Jordan am Mediengespräch

14. Juni 2012 09:30; Akt: 14.06.2012 13:46 Print

«Debatte um Exit-Strategie ist nicht hilfreich»

von S. Spaeth - Wegen der Kursuntergrenze steht die Nationalbank in der Kritik. Klar ist: Die 1.20-Marke wird verteidigt, die Zinsen bleiben rekordtief und an die Staatsfonds-Idee gabs vom Notenbank-Chef eine Absage.

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Jean-Pierre Danthine (links) und Notenbankpräsident Thomas Jordan stellen sich den Fragen der Journalisten. (Bild: Keystone)

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Aufgeben oder weiterkämpfen? Um den Euro-Mindestkurs der Schweizerischen Nationalbank ist eine hitzige Debatte entbrannt. Ex-UBS-Chef Oswald Grübel und SVP-Patriarch Christoph Blocher forderten unlängst öffentlich eine Abkehr von der 1.20-Marke oder wenigstens das Nachdenken über eine Ausstiegsstrategie.

Gespannt warteten Beobachter, Devisenhändler und Spekulanten darum auf die Einschätzungen von Notenbankpräsident Thomas Jordan. Gemeinsam mit seinem Direktoriumskollegen Jean-Pierre Danthine stand er am Donnerstagmorgen im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung den Medien Red und Antwort.

Debatte um Exit-Strategie schadet

Jordan betonte einmal mehr, am Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro festzuhalten und ihn mit aller Konsequenz durchzusetzen. Die Notenbank sei weiterhin bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Auch beim heutigen Kurs bleibe der Franken hoch bewertet. Eine erneute Aufwertung hätte schwerwiegende Folgen für die Preis- und Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz. Dies will die Nationalbank nicht zulassen und wenn nötig jederzeit weitere Massnahmen ergreifen.

Auf die Debatte über die Exit-Strategie aus dem Mindestkurs angesprochen, meinte Jordan trocken. «Diese Diskussion vereinfacht die Situation der Notenbank nicht.» Wichtig sei, dass die Notenbank Entschlossenheit demonstriere. Es ist laut Jordan aber illusorisch zu glauben, dass es in der Öffentlichkeit keine Diskussionen gibt.

Staatsfonds nützt wenig

Der Idee eines Staatsfonds, wie sie verschiedene Politiker und Professoren zuletzt ins Spiel gebracht hatten, erteilte Jordan eine Absage. «Die Gründung eines Staatsfonds hilft nicht bei der Durchsetzung des Mindestkurses», so der Notenbankpräsident. Sämtliche Investitionen der Nationalbank würden einem Wechselkursrisiko unterliegen, auch wenn sie in einen Fonds ausgelagert würden.

Ein Staatsfonds gefährdet laut Jordan die Unabhängigkeit der Nationalbank. Gekaufte Aktiven müssten bei Bedarf sofort verkauft werden können. Derzeit hält die SNB ihre Aktiven hauptsächlich in Form von Staatsanleihen. Jordan sagte, dass es sich vor allem um Anleihen von Euro-Ländern mit hoher Bonität und um US-Anleihen handle. Rund 10 Prozent machen die Devisenanlagen aus. Jordan betonte, dass die vergrösserte Bilanz der Notenbank die Auswirkung der derzeitigen Geldpolitik sei.

Notenbankpräsident Thomas Jordan äusserte sich auch zu einem möglichen Grexit, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. «Die direkten Auswirkungen auf die Schweiz wären gering.» Die Schweizer Banken seien im internationalen Vergleich nur sehr wenig in Griechenland engagiert. Laut Jordan ist aber bei einem Austritt der Griechen aus der Eurozone mit indirekten Konsequenzen zu rechnen – verursacht durch «Panik» am Devisenmarkt. Dies hätte laut dem Notenbanker Einfluss auf die Durchsetzung des Mindestkurses.

