen schneller ausbauen?
Vor allem müssen wir die Strassen fertigbauen und die Engpässe beseitigen.

Wann wird die Autobahn Bern-Zürich sechs-spurig?
Erst einmal muss man den Flaschenhals Härkingen-Rothrist in Angriff nehmen. Ein weiterer Ausbau liegt leider in weiter Ferne.

Wäre «sechs-spurig-light» mit Panneninseln statt Pannen-Streifen denkbar?
Das habe ich schon immer als diskussionswürdig angesehen. Das Thema wird aber nicht ernsthaft diskutiert. Dabei zeigt das Beispiel Lausanne, dass solche Lösungen super funktionieren.

Macht es Sinn, die Autofahrer per Verursacherprinzip zu belasten?
Ja, aber gleiches sollte auch für den öffentlichen Verkehr gelten. Heute sind die Autofahrer die Milchkuh der Nation. Unser Vorschlag ist es, die 330 Millionen Einnahmen aus der Autoimportsteuer für ein Anreizsystem zu nutzen. Soll heissen: Energieeffizientere Autos sollen damit künftig subventioniert werden. Es wäre völlig fahrlässig, angesichts der begrenzten Erdölressourcen so weiterzufahren wie heute.

Was macht Auto-Schweiz um die Elektromobilität zu fördern?
Wir warten erst einmal ab und schauen zu, wie sich der Markt entwickelt. In diesem Jahr werden die grossen Autohersteller erstmals in grösseren Stückzahlen Elektro-Modelle auf den Markt bringen. Die E-Mobile müssen jetzt zeigen, wie sie sich behaupten werden.

Wäre es nicht intelligenter, die Leute dazu zu bewegen, mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren?
Wir sind gegen gesetzliche Vorschriften, welches Verkehrsmittel wir wählen sollen. Reisen von Stadtzentrum zu Stadtzentrum sind mit dem Zug sinnvoll. Bei anderen Fahrten wird es schwieriger. Man muss sich auch vor Augen führen, dass wenn nur 10 Prozent der Autofahrer auf die Schiene umsteigen würde, die SBB ihre Kapazität verdoppeln müsste. Das ist mittelfristig völlig unrealistisch. Wir sind für eine pragmatische Verkehrspolitik, und nicht für Träumereien.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kaki am 22.02.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    @alle Autogegner

    Lasst mal endlich die Autofahrer in Ruhe. Es wohnt nicht jeder in der Stadt und der Agglomeration, wo das ÖV-Netz hervorragend ist. Zudem subventionieren wir mit den vergleichsweise mörderisch hohen Benzinpreisen in der CH permanent den ÖV quer.

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  • Peter am 22.02.2011 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    öV Benutzer sollen für Strasse zahlen

    Ich bin der Meinung, dass jeder öV Benutzer eine Abgabe von 10% des Billetpreises an den Strassenbau entrichten sollte. So könnten die Strassen ausgebaut und Stau vermieden werden. Schliesslich wurde die umgekehrte Abgabe schon jahrelang praktiziert. Wieso nicht einmal umkehren?! Verursachergerecht wäre doch wirklich sinnvoll. Jeder hat seine vollen Kosten zu tragen. Ohne Subvention durch Steuergelder.

  • Tony Berger am 22.02.2011 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Fliegerei

    Ein Flug nach Thailand und zurück verbraucht pro Person ca. 4500 Liter Treibstoff (in einem modernen Flugzeug). Hier sollte man den Hebel ansetzen und den Flugzeug-Treibstoff höher besteuern. Die Lufthansa alleine verbraucht pro Jahr soviel Öl wie ganz Irland ! Ich bin kein Grüner, aber dies ist bedenklich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Felix am 22.02.2011 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine Korruption!

    Die Autolobby will keine Strassen und Tunnels usw finanzieren. Also Ruf nach mehr Staat. Ist ja unglaublich Gotthard- / St. Bernhardino für alle gratis, auch für Ausländer. Gemeinde- / Kantonsstrassen gratis. Aber in Italien bezahlen wir mehr fürs Benzin und bis Genua fast Fr. 40.- Autobahngebühr! Bei uns ist dies eine Jahresgebühr. Der ÖV und der private Verkehr sollen ihre Kosten je selbst bezahlen. Wir brauchen faire Politiker, keine Korrupte.

  • Kaki am 22.02.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    @alle Autogegner

    Lasst mal endlich die Autofahrer in Ruhe. Es wohnt nicht jeder in der Stadt und der Agglomeration, wo das ÖV-Netz hervorragend ist. Zudem subventionieren wir mit den vergleichsweise mörderisch hohen Benzinpreisen in der CH permanent den ÖV quer.

    • Roger Liechti am 22.02.2011 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      Aha

      Mörderisch hohe Benzinpreise -lächerlich. Kaufen Sie ein Ato das mit vier Litern fährt, dann kostet sie das Benzin für 50km aufgerundet 4.-. Wie arm müssen Sie sein, wenn diese Kosten als mörderisch bezeichnen?

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  • REne am 22.02.2011 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Homeoffice

    Meiner Meinung nach müsste das so genannte "homeoffice" viel mehr gefördert werden. von Firmen und Staat. Sehr viele menschen könnten von zu Hause aus Arbeiten und müssten nicht extra ins Büro und zurück fahren. Dies wäre eine lohnende Situation für alle; weniger Verkehr; kürzere Arbeitszeiten (ohne arbeitsweg); billigere Infrastruktur für den Arbeitgeber etc. Aber es ist einfacher einfach irgendwelche Preise zu erhöhen. Probleme löst dies aber keine, Autofahren wird einfach zum Luxus.

  • G. Strabovski am 22.02.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Autofahrer sind selber Schuld!

    Es gibt anscheinend Luete, die wie immer meinen nur weil man es sich leisten kann, darf man es auch tun. Wäre benzin noch billiger, würde noch mehr Leute das Auto benützen. Selber Schuld, wer mit einem Offroader herumfährt oder sonst ein risiges Auto hat um alleine zur Arbeit zu fahren. Ein Auto ist ein Luxus und das sollte auch so bleiben. Jeder will immer individuell bleiben und auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Das geht halt einfach nicht. Die Umwelt wird schon so genug belastet! Sind wir doch erhlich, für's einkaufen könnten mindestens 95% der Autofahrer auch auf's Auto verzichten

    • Pädu am 22.02.2011 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      Dann sind wir's halt

      In welchem Entwicklungsland sind Sie aufgewachsen, dass Sie ein Auto als Luxusgut bezeichnen? Und warum soll Individualität nicht gehen? Tut mir leid, aber ihrem Beitrag kann ich kein vernünftiges Argument entnehmen, warum man sich kein Auto kaufen soll.

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  • Max Pfenninger am 22.02.2011 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    The future is close!

    Die Ursache des Problems ist das stetig zunehmende Mobilitätsbedürfnis einer immer stärker vernetzteren und wachsenden! Gesellschaft. Das führt zwingendermassen zu Problemen, beim ÖV ebenso wie auf der Strasse. Längerfristig müssen wir ganz andere Ansätze wählen, um dem gerecht zu werden. Da arbeiten, wo man wohnt, mehr zu Fuss und mit dem Fahrrad unterwegs sein.