Grüne Pisten

22. Februar 2011 17:45; Akt: 22.02.2011 19:39 Print

«Auch die Konkurrenz hatte keinen Schnee»

von Sandro Spaeth - Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Zwar ist das Jahr 2010 überraschend gut ausgefallen, der Prüfstein wird aber die laufende Wintersaison.

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Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid steht vor grossen Herausforderungen. (Bild: Keystone)

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20 Minuten Online:Der Schweizer Tourismus leidet. Ein zu starker Franken und viel zu wenig Schnee: Hätte es für Sie als oberster Touristiker noch schlimmer kommen können?

Jürg Schmid: Ja – denn die Herausforderung besteht hauptsächlich aus der Währung. Andere Parameter wie beispielsweise die Wettbewerbsfähigkeit stimmen mich zuversichtlich. Der starke Franken hat unser Land aber für Gäste aus der Eurozone in den letzten zwei Jahren um 23 Prozent verteuert.

Wie stark haben die Bilder von Kunstschneestreifen auf grünen Wiesen dem Image der Schweiz als Winterdestination geschadet?
Hätte sich der Schneemangel nur auf die Schweiz bezogen, wäre der Schaden gross. Zum Glück war die Schneedecke aber auch in Deutschland und Österreich dünn. Der gesamte Alpenraum hatte fast acht Wochen Sonnenschein und keine Schneefälle.

Sie haben vor der Saison fürs Wintergeschäft einen Rückgang von bis zu 5 Prozent prognostiziert. Wird es wegen des schneearmen Winters noch schlimmer?
Wir gehen weiterhin von einem Rückgang von 2 bis 5 Prozent aus. Das gilt aber nur für die Zahl der Übernachtungen. Der Umsatz im Tourismus dürfte stärker rückläufig sein. Weil die Schweiz etwas teurer geworden ist, geben die Leute weniger aus, beispielsweise beim Auswärts essen.

Wie viel mehr Werbebudget wäre nötig, um den Rückgang aufzufangen?
Es gibt keine Marketingstrategie, die den Rückgang gänzlich aushebeln kann. Die sinkenden Übernachtungszahlen lassen sich aber abfedern. Dazu beantragt der Bundesrat beim Parlament 12 Millionen Franken für ein Stabilisierungsprogramm vor. Dieses dürfte den Rückgang um 1 bis 1,5 Prozent dämpfen.

Für den Schweizer Tourismus sind die einheimischen Gäste sehr wichtig. Diese verbringen ihre Ferien aber vermehrt in Österreich, das so günstig ist wie nie zuvor. Frustriert Sie das?
Klar ärgert mich das. Aber auch die Schweiz hat bei den österreichischen Gästen in den letzten Jahren zugelegt. Ich muss aber anerkennen, die Österreicher machen einen guten Job. Und nun haben Sie noch den Turbo Namens Schweizer Franken in ihren Segeln.

Wie wollen Sie die Schweizer Gäste in der Schweiz halten?
Wir müssen den Einheimischen aufzeigen, dass die Schweiz mehr ist als einfach ein Schnäppchen. Es gilt die Top-Tourismuserlebnisse nach aussen zu tragen und der Bevölkerung Inspiration zu geben.

Viel weniger Schweizer Gäste sind 2010 ins Tessin gereist. Was läuft dort falsch?
Das Tessin hat ein Problem mit der Qualität der Mitteklassehotels. Die Strukturbereinigung ist noch nicht weit genug fortgeschritten. Zudem hat das Tessin den Nachteil mit dem Dauerstau am Gotthardtunnel. Darum hat der Südkanton auch vor allem in der Deutschschweiz und Deutschland Gäste verloren.

Heisst das, sie fordern eine zweite Gotthardröhre?
Ich fordere gar nichts. Die Tessiner Touristiker wünschen sich aber einen zweite Röhre. Dass der Gotthard-Basistunnel ab 2017 aufgeht und die Bahnverbindung viel schneller wird, ist eine grosse Chance. Aber: 80 Prozent der Tessin-Gäste reisen mit dem Auto an.

Kann ein Schweiz Tourismus-Chef eigentlich Ferien im Ausland machen?
Selbstverständlich! Manchmal ist es gut, wenn man sich als Touristiker vom Ausland inspirieren lässt. Meine letzten Ferien waren aber Skiferien in der Lenzerheide.

Um die Gunst der Kunden wirbt Schweiz Tourismus in Kürze mit einem neuen Werbespot, der die humorvolle Geschichte der beiden Bergler weiter erzählt. Diesmal zieht es Sebi Küttel und Paul Betschart in die Stadt.