Swiss-Chef

11. Dezember 2019 09:25; Akt: 11.12.2019 09:25 Print

«Billigfliegerei erreicht problematische Züge»

von S. Spaeth - Der Swiss-Chef Thomas Klühr kritisiert die Besteuerung von Flugtickets massiv. Die Airlines würden der Gebühr mit noch billigeren Tickets begegnen.

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Swiss-Chef Thomas Klühr übt im neuen Swiss-Magazin «Aeropolitics» scharfe Kritik an der Klimaabgabe. Im Herbst hat der Ständerat für eine Abgabe von 30 bis 120 Franken ausgesprochen. «Das Parlament ist daran, eine Abgabe zu beschliessen, die mehr Schaden anrichtet, als der Umwelt zu helfen», so Klühr. Eine rein nationale Flugticketabgabe belaste einzig die direkte Anbindung der Schweiz an die Welt. Das Magazin «Aeropolitics» der Swiss wird an die 246 National- und Ständeräte sowie an die Kantonsräte in Zürich verteilt. Zudem geht es an Verbände und Wirtschaftsvertreter. Klühr geht davon aus, dass die Airlines die wegen der Flugticketabgabe drohenden leeren Sitze wieder zu füllen versuchen: «Das funktioniert dann paradoxerweise nur über noch tiefere Preise», so Klühr. Klühr räumt zwar ein, dass die «Billigfliegerei problematische Züge erreicht» habe, aber zu glauben, ein einzelner Staat könne hier Gegensteuer geben, sei naiv. Die Zürcher kann die Kritik von Swiss-Chef Thomas Klühr nicht nachvollziehen: «Die Klimadiskussion ist in aller Munde. Da ist es für mich unverständlich, dass sich der Swiss-Chef so vehement gegen eine Flugticketabgabe wehrt.» Dass die Gebühr die Wettbewerbsfähigkeit der Swiss stark einschränkt, glaubt , nicht: «Massiv schädlicher als eine Flugticketabgabe sind die vielen weiteren Einschränkungen, womit der Swiss in Zürich das Leben schwer gemacht wird.» Bereits im Oktober hat Thomas Klühr vorgeschlagen, dass ein Schweizer Flugticket künftig mindestens 100 Franken kosten soll. Der Airline-Chef argumentiert, dass so eine Massnahme einen grösseren Einfluss auf die CO2-Reduktion haben könnte als etwa eine Flugticketabgabe. «Auch eine CO2-Abgabe kann so eingepreist werden, dass Nonsense-Flüge auf der Kurzstrecke weiterhin stattfinden», erklärt Andreas Wittmer, Ökonom an der Universität St. Gallen. Darum sei ein Mindestpreis von 100 Franken eine sinnvolle Massnahme. Martin Peter, Ökonom beim Forschungsbüro Infras, sagt: «Wenn eine Airline die Ticketpreise für einen Flug um beispielsweise zehn Prozent erhöht, dann passen rund zehn Prozent der Passagiere ihr Reiseverhalten an.» Klühr kritisiert auch grundsätzlich die Bedingungen am Flughafen Zürich: «Es ist nicht die einzelne Massnahme, die uns umbringt, aber die Summe der einzelnen Massnahmen hat ein bedrohliches Niveau erreicht», so Klühr. Das wirksamste Mittel zu Reduktion von Treibhausgasemissionen sind laut dem Swiss-Chef Investitionen in moderne und effiziente Flugzeuge. Die von Wittmer als «Nonsense» bezeichneten Kurzstreckenflüge sind für die Swiss übrigens auch gar nicht lukrativ. Gerade mal 800 Franken beträgt die Marge im Schnitt pro Flug mit dem A320. Das ist weniger als ein Zehntel der höchsten Durchschnittsmarge bei Langstreckenflügen. Für die Swiss lohnt sich das trotzdem, denn viele Kurzstreckenpassagiere steigen in Zürich auf einen Langstreckenflug um. Um Passagiere anzulocken, kommt es oft vor, dass ein Flug mit Umsteigen billiger ist als ein Direktflug. Somit ist die Kombination eines Kurz- und Langstreckenflugs insgesamt günstiger als der Langstreckenflug allein.

