Negativzins

06. März 2015 20:48; Akt: 06.03.2015 21:23 Print

«Das ist eine total verkehrte Welt»

Die Wirtschaft ist nach der Frankenfreigabe stark gefordert. Gemäss einer UBS-Studie wird der Druck nochmals markant zunehmen.

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Daniel Kalt, UBS-Chefökonom. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Seit Mitte Januar steht die Zinswelt in der Schweiz vollends kopf. Anstatt Zinsen zu erhalten, müssen Grossanleger teilweise zahlen, wenn sie Geld bei einer Bank parkieren wollen. Selbst zehnjährige Bundesanleihen werfen keine Zinsen mehr ab. «Das ist eine total verrückte und verkehrte Welt», sagte UBS-Schweiz Chefökonom Daniel Kalt am Freitag in Zürich.

Er hat mit seinem Team untersucht, wie sich diese verkehrte Welt auf die Schweiz auswirken könnte. Dabei wurden drei Szenarien durchgerechnet. In allen sind die Auswirkungen drastisch. So dürften die Negativzinsen gemäss der Studie zu einer höheren Arbeitslosigkeit, zu grösseren Risiken im Bankensystem und zu einer noch stärkeren Schieflage des Schweizer Vorsorgesystems führen.

Ansteigende Arbeitslosigkeit

Die UBS rechnet in allen Szenarien mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Bei der Annahme einer durchschnittlichen Entwicklung erhöht sich die Quote von heute 3,2 auf gegen 4 Prozent. Der Grund dafür ist laut UBS Schweiz-Chef Lukas Gähwiler, dass eine Senkung der Zinsen Arbeit im Vergleich zu Kapital teurer macht.

Folge davon werde sein, dass Unternehmen verstärkt Mitarbeiter durch Maschinen ersetzten oder Arbeitsplätze ins Ausland verlagerten. Das billige Geld führe aber auch sonst zu falschen Anreizen. Es sei zu befürchten, dass auf der Suche nach Rendite vermehrt Kapital in risikoreiche Anlagen fliesse.

Verschärfte Gefahr für Immobilienblase

«Die Gefahr einer Blasenbildung auf dem Immobilienmarkt und dem Aktienmarkt hat mit der Einführung der Negativzinsen zugenommen», sagte Gähwiler. Die Negativzinsen setzen aber auch die Banken unter Druck. Die rekordtiefen Zinsen führen laut Gähwiler nämlich zu einer Erosion der Einnahmen im Zinsengeschäft, eine der Hauptertragsquellen vieler Banken.

Zudem steige ihr Risiko. Sollte nämlich die SNB die Zinsen stark erhöhen, kämen auf die Banken höherer Kosten für die Refinanzierung von Krediten zu. Die Studienverfasser rechnen mit einem Mehraufwand aller Banken von über 30 Mrd. Franken über die kommenden zehn Jahre.

Finanzierungslücken in der Vorsorge

Die langfristig grössten Auswirkungen haben die Negativzinsen jedoch auf das Schweizer Vorsorgesystem, wobei gleich alle drei Säulen betroffen sind. Bereits heute beträgt zum Beispiel bei der AHV die Lücke zwischen den Leistungsversprechen und dem vorhanden Kapital über eine Billion Franken. Dem zu Grunde liegt allerdings die Annahme, dass das Kapital mit real zwei Prozent verzinst wird.

Nur schon bei einem Absinken auf 1,5 Prozent wächst laut UBS die Lücke auf 1,4 Billionen Franken. Ähnliche umfangreiche Deckungslücken ergeben sich laut der Studie auch bei den Pensionskassen.

Schuldenmachen belohnt

Mehr Arbeitslose, höhere Risiken bei Banken und Pensionskassen: Die Auswirkungen der Negativzinsen werde mindestens so gravierende Folgen haben wie die Aufhebung des Mindestkurses, lautet das Fazit der Studienverfasser.

