Flight-Attendant erzählt

19. Juli 2019 21:56; Akt: 19.07.2019 22:04 Print

Die häufigsten Boarding-Fehler der Flugpassagiere

Der Einstieg ins Flugzeug ist das Nadelöhr in die Ferien: Wer den verpasst, bleibt zu Hause sitzen. Ein Flight-Attendant erzählt, was alles schiefgehen kann.

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Am Flughafen Zürich soll ein anderes Boarding-System getestet werden, bei dem die Passagiere je nach Sitzplatz ins Flugzeug steigen. «Ich bin skeptisch, dass dies funktionieren wird», sagt Roland Peer vom Beratungsunternehmen 2assistU. Er war acht Jahre Flight-Attendant und ist seit mehreren Jahren in der Passagierbetreuung tätig, unter anderem an den Gates. Er erlebt, wie nur schon das Standard-Boarding für die Passagiere zur Herausforderung wird.

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«Sobald die Menschen sich am Flughafen befinden, werden viele konfus. Dies stellt jeder fest, der am Flughafen arbeitet», sagt Peer. Vielleicht sei es die Luft im Flughafengebäude, die Anspannung oder die Vorfreude auf die Ferien, letztlich aber sei dies immer wieder feststellbar und unerklärlich.

Bei fehlenden Passagieren muss Gepäck gesucht werden

Typisches Beispiel: «Leute verpassen ihren Flieger, obwohl sie schon zwei Stunden vorher bereit am Gate sitzen, das ist unglaublich, aber passiert tatsächlich immer und immer wieder.» Wie das? Sie warten bis zum Schluss cool, werden mit ihrem Namen ausgerufen, aber reagieren nicht. «Ich spreche sie dann direkt an, ob sie nicht auf diesen Flug müssen, und sie schütteln nur den Kopf.» Erst wenn das Gate geschlossen und es unmöglich ist, noch an Bord zu gehen, merken sie, dass es tatsächlich ihr Flieger ist. «Dann ist es zu spät, denn 10 Minuten vor der Abflugzeit muss das Gate geschlossen werden.»

Für ihn und die Kollegen der Belademannschaft seien dies immer stressige Momente. Bei fehlenden Passagieren muss aus Sicherheitsgründen ihr Gepäck gesucht und aus dem Flugzeug ausgeladen werden, und das koste wertvolle Zeit.

Falsches Gate ein häufiger Grund

Wegen Parfüms, Toblerone, Drinks und Zigaretten im Tax-Free-Paradies blieben schon viele Passagiere auf der Strecke. «Viele verlieren sich im Shopping.» Sie kommen dann mit vollen Säcken raus, aber haben ihren Flug verpasst, wegen dessen sie ja eigentlich am Flughafen sind. «Das gehört zum Standard, den wir immer wieder erleben.» Häufigste Entschuldigungen für einen verpassten Flug sind jedoch ein verspäteter Zug zum Flughafen (Nummer eins), Ärger an der Sicherheitskontrolle wegen eines Taschenmessers oder Flüssigkeiten (Nummer zwei).

Ein weiterer Grund für fehlende Passagiere: Die Reisenden gehen zum falschen Gate. Sie schauen auf der Tafel nur nach ihrer Destination, nicht aber nach der Flugnummer und warten dann am falschen Gate. Da es gerade in der Hauptreisezeit oft vorkommt, dass dieselbe Destination von mehreren Airlines angeflogen wird, seien solche Fälle Alltag. «Bis sich der Irrtum aufdeckt, ist ihr eigentlicher Flug oft schon weg. Obwohl wir uns stets bemühen, die fehlenden Passagiere noch rechtzeitig an den anderen Gates ausfindig zu machen», sagt Peer.

«Das gibt ein Ghetto»

Manchmal gibt es noch andere Gründe, warum sich das Boarding verzögert: «Es gibt auch Leute, die beim Boarding noch den Flieger küssen möchten oder sich bekreuzigen, bevor sie in die Maschine steigen.» Passagiere mit Flugangst erkennen die Flughafenprofis jedoch an etwas ganz anderem: «Sie reden oft sehr viel oder stellen irgendwelche Fragen, einfach um die Anspannung zu überdecken.» Was machen sie dann?« Oft hilft es, wenn man die Passagiere kurz mit den Piloten bekanntmacht, damit sie ihnen die Hand schütteln können und wissen, wer vorne sitzt, und dass sie gut aufgehoben sind.»

