«Brettli» statt Bonus

21. Dezember 2011 14:00; Akt: 21.12.2011 14:22 Print

«Chefetage hat ein Brett vor dem Kopf»

«Lachhaft», «übel», «der blanke Hohn». Diese Worte wählten Leser fürs «Brettli», das Swiss-Angestellte statt eines Weihnachtsgeldes erhalten haben. Der Ärger richtet sich gegen die Swiss-Bosse.

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So hat es sich Swiss-CEO Harry Hohmeister bestimmt nicht vorgestellt. Zahlreiche Swiss-Angestellte haben des geschenkte «Brettli» abgelehnt. (Bild: Keystone)

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Zu Weihnachten hätte sich die Swiss wohl bessere PR gewünscht: Dass die Fluggesellschaft ihren Mitarbeitern ein Schneidbrett statt eines Weihnachtsbonus zukommen liess, ist zum Medienthema geworden – und hat zu einem Sturm der Entrüstung geführt. Mittlerweile mag die Swiss-Pressestelle zur «Brettli-Affäre» gar nicht mehr Stellung nehmen. Die Diskussion werde intern geführt, lässt eine Sprecherin ausrichten.

Heftig diskutiert haben die Leser von 20 Minute Online. «Eigengoal für Swiss», kommentiert Leser Beat Moser das gestrichene Weihnachtsgeld der Swiss. Deutliche Worte findet auch Martial Callair: «Ein übles Geschenk – eine Schande für eine Gesellschaft, die so gute Zahlen erreicht.» Und Rita Wiesendanger schreibt als Titel in ihrem Talk-Back-Eintrag einzig: «Lachhaft.» Dann führt sie aus: «Wer so einen Blödsinn – wie ein Schneidbrett für Edelschokolade – als angemessenes Weihnachtsgeschenk an die Mitarbeiter bestimmt hat, sollte umgehend gefeuert werden.»

Dass dem Swiss-Personal das Weihnachtsgeld (im Vorjahr 2000 Franken) gestrichen wurde, können viele Leser nicht verstehen, zumal die Swiss lediglich zwölf Monatslöhne bezahlt. «Wenn es der Firma schlecht geht und deswegen das Weihnachtsgeld gestrichen wird, kann man das ja nachvollziehen. Aber bei Gewinnen?», bemerkt Leser Schweizermann. Egal wie hoch die Löhne seien, das Weihnachtsgeld zu streichen sei eine Unverschämtheit und der Beweis für krankhafte Gier. «Die Swiss-Teppichetage interessiert sich nur für eines: Geld!», doppelt ein anderer Kommentator nach.

Typisch deutsch?

Dass kein Weihnachtsgeld ausbezahlt werde, sei typisch deutsche Mentalität, schreibt Leser Christian Müller. Zur Erinnerung: Im Juli 2007 hat die deutsche Lufthansa alle Anteile der Swiss übernommen – und der aktuelle Swiss-CEO Harry Hohmeister sowie sein Vorgänger Christoph Franz stammen beide aus Deutschland: «In deutschen Firmen werden gute Mitarbeiter nicht geschätzt! Dass nur gute Mitarbeiter die Zahlen erst möglich machen, wird ausser Acht gelassen!», so Müller weiter. Leserin Regi empört sich: «Dieses Präsent empfinde ich als abschätzig und als blanken Hohn! Vielleicht ist es aber auch das unbewusste Bekenntnis, dass so mancher in der oberen Etage ein Brett vor dem Kopf hat.»

Die 20-Minuten-Online-Leser werfen der Swiss auch schlechte Kommunikation vor. Wenn es schon keine 2000 Franken Weihnachtsbonus gebe, dann solle das wenigstens anständig kommuniziert werden, schreibt eine Leserin. Anstelle des «Brettlis» – das sowieso niemand brauchen werde – wäre ein Einkaufsgutschein besser gewesen. Damit könne man wenigstens etwas anfangen.

Kein Verständnis

Gewisse Leser können die Aufregung um die «Brettli-Affäre» dagegen gar nicht verstehen. «Ich finde es lächerlich, über so eine Aktion zu diskutieren», schriebt Jule. «Ihr solltet die Geschenke schätzen und zufrieden sein, dass Ihr einen tollen Beruf ausüben dürft», so die Leserin an die Adresse der Swiss-Angestellten. Und auch Leser Sandro hat kein Verständnis für die Aufregung: An seinem ehemaligen Arbeitsplatz habe es zu Weihnachten nicht mal ein Dankeschön für die harte Arbeit und die Überstunden gegeben.

Interessant ist das Votum von Leserin S.P., die vor wenigen Wochen an einer Swiss-Veranstaltung zum Anwerben von neuen Cabin-Crew-Mitgliedern teilgenommen hat. Dort ist über das Thema Lohn angeblich gesagt worden: Die Entschädigung sei vergleichsweise niedrig, dafür erhalte man immer ein grosszügiges Weihnachtsgeld. Die Swiss-Pressestelle wollte den Sachverhalt nicht bestätigen.

Einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag zur Verwendung des ungeliebten Weihnachtsgeschenks machte Leser Peschä: Die Swiss-Angestellten könnten sich an Silvester treffen, um mit den «Brettli» ein Höhenfeuer zu veranstalten.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David Kamber am 19.12.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Käse

    Die Manager geben sich natürlich auch mit dem Käsebrett zufrieden?

