Immobilien

11. Oktober 2016 15:57; Akt: 12.10.2016 08:17 Print

«Das eigene Haus bedeutet Konsumverzicht»

von S. Spaeth - Kein teures Auto und günstige Ferien: Junge Paare sollten die Zeit als Doppelverdiener als Sparjahre für den Hauskauf nutzen, sagt Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes.

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Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes, gibt im Interview Spartipps für junge Paare. Diese sollten besonders dann viel auf die Seite legen, wenn sie noch keine Kinder haben und Doppelverdiener sind. Bereits im März sorgte der starke Anstieg der Hauspreise bei den 20-Minuten-Lesern für Gesprächsstoff. Viele kommentierten und stellten Fragen. Leser Marco schrieb: «Da meine Frau und ich derzeit ein Eigenkapital von 10'000 Franken haben, bringt uns auch unser Jahreseinkommen (zusammen) von 140'000 Franken nichts.» Leser Phil schrieb: «Verdiene wohl mehr als viele andere. Trotzdem frage ich mich, wo ich mir ein Eigenheim leisten kann. Mein Fehler war wohl, dass ich mal das Leben geniessen wollte und auf Reisen ging.» Leser Nico schrieb: «Wer kein Problem hat, sind Ehepaare, bei denen beide ein Einkommen haben. Mal angenommen: 170'000 Franken Einkommen und keine Kinder, dann ist es kein Problem.» Leser Paul schrieb: «Wir verdienen ca. 200'000 Franken im Jahr. Wir haben mit Müh und Not eine Hypothek für 1,25 Millionen gekriegt.» Leser Humi sagte: «Die enorme Zuwanderung ist klar auch mit schuld.» Leser Garfield hingegen meint: «Spekulanten und Investoren sind das Problem.» Experte Hartmann: «Als viele gut ausgebildete Deutsche in die Schweiz kamen, zog es sie in die Zentren wie Zürich, in der Folge stiegen dort die Preise besonders stark an. Andererseits ist es auch so, dass Schweizer Immobilien nach wie vor eine sehr gefragte Anlage sind, die Anleger hohe Preise bezahlen können und so ein Markt für teure Immobilien entsteht.» Leser Flavio fragte sich: «Warum muss nur jeder mit 35 Jahren ein Eigenheim besitzen? Man lebt auch als Mieter gut. Mit einer Wohnung bin ich unabhängig und nicht gebunden.»

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Herr Gmür, Wohneigentum zu erwerben ist für viele Schweizer unmöglich. Was raten Sie einem jungem Paar, das von einem Eigenheim träumt?
Das Paar soll fleissig sparen. Für den Kauf von Wohneigentum muss mindestens 10 Prozent des Kaufpreises als hartes Eigenkapital zur Verfügung stehen. Weitere 10 Prozent können aus der Pensionskasse stammen. Geld, das man aus der Pensionskasse nimmt, muss man aber später wieder ansparen – oder es fehlt einem bei der Pensionierung.

Umfrage
Sparen Sie bereits seit Ihrer Jugend für ein Haus?
31 %
16 %
43 %
10 %
Insgesamt 3750 Teilnehmer

Sparen ist sehr schwierig. Das Leben ist teuer.
Bei einem Paar sind doch die meisten Doppelverdiener und heiraten nicht wie wir damals in jungen Jahren und haben sofort Kinder. Und diese Jahre sind dann die Sparjahre. Das bedeutet: kein teures Auto, nicht zu teure Ferien. Auch das Thema Erbvorbezug oder ein Darlehen von den Eltern ist eine gute Möglichkeit, um zu Eigenkapital zu gelangen. Und nicht knapp rechnen, denn ein Haus oder eine Wohnung ist eine sehr langfristige Anlage und nicht nur für 10 Jahre.

Ein wie hohes Einkommen und wie hohe Ersparnisse muss ein Paar aufweisen, damit Wohneigentum überhaupt realistisch wird?
Um eine Eigentumswohnung im Wert von 800'000 Franken zu kaufen, müsste das Paar Eigenkapital in der Höhe von 160'000 mitbringen. Das sind 20 Prozent des Kaufpreises, die Hälfte dieses Betrages muss als hartes Eigenkapital vorliegen, darf also nicht aus der Vorsorge stammen. Das Paar muss eine Hypothek über 640'000 Franken aufnehmen. Wenn die Bank mit einem Tragbarkeitszins von 5 Prozent rechnet, dann müsste das Paar jährlich mindestens 140'000 Franken, je nach Situation und Bank, verdienen. Das ist viel Geld.

Viele Objekte sind sehr teuer geworden. Was raten Sie: Weiterhin sparen oder auf ein günstigeres Objekt ausweichen?