«Negativzinsen führen zur Enteignung der Sparer und belohnen das Schuldenmachen», sagte Gähwiler. Ironie des Schicksals: Es seien just die zu hohen Schulden gewesen, die zur Krise und damit letztlich zur Einführung von Negativzinsen geführt hätten.

(cls/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pimplzwrg am 06.03.2015 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gehirnwäsche

    Es gleicht schon fast einer Gehirnwäsche durch die Medien.Tag für Tag wird uns eingetrichtert wie schlecht es um unsere Zukunft aussieht.Ich kanns nicht mehr hören.Und was damit bezweckt wird weiss ich auch nicht

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  • xy am 06.03.2015 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Experten

    Na ja. Jetzt können diese Experten zeigen, ob sie auch in dieser Lage top sind. Sonst könne bald Mickey Maus übernehmen!

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  • Noname am 06.03.2015 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung?

    Und wie lösen wir jetzt dies?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mario am 08.03.2015 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diebstahl

    ersparnisse bedeuten, dass man zu viel gearbeitet hat, man kann sich reserven aufbauen. mit den negativzinsen stiehlt man den fleissigen ihr geld und immer mehr auch die motivation. jene, die nichts erschaffen, erfinden und produzieren sind die angesehenen diebe.

  • Rufi am 07.03.2015 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ziel

    Der Zweck ist die Rechtfertigung von Entlassungen zwecks Gewinnmaximierung!

  • Lor Beere am 07.03.2015 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Wettbewerb aller Zeiten

    Jetzt können die 'Experten und Manager' endlich mal ihr können unter Beweis stellen. Vor euch steht gerade DER Karriereboost schlechthin! Wer es schafft die Rettung ohne grosse Verluste zu realisieren, dem gebührt der ganze Schweizer Respekt.

  • Peter Müller am 07.03.2015 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuldgeld System ist schuld

    Tja als das Geld noch goldgedeckt war brauchte es keine Zinsen um die Inflation zu kompensieren D.h. Es fand keine Geldentwertung statt und man konnte im Alter von dem Ersparten gut leben, aber seitdem die FED das abgeschafft hat geht es nur noch den Reichen gut. Es braucht ein komplett neues Finanzsystem. Das momentane Schuldgeld System hat versagt. Schulden machen ist nicht gesund.

    • D.R. am 07.03.2015 23:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Müller 1

      Der Anfang vom Ende begann bereits 1913 mit dem Federal Reserve Act, heute fälschlicherweise als US-Nationalbank genannt. Damals wurde die Herrschaft des Geldes in die Hände von privaten Organisationen gegeben.Es war die Geburtsstunde des verzinsten Schuldgeldes welches von nun an von privaten Geschäftsbanken mit einem Verhältnis von damals 1:9 herausgeben durfte. Seit damals gab es eine Menge von Krisen und trotzdem profitierten die Gründer und verhinderten eine Abkehr von diesem System. JFK wollte es einmal ändern und den Menschen die Augen öffnen, er musste dafür sterben.

    • D.R. am 07.03.2015 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Müller

      Nun stehen wir erneut von einem eigentlich zu berechnendem System-Ende. Die Zinslasten stiegen zu den heutigen Staatsverschuldungen. Das steigen passiert exponentiell und ist nicht mehr zu kontrollieren. Man versucht per Inflation (Umverteilung) zu retten was nicht zu retten ist. Wenn die Menschen erwachen kann es ein gutes Ende haben, ansonsten Gnade uns Gott.

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  • Panini am 07.03.2015 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf Altersguthaben verbieten!

    Negativzinsen auf Altersguthaben muss sofort verboten werden! Ansonsten muss es möglich sein das Geld sofort ab zu heben!!!

    • Räuber vom Dienst am 07.03.2015 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      auf alle Obligatorischen

      vom Staat verordneten Altervorsorgen müsste es eine Staatsgarantie geben, alles andere ist Raub und Bereicherung an fremden Eigentum.

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