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  • Annabelle am 22.12.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Neues aus Absurdistan

    Das berühmte Brettli bei der Post abzuholen kostet darüber hinaus 7 sFr.

  • Jamie Kitten am 22.12.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Finde es einfach nur schrecklich und hönisch wie diese Leute meinen, mit einem Käsebrättli ist alles beim alten und man sollte sich wahrscheinlich auchnoch bedanken! Für diese Geld geben hier z.B Flight Attandend Ihr 'Leben' auf, starke, berufliche Belastung ein und das für diesen Hungerlohn! Selber arbeite als Informatikerin, verdiene fast das doppelte und habe nichteinmal einen Lehrabschluss. Man sieht also, bei der Swiss wird einfach am falschen Ort gesparrt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Meier am 23.12.2011 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ach der arme Mann

    ist 4 bis 6 Tage ohne unterbruc in der Luft. Na die Maschine will ich sehen welche das schafft. Also der durchschnittliche Schweizer arbeitet von Montag - Freitag also 5 Tage am Stück...oder eben nicht weil man Pausen dazwischen hat wie jeder FA auch. Im Service arbeiten sehr viele Angestellte Teilzeit und somit auch 6 Tage am Stück. Korrekt müsste es heissen - 6 Tage hinereinander, denn am Stück wäre ohne Unterbruch.

    • Annabelle am 23.12.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Herr Meier

      nun denn, diese Tage enden allerdings nicht nach 8 std, sondern im Schnitt nach 11-12 std -und beginnen entwder um 4 Uhr früh oder enden um 12 Uhr nachts - das nur auf Europa-Flügen. Zu den Pausen: dadurch dass man keine Rückzugsmöglichkeiten hat, kommt, kaum hat man sich im Galley hingesetzt, ein Passagier -man kennt dieses Phänomen auch von Büros... Und während der Bodenzeit ist dank Schnellst-Abfertigung nicht von Pause zu sprechen (Kontrolle des Cleaning, etc). 4-6 Tage ohne Unterbruch meint 4-6 Tage à 3-4 Flügen, lieber Herr Meier, da haben sie recht, noch gibt es kein Zauber-Kerosin.

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  • Vielflieger am 23.12.2011 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte bedenken!

    Ein Cabine Pensum 100% bedeutet 80 Flugstunden, korrekt? Ein Arbeiter hat 170-200Std, ohne Schlafpause, ohne Auslandspesen, ohne Verpflegung während der Arbeit, ohne Gratis-Tickets, ohne Gratis Bekannte Mitfliegen lassen. Bedenkt das mal bitte! In der Kabine seid ihr von Swiss trotzdem die Besten!!!

    • Swiss Mitarbeiterin am 24.12.2011 00:56 Report Diesen Beitrag melden

      12-Stunden Tage, 6 Tage am Stück!

      Lieber Vielflieger, bitte informieren Sie sich richtig. Flugstunden sind nicht gleich Arbeitszeit. Es sind im Uebrigen bis zu 100 Blockhours im Monat. Auf Europarotationen haben wir normalerweise 4, es sind auch 5(!!!) Flüge pro Tag möglich, dazwischen rasen wir durch die Kabine, machen den Security Search, und bereiten die Kabine für den Weiterflug vor und kommen auf Arbeitstage à 12 Stunden bei einer 6 Tage Woche!!! Dafür gibts gerade mal 3 Tage frei. Auf der Langstrecke sind wir bis 13 Stunden am Stück in der Luft. Trotzdem danke für das Kompliment.

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  • Tiger am 23.12.2011 05:30 Report Diesen Beitrag melden

    Just the best

    Swiss Kabinen-Personal ist das beste was es gibt in der Luft. Ein angemesser Lohn ist wohl das mindeste!

  • Max Heinke am 22.12.2011 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitung..

    Ich hätte es als Lehrling auch schön gefunden einen Bonus zu kriegen, nur wird jetzt leider nix daraus, dass ist schade aber kein Weltuntergang. Schlimmer finde ich das ich es aus zweiter Hand erfahren musste und mir kein Mail oder sonst was (ausser das Brettli)zugeschickt wurde in dem die Umstände beschrieben waren. Dies hätte meines ersicht für Verständnis gesorgt und alles würde nicht so ausarten.

    • J. S. am 23.12.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Lehrlinge bei Swiss

      @ Max Heinke Ich war vor jahren Lehrling bei der Swiss. Uns wurden die 2000 Fr. auch nicht ausbezahlt. Daraufhin habe ich dem Swisschef eine E-Mail geschrieben. Wenige Tage später war bei allen Lehrlingen (BSL), die 2000 Fr. Bonus auf dem Bankkonto :-) Dies ist wirklich so passiert und kein Witz.

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  • steve am 22.12.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    ein brett bewegt die schweiz

    hui, über 1000 kommentare!!! habe ich selten gesehen. das brett bewegt die schweiz. ich weiss zwar nicht viel übers fliegen aber was ich weiss ist, dass die arbeit als flugbegleiter sehr ungesund ist, die luft im flieger ist sehr trocken und wenn das triebwerk nur etwas öl verliert sogar giftig. dazu kommt noch die zeitverschiebungen, die erhöhte strahlung und die latente gefahr eines absturzes. ich habe allerhöchsten respekt vor den menschen, die diesen beruf ausüben!