Kampf der Detailhändler

15. Februar 2011 14:50; Akt: 15.02.2011 15:05 Print

«Coop ist dynamischer als Migros»

von Alex Hämmerli - Seit Jahren wächst Coop schneller als Konkurrentin Migros. Detailhandelsexperte Peter Fuhrer nennt die Gründe.

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20 Minuten Online: Was macht Coop im Detailhandel besser als die Migros?
Peter Fuhrer: Die Strategie von Coop kommt bei den Leuten einfach besser an.

Konkret?
Im Unterschied zur Migros setzt Coop viel klarer auf Mehrwert: Auf Bio-Produkte etwa, auf Nachhaltigkeit und auf fairen Handel. Der Umsatz mit solchen Produkten ist zwar nicht besonders hoch. Aber genau dieses spezielle Sortiment zieht das Publikum in die Läden.

Ethisch vertretbare Produkte sind aber sicher nicht der einzige Grund für den Erfolg von Coop ...
... natürlich nicht. Coop hat es in den vergangenen Jahren geschafft, die Laden-Atmosphäre deutlich zu verbessern. Heute fühlt man sich wohl in einer Coop-Filiale. Auffällig ist das besonders im Frischprodukte-Sortiment.

Coop setzt also voll auf Qualität?
Genau. Denn das will der Schweizer Kunde.

Und was ist mit den Preissenkungen, die Coop, wie übrigens auch die Migros, mit grossem Medienrummel kommuniziert haben?
Diese Publicity-Aktion hat die Kunden eher verunsichert. Die Preise haben sich über Jahre eingependelt. Für die Kunden ist es nicht nachvollziehbar, wieso diese nun plötzlich purzeln konnten.

Steht Coop nicht unter grossem Druck, die Preise zu senken?
Tiefe Preise kann Coop getrost den Discountern überlassen. Die Preiswahrnehmung der Coop-Kunden hat sich in den vergangenen Jahren schon so deutlich verbessert. Heute ist der Einkauf bei Coop in den Augen der Kundschaft nicht mehr teurer als bei der Migros. Und vergleicht man die Preise, stimmt diese Wahrnehmung auch. Bei manchen Produkten hat Coop mit Prix Garantie sogar das Preisniveau der Discounter erreicht.

Wie hat Coop es geschafft, das Hochpreis-Image abzulegen?
Um ein solches Image loszuwerden braucht es sehr lange - ich würde sagen fast eine Generation. Coop hat es geschafft, weil der Detailhändler seit Jahren besser kommuniziert als Migros. Coop hat sich einfach besser beworben.

Läuft Coop nicht Gefahr, wegen der schicken Laden-Atmosphäre wieder «hochpreisiger» rüberzukommen?
Die Gefahr besteht sicher. Es ist eine Gratwanderung zwischen gediegenen Läden und Preiswahrnehmung.

Coop setzt stark auf die Tankstellenshops Pronto. Aktuell sind es in der Schweiz 229. 2010 sind 14 dazugekommen, dieses Jahr sind 10 bis 15 weitere geplant. Eine gute Idee?
Ich meine ja. Die Tankstellenshops bringen mehr Verkaufspunkte. Und sie bieten der Kundschaft ausserhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten die bequeme Möglichkeit, einzukaufen. Coop hat mit Pronto punkto Anzahl der Läden einen deutlichen Vorsprung gegenüber Migros mit den Migrolino-Shops. Daran wird Migros noch zu beissen haben.

Welche Rolle spielt die Konzernstruktur von Coop für den Erfolg?
Eine sehr grosse. Coop-Chef Hansueli Loosli hat es geschafft, 14 Regionalgenossenschaften mit Coop Schweiz in einem Konzern zu einen. Die Migros muss diesen Prozess erst noch nachholen. Dort herrschen immer noch die Regionalfürsten der zehn Genossenschaften. Kurz: Coop ist heute moderner und dynamischer als die Migros. Das wird sich auch in den Wachstumszahlen der kommenden Jahre widerspiegeln.

Coop-Chef Loosli im Interview.