Es kommt darauf an, was einem wichtig ist: Zählt es mehr, in den eigenen vier Wänden zu wohnen oder ist es einem wichtiger, eine sehr gute Lage oder einen Neubau zu haben? Ein Haus in der Agglo ist bedeutend günstiger. Und leben kann man dort problemlos auch. Wenn man einen günstigeren Altbau erwirbt, warten womöglich Renovationen, die dann auch etwas kosten. Aber diese lassen sich von den Steuern abziehen.

In den letzten Jahren haben die Banken die Anforderungen für Hypothekarschuldner laufend erhöht. Gehen Sie davon aus, dass es in einigen Jahren noch schwieriger sein wird?
Nein, davon gehe ich momentan nicht aus. Die Banken wollen ja weiterhin Hypotheken vergeben, für einige ist das der wichtigste Bestandteil des Geschäftsmodells. Wenn die Anforderungen noch verschärft werden, sind gar keine Kunden mehr übrig.

Sind die Vergabekriterien schon heute zu streng?
Es gibt schon Kreise, die nach tieferen Tragbarkeitskriterien rufen, was ich persönlich verstehen kann. Die jungen Leute wollen nach wie vor eigene vier Wände – und man sollte nicht alles zu stark einschränken. Auch wenn betont werden muss: Die eigenen vier Wände bedeuten oftmals Konsumverzicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gelernte Sparerin. Aber nicht geizig ! am 11.10.2016 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 23 Jahren ein Haus

    Wir üben keinen Verzicht. Wer in seinem Leben nur den Konsum, als Sinn des Lebens sieht, hat schon verloren. Nicht den 5er zweimal umdrehen , sondern die Frage, brauch ich das wirklich? Wie lange habe ich Freude daran ? Will ich es wirklich für mich, oder will ich jemand anderem imponieren? Jedes Jahr neue Elektroteile ? Jedes Jahr eine neue Garderobe ? Können die Kleinkinder, auch schon getragene Kleider tragen ? Kauf ich auch mal reduzierte Lebensmittel ? Es gibt sooooooviiiiiel Sparpotenzial. Und dann klappt es auch mit dem Haus /Wohnung. Wenn da nur die KK nicht wäre....

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  • Manuela Müller am 11.10.2016 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte aufpassen wegen Steuern!

    Bin wegen einer Erbschaft an Wohneigentum gekommen, Hypotheken inklusive. Es ist wirklich nicht alles so toll wie es schein, vor allem die Steuern, der 'Eigenmietwert' machen einem einen Strich durch die Rechnung. Man darf also die Hypotheken nicht abzahlen, sonst steigen die Steuern noch - sprich man hockt Jahrzehnte darauf. Lange Rede, kurzer Sinn - statt dem Vermieter bezahlt man dem Staat und der Bank. Günstiger? Etwas. Dafür risikoreicher und inflexibler.

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  • Nicht Blöd am 11.10.2016 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke Pur

    800 K für eine Wohnung.. für eine Wohnung !! für das Geld baue ich mir im Ausland einen kleinen Palast.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ivan am 14.10.2016 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Konsum Preise

    Zürich Kreis 3, 70m2 Wohnung im Partere 900'000CHF mit dem Geld kann man sich in Deutschland Italien oder Österreich ein tolles Haus leisten und es bleibt zwei drittel des Geldes übrig!Da muss eine menge Gold in den Schweizer Armaturen eingebaut sein das es hier so viel kostet!

  • BenG am 12.10.2016 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    Von vorgestern

    Ja der Ansgar hat halt auch in einer Zeit gelebt, in der es noch reichte, bloss ein günstiges Auto und günstige Ferien zu nehmen, um sich mit dem dabei Ersparten ein Haus leisten zu können. Muss immer wieder lachen über seine Auskünfte.

  • Diddy am 12.10.2016 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Haus ohne Eigenkapital

    Ich kenne jemand, der hat sein Elternhaus übernommen mit Nutzniessung, ihre Eltern wohnen darin, aber es gehört dem Sohn, dieser hat auf das Elternhaus eine Hypothek aufgenommen, damit sie Ihr Traumhaus finanzieren konnten, es geht scheinbar auch ohne Eigenkapital.

  • Rainer Meier am 12.10.2016 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No

    In der Schweiz sich etwas eigenes Zulegen und sich Verschulden? Mit den Tollen Arbeitsgesetzen wo die Schweiz hat und immer schlechteren Sozialversicherungen. Bei jobverlust einen neuen job zu kriegen sehr schwer. Nein auf keinen Fall sich noch Verschulden.

  • Klaus Ledergerber am 12.10.2016 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier Schweiz

    In der Schweiz Eigenheim sicher nicht. Eigenmietwert überall Steuern und Gebühren was zur Tollen Gier Schweiz passt. Ich habe mein Kapital auf einer Balerareninsel Angelegt in Form von einem Haus wo ich Keinen Eigenmietwert Bezahle und meine Pension und AHV wo ich nicht wie in der Gier Schweiz Versteuern muss.