2500 Franken im Monat

06. Juni 2017 21:03; Akt: 06.06.2017 21:03 Print

«Das Grundeinkommen spare ich für mein Kind»

von K. Wolfensberger - Konrad hat vor einem Jahr ein einjähriges bedingungsloses Grundeinkommen gewonnen. Im Interview erzählt er, was er mit dem Geld alles gemacht hat.

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Konrad M.*, ein Jahr lang haben Sie nun ein Grundeinkommen erhalten – was war damals Ihre erste Reaktion?
Ich habe mich einfach sehr gefreut (lacht).

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Was halten Sie von der Idee des Grundeinkommens?

Hat sich Ihr Leben dadurch grundsätzlich verändert?
Nein, prinzipiell ist alles beim Alten geblieben. Ich arbeite nach wie vor als selbständiger Zimmermann und leiste gleich viele Arbeitsstunden wie vorher. Ich hätte auch gar nicht von heute auf morgen viel verändern wollen, schliesslich möchte ich meinen Kunden gerecht werden.

Hätten Sie mehr verändert, wenn das Grundeinkommen nicht auf ein Jahr beschränkt gewesen wäre?
Nein, das denke ich nicht. Ich hätte wohl weiterhin genau gleich viel gearbeitet, einfach weil mir mein Beruf Spass macht. Allenfalls hätte ich etwas mehr Zeit in persönliche Projekte investiert. Ich würde vielleicht gewisse Dinge aus privatem Interesse bauen, nicht weil ein Auftraggeber dahinter steckt.

Was haben Sie konkret mit dem Grundeinkommen gemacht?
Es hat einerseits meiner Frau die Möglichkeit gegeben, den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit zu wagen. Dazu konnte sie etwas Startgeld gut gebrauchen. Andererseits ist sie nun schwanger, ich werde also bald Vater. Einen Teil des Geldes sparen wir daher für unser Kind.


Was halten Sie allgemein von der Idee des Grundgehalts?
Ich denke, in einer hochtechnologischen Gesellschaft wie der Schweiz wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen umsetzbar. Wenn die Menschen durch den Fortschritt so weit sind, dass sie immer weniger Arbeit brauchen, um die Grundbedürfnisse zu decken, dann soll keiner mehr auf der Strasse leben müssen. Letztlich ist genug für alle da, die Frage ist, wie es verteilt wird. Und ein bedingungsloses Grundgehalt würde die eigene Initiative nicht ausbremsen wie man es zum Beispiel in Deutschland mit den Harz 4 Gesetzten beobachten kann.

Ist das Grundeinkommen nicht bloss eine Utopie?
Ich habe diese Diskussion schon öfter geführt. Im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten bin ich der Meinung, dass der Mensch auf Dauer nicht gern auf der Couch herumsitzt. Natürlich ist es auch mal schön, sich zu entspannen, aber längerfristig wird das langweilig und man will wieder arbeiten bzw. aktiv an der Gesellschaft teilnehmen.

Wenn alle arbeiten wollen, braucht es das Grundeinkommen doch gar nicht?
Doch, ich denke schon, weil es in Zukunft durch die Technik und die Digitalisierung immer weniger Arbeit geben wird. Dann müssen wir unsere Gesellschaft auf eine Art und Weise organisieren, damit alle anständig weiterleben können. Der Vorteil eines Grundeinkommens wäre auch, dass es dazu kaum Bürokratie bräuchte.

Wie würden sich die Menschen beschäftigen, wenn es an klassischer Arbeit fehlte?
Sie würden sich bestimmt wieder vermehrt ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel wie wir das von Vereinen kennen. Da gibt es ja die verschiedensten Möglichkeiten. Heute gibt uns die Industrie nur vor, dass es wichtig ist, ein guter Konsument zu sein. Es gilt die reine Frage nach dem Haben und dem Sein. Der Fokus würde sich dann vielleicht wieder auf andere Werte verschieben. Also ich kann jedem Staat, also gesehen als Gemeinschaft der Bürger, nur empfehlen darin zu investieren. Davon haben wir alle etwas.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Generation X am 06.06.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völliger Witz

    Wer stellt bei einem befristeten BGE sein Leben um? Es war einfach ein netter Zustupf wie ein kleiner Lottogewinn!