Das Boarding nach einem anderen System, bei dem die Passagiere mit einem Sitzplatz am Fenster zuerst und die mit einem Platz am Gang zuletzt einsteigen, dürfte noch aus einem einfachen Grund nicht funktionieren, wie Peer meint: Beim Self-Boarding wird die Anlage so eingestellt, dass nur Leute mit den entsprechenden Plätzen durchgelassen werden. Es dürfte jedoch auch andere geben, die trotzdem durchwollen. Die denken dann, dass die Anlage nicht funktioniere oder etwas mit ihrem Ticket nicht stimme, und blockieren den Durchgang. «Das gibt ein Ghetto, und das Boarding kommt ins Stocken.» Und vorwärts gehe dann gar nichts.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chupachup am 19.07.2019 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ich nicht lache

    Das wird nie und nimmer funktionieren.Der Mensch ist in der Masse zu doof für solche Aufgaben.

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  • flugangst am 19.07.2019 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ah ha

    also ich habs noch nie erlebt, dass ein passagier noch schnell ins cockpit kann, um noch ein handshake mit dem piloten zu machen, damit er oder sie seine oder ihre flugangst überwindet...

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  • Vera69 am 19.07.2019 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos...

    Und für diese Meldung eine Push-Info nach 22.00? Im ernst jetzt??!?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Morena am 20.07.2019 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Ich, w 25, fliege viel und finde die Idee sehr gut, dadurch kann viel Zeit eingespart werden, Einziges Problem sehe ich auf Strecken wo jeder 2. ein Handgepäck hat & es auch kostenfrei nicht aufgeben will. Resultat: Personen mit Gangplatz haben keinen Platz mehr um Handgepäck zu verstauen..

  • Sabine am 20.07.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem

    Also einfacher gehts wohl kaum. Das 1. nach der Kofferaufgabe, Flugnummer und Gate checken dann noch einen schnellen Cafe. Tuti free nur wenn ich noch Zeit habe und dann ab zum Gate. Wo ist da das Problem???? Vor allem gibt es überall die Anzeigetafeln....

  • Gabriela Belgacem am 20.07.2019 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neues Flugsystem

    Ich bin dieses Jahr schon an 2 Destanationen mit 2 Fluggesellschaften geflogen,normal bekommt man die Nachricht per SMS oder E-Mail Boardikarten aufs Handy,aber mir ist auch schon passiert das die Gates erst sehr spät aufgerufen wurden, man fast zum Gate hetzen musste,die Beschilderungen sehr Kompliziert sind,das muss man auch beachten bei den Fluggesellschaften,das den Plätzen bringt nicht wirklich was,die Systeme die jetzt schon sind reichen völlig aus.

  • alright am 20.07.2019 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem Nummer eins ist der Egoismus

    Was ich immer wieder erlebe, ist, dass wenn gewisse Reihen oder was auch immer aufgerufen werden, auch 90% der anderen sich an den Schalter einreihen und sich vordrängen versuchen. Meist dann noch mit viel zu vielen oder zu grossen Taschen und niemand hält die zurück und am Schluss versperren sie alles und nehmen allen den Platz. Hier sollte man besser durchgreifen. Diese Egoisten gehören zurückgehalten und ans Ende der Schlange strafversetzt.

  • ReformJew am 20.07.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Da gibts einige die einem am liebsten das Fliegen verbieten wollen aber um etwas zu erleben muss man wegfliegen. Gehe bald für immer nach Tel Aviv und dann kann ich aufs Fliegen verzichten. Man hat Strand, Vergnügungsparks, freundliche Menschen, eine gute Wirtschaft, Jobs, alles wo die Schweiz nicht hat.

    • Victor Brunner am 20.07.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Reise

      Ja und überall Militär, Verbote und ein korruptes Regime!

    • MiKü2 am 21.07.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ReformJew

      Das einzige, dass es davon in der Schweiz nicht gibt, ist der Strand - nehme mal an Sie meinen Meeresstrand. Dass es in TelAviv nur freundliche Menschen gibt, würde ich stark bezweifeln - ein Kumpel von mir, der 2 Jahre dort lebte, erzählt gerade zu diesem Thema so einiges...wünsche Dir aber auf jeden Fall eine gute Zeit dort.

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