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Die Luftfahrtindustrie steht unter Kritik, insbesondere die Billigfliegerei: Sie soll schuld sein daran, dass Menschen sinnlos in Europa herumfliegen. Und sie trage durch den CO2-Ausstoss einen beträchtlichen Teil zum Klimaproblem bei. Die Reaktion der Politik ist eine Flugticketabgabe. Dagegen wehrt sich etwa die Swiss. Im hauseigenen Magazin «Aeropolitics», das die Airline diese Tage an Schweizer Politiker versendet hat, geht Swiss-CEO Thomas Klühr in die Offensive: «Das Parlament ist daran, eine Abgabe zu beschliessen, die mehr Schaden anrichtet, als der Umwelt zu helfen», so Klühr. Eine rein nationale Flugticketabgabe belaste einzig die direkte Anbindung der Schweiz an die Welt.

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Im Rahmen des neuen CO2-Gesetzes hat sich der Ständerat bereits im Herbst für eine Abgabe von 30 bis 120 Franken ausgesprochen. Der Nationalrat ist 2020 wieder mit Beratungen an der Reihe. «Die vom Ständerat beschlossene Abgabe macht mir Sorgen», sagt Klühr, der seit 2016 an der Spitze der Swiss steht. Das Schadenspotenzial für die Airline sei erheblich. Als Profiteure einer Schweizer Flugticketabgabe sieht der Manager die ausländischen Fluggesellschaften.

«Billigfliegerei hat problematische Züge erreicht»

Klühr geht davon aus, dass die Airlines die wegen der Flugticketabgabe drohenden leeren Sitze wieder zu füllen versuchen: «Das funktioniert dann paradoxerweise nur über noch tiefere Preise», so Klühr. Er erwartet, dass Schweizer Passagiere wegen der Abgabe auf ausländische Drehkreuze in Europa oder in der Türkei ausweichen werden. Die Folge: Umwege und mehr Flugkilometer: In der Summe bringe die Massnahme der Umwelt nichts, dafür eine zusätzliche Belastung für die Swiss, was der Wettbewerbsfähigkeit schade.

Klühr räumt im Interview mit dem vierteljährlich erscheinenden «Aeropolitics» zwar ein, dass die «Billigfliegerei problematische Züge erreicht» habe, aber zu glauben, ein einzelner Staat könne hier Gegensteuer geben, sei naiv. Der Swiss-CEO sieht in der Klimafrage zwar Handlungsbedarf, fordert aber internationale Massnahmen mit verbindlichen Reduktionszielen für die gesamte Branche. «Nur so kann sichergestellt werden, dass es keinen Ausweichverkehr und dadurch mehr CO2 gibt», so Klühr.

Neue Flotte sorgt für weniger CO2

Bereits beschlossene Massnahmen würden bei der Swiss bis 2030 zu einer Reduktion von bis zu 40 Prozent der CO2-Emissionen führen. Das wirksamste Mittel zu Reduktion von Treibhausgasemissionen sind laut dem Swiss-Chef Investitionen in moderne und effiziente Flugzeuge. Klühr sieht sich hier auf dem richtigen Weg: 2020 wird die Lufthansa-Tochter den Airbus-A320 Neo einführen, der bei gleicher Leistung 20 Prozent weniger CO2 ausstösst.

Klühr kritisiert auch grundsätzlich die Bedingungen am Flughafen Zürich, der in Spitzenzeiten ans Kapazitätslimit kommt. Die Folge sind viele verspätete Flüge. Massnahmen, die Linderung bringen könnten, würden bestenfalls in fünf Jahren umgesetzt, so der Swiss-Chef. Zudem moniert er, die Flughafengebühren in Zürich seien zu hoch und es gebe Bestrebungen, die Betriebszeiten noch stärker zu beschränken. «Es ist nicht die einzelne Massnahme, die uns umbringt, aber die Summe der einzelnen Massnahmen hat ein bedrohliches Niveau erreicht», so Klühr.


Das sagten Politiker zur Kritik des Swiss-Chefs

Die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf kann die Kritik von Swiss-Chef Thomas Klühr nicht nachvollziehen: «Die Klimadiskussion ist in aller Munde. Da ist es für mich unverständlich, dass sich der Swiss-Chef so vehement gegen eine Flugticketabgabe wehrt.» Den Vorwurf, eine eigene Schweizer Lösung sei naiv, lässt Seiler Graf nicht gelten: «Klar, wäre eine internationale Abgabe auf Kerosin sinnvoll. Aber das kann die Schweiz nicht allein bestimmten.» Laut der SP-Nationalrätin ist eine Ticketabgabe vor allem eine Massnahme, um sinnlose Billigflüge einzudämmen. Und zum Argument der eingeschränkten Wettbewerbsfähigkeit sagt Seiler Graf: «Das ist reine Angstmacherei.»