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  • Rosmarie Wüthrich am 06.06.2017 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schön für die beiden, aber....

    Hier geht es nicht um BGE sonder um Taschengeld. Somit ist, aus meiner Sicht, dieses Experiment für nichts.

  • Reto Berger am 06.06.2017 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Grundeinkommen falsch verstanden?

    Wenn ich das richtig verstanden habe ist das unbedingte Grundeinkommen aber etwas anderst gemeint. Das ist eher ein Zusatzgewinn/-verdienst. Naja, kein Neid, geniessen Sie es!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicht Kurzsichtig am 07.06.2017 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts mit BGE zu tun

    Dieser Fall hier ist tatsächlich ein Witz und hat nichts mit BGE zu tun. Prozessoptimierung- und Automatisierung führen dazu dass in ca.20 Jahren, vermutlich schon früher, nur noch ca.20% Human-Ressourcen gebraucht werden um alles zu erwirtschaften was die 100% dann brauchen um zu leben. Viel Spass für die restlichen 80% falls diese jetzt sagen dass wer nichts arbeitet auch nichts erhalten soll.

    • René B. am 07.06.2017 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nicht Kurzsichtig

      Und genau aus diesem Grund brauchen wir jetzt noch viele Fachkräfte aus dem Ausland und müssen das AHV-Alter hochschrauben.?

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  • Walter am 07.06.2017 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch ohne Arbeit

    Habe lange gearbeitet und hat mir Spass gemacht. Jetzt arbeite ich nicht mehr. Ich persönlich vermisse es überhaupt nicht, irgendetwas irgendwo Arbeiten zu müssen. Langweilig ist mir auch nie.

  • grml am 07.06.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nauru

    Was passiert wenn Menschen für ihren Unterhalt nicht arbeiten müssen hat der Inselstaat Nauru deutlich gezeigt, wieso also Experimente machen die nicht mal dem entsprechen was mit BGE gemeint ist? Nauru zeigt klar dass Menschen die nicht arbeiten müssen es auch nicht tun und es dann nicht mal mehr machen wenn sie müssten. Das Experiment hat lediglich gezeigt dass in einer Familie die CHF 30`000.- in nem Gewinnspiel gewinnt niemand mit arbeiten aufhört. Wurden von den 2`500.- monatlich auch immer brav die Gewinnsteuern abgezogen? Davon steht nirgends was.

    • asdf am 07.06.2017 17:41 Report Diesen Beitrag melden

      Nauru ist nicht CH

      zum einen sind 2500 in der CH weit unter dem Existenzniveau, angesichts der hohen Preise. Arbeiten müsste man immer noch wenn man sich mal was leisten und gönnen möchte. Und auch die Mentalität der Schweizer ist anders. Wir wurden über Generationen hinweg von Kindesbeinen an auf Arbeitstier getrimmt. Spass, Genuss und Zerstreuung sind nur beschränkt erlaubt, weil lenkt nur vom Arbeiten ab.

    • soso am 07.06.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @asdf

      wo leben sie denn? also in der schweiz gibts ja gar nicht mehr viele schweizer! und ausserdem kommts drauf an, wie viele kinder man hat... mit vielen rollt der rubel...

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  • steven am 07.06.2017 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bge? niemals!

    wer nichts arbeitet, braucht auch kein einkommen. dem soll man bloss was zu essen und ein bett im massenlager geben. kinder, alte und kranke natürlich ausgenommen. die haben ein anrecht auf maximale solidarität durch die gesellschaft.

    • Svd am 07.06.2017 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @steven

      Dann können Sie ja freiwillig darauf verzichten,wenn es alle anderen bekommen

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  • Z. Usatz am 07.06.2017 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    +2500 CHF?

    Hat Konrad's Arbeitgeber ihm auch den Lohn um 2500 CHF gekürzt und das eingesparte Geld an den BGE-Geber zurückgegeben? Wenn nicht, dann entspricht das nicht der Idee des BGE und hört bitte auf den Eindruck zu verbreiten, dass man das BGE zusätzlich bekäme!

    • Na Ich am 07.06.2017 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Z. Usatz

      Nicht gelesen? Er ist selbstständig!

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