Hans-Jakob Boesch, FDP-Präsident des Kantons Zürich, sieht bei einer nationalen Flugticketabgabe die Gefahr, dass es zu Ausweichverkehr kommt. Dies muss in der Gesetzgebung unbedingt verhindert werden», sagt Boesch. Dass die Gebühr die Wettbewerbsfähigkeit der Swiss stark einschränkt, glaubt der FDP-Mann hingegen nicht: «Massiv schädlicher als eine Flugticketabgabe sind die vielen weiteren Einschränkungen, womit der Swiss in Zürich das Leben schwer gemacht wird», sagt Boesch. Er fordert in Zürich rasch ein neues Betriebsreglement, damit die Swiss entlastet werde. Der Wirtschaftsraum Zürich sei auf ein internationales Drehkreuz angewiesen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MSI1948 am 11.12.2019 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billigflieger

    Wer sich noch an die Zeiten erinnern kann als Fliegen ein Vergnügen war, geht sicher mit mir einig, dass es nicht mehr Abgaben braucht, sondern wesentlich höhere Ticketpreise die ein komfortables Reisen ermöglichen. Platz, Leistung, Qualität nicht Masse.

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  • mikemet am 11.12.2019 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Warum muss

    Warum muss das Fliegen immer Billiger sein? Macht endlich wieder überlebensfähige Tarife. Klar gibt es dann evtl. weniger die Fliegen. Aber so macht man sich den Markt total kaput und am schluss sich selber. Ich zahle lieber ein paar Franken mehr, dafür habe ich einen gewissen Service. und auch keinen Stress.

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  • Lean am 11.12.2019 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Euch

    Sehr traurig, dass die Grünen nie erwähnen, dass ein heutiger Flugzeugmotor (gilt auch für Automotoren) rund ein Viertel des Verbrauchs anno 1970 hat. Technisch kann man dieses Problem lösen. Da brauchen wir keine neue Gottheit aus Schweden. Man sollte lieber den Ingenieuren und Erfinder danken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Greta Rytz am 12.12.2019 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reduktion der Anzahl Flüge

    leere Sitzplätze in den Flugzeugen ? wie wär's wenn statt CO2 Abgabe eine Reduktion der Anzahl Flüge umgesetzt würde? Keine Flüge von 21 Uhr bis 07 Uhr ! Flughafen Erweiterungs- Memorandum wäre auch eine Sofortmassnahme - aber leider MUSS aufgrund der Wirtschaftsleher die Wirtschaft ständig wachsen. Das hat Mutter Erde einfach nicht kapiert.

  • fliegender globi am 12.12.2019 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss ist eine Billigairline

    Die Swiss will nur kassieren und (ausser sehr teuere Tarifen) nichts bieten. Der CHer Kunde wird schamlos abgezockt, fuer nichts und wieder nichts.

  • Flugi flüg us am 12.12.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als 3 Flugreisen im Jahr, grössere Flugtarife

    Fliegen quasi zu verbieten, mit extrem hohen Preisen, kanns ja nicht sein, dann könnte sich eine autolose Durchschnitts-Familie ja kaum noch einen Strand-Urlaub leisten, da Züge nach Italien, Frankreich usw... auch recht teuer sind. Vielmehr sollte man ein Globales Register führen, welche jene zur Kasse bitten, welche öfters als 3x jährlich mit dem Flugzeug unterwegs sind, da jene die Nachfrage mehr steigern. Somit quasi ein jährliches Tarifsystem für Flüge.

  • Peterson am 12.12.2019 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    CO2 ?

    Was sollen CO2 Abgaben? Kerosin muss besteuert werden und das Geld in die Bundeskasse.

    • Timo am 12.12.2019 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      Leider nicht so einfach

      @Peterson, bedenke dass alle Airlines wenn nötig auch im Ausland tanken können.... und nur das minimum in der CH aufnehmen würden... So lässt sich diese "Massnahme" leider einfach aushebeln.

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  • Alicia am 12.12.2019 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Loyalität einseitig?

    Loyalität zur Swiss? Herr Klühr, raten Sie mal, wann ich das letzte Mal an einer Swiss-Flug Schwiizerdütsch vom Kabinpersonal gehört habe.