Zins auf Rekordtief

Den Zins lässt die Nationalbank weiterhin auf dem Tiefststand. Sie belässt das Zielband für den massgeblichen Dreimonats-Libor bei 0,0 bis 0,25 Prozent. Inflationsrisiken sind laut Thomas Jordan keine vorhanden – aber auch Deflationsrisiken bestünden keine. Die Nationalbank geht von einer nur langsamen Erholung der Weltwirtschaft aus. Während die Schwellenländer massgeblich zum globalen Wachstum beitragen, bleibt die Dynamik in den Industrieländern verhalten.

Insbesondere für Europa sind die Schweizer Notenbanker wenig zuversichtlich. Die Konjunktur entwickle sich aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise äusserst schwach, halten sie fest. In der Schweiz komme es im weiteren Verlauf des Jahres zu einer deutlichen Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität.

Nur dank dem überraschend starken Winterhalbjahr erwartet die Nationalbank für 2012 nun ein Wachstum von rund 1,5 Prozent. Die Risiken für die Schweizer Konjunktur bleiben laut der Nationalbank aussergewöhnlich hoch. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der Eurozone habe nochmals zugenommen.


Nationalbankpräsident Thomas Jordan über die Kursuntergrenze und die Einrichtung eines Staatsfonds.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sämy am 14.06.2012 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    mindestkurs muss weg!

    die untergrenze bringts nur wenn man erwarted dass isch der euro wieder erholt. dass wird jedoch nie passieren! deer euro wird untergehen.. und wenn wir daran festhalten wird es auch uns schwer treffen. obwohl ich kein svp-sympantisant bin muss ich hier blocher recht geben..

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  • Walti am 14.06.2012 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    SNB ist uninteressant

    SNB ist ein Klub der Sorgenbereiter - einmal drin, nie mehr raus !

  • h.ueli ZH banker am 14.06.2012 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    raus mit dem euro untergrenze

    das volk soll enscheiden nicht die Banken und SNB wo wir die 100 mill verbrennen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • h.ueli ZH banker am 14.06.2012 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    raus mit dem euro untergrenze

    das volk soll enscheiden nicht die Banken und SNB wo wir die 100 mill verbrennen

    • ein banker also? am 14.06.2012 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      klar...

      Weil das Volk ja so viel Ahnung von der ganzen Finanzpolitik hat!

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  • Paul Buchegger am 14.06.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz hat zu viele Oberlehrer

    Es ist einfach immer lustig mitzuverfolgen, wie viele Währungsspezialisten sich hier tummeln. Lassen wir doch die SNB ihren Job tun, und bescheiden wir uns auf Dinge, wo wir wirklich kompetent sind.

    • Just d. am 14.06.2012 19:14 Report Diesen Beitrag melden

      No comment

      Der typische Schweizer, lieber Kopf in Sand stecken und nichts tun.

    • Franz Fischer am 14.06.2012 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      an Just D.

      Denken und diskutieren muss immer in einer Demokratie erlaubt sein. Aber auch das Akzeptieren anderer Sichtweisen. Das hat nichts mit "Kopf in den Sand stecken" zu tun.

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  • Roland Kurz am 14.06.2012 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Denkverbot

    Es ist schon interessant, wie schnell Behörden und Institutionen zum Mittel des Denkverbots greifen. Es wäre doch zumindest legitim darüber nachzudenken, ob die durch einen hohen Frankenkurs betroffenen Industrien nicht eine andere Art von Unterstützung erhalten könnten, dies in Form von Direktbeiträgen. Für etwas haben wir ja das Bundesamt für Statistik auch. Auf der anderen Seite könnten die Schweizer Unternehmer dann zu sehr günstigen Preisen ausländische Unternehmungen übernehmen und diese dann besser führen. Beim Tourismus würde ein Wegfallen von unsinnigen Visavorschriften schon helfen.

  • Pit Rorschach am 14.06.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ausstiegsstrategie fehlt

    Sorry.Ich denke, dass die Strategie von Herrn Jordan pure Selbstzerstoerung ist. Auf Dauer lässt sich der Mindestkurs nicht halten. demzufolge wäre es von Nöten, eine Ausstiegsstrategie einzuleiten und den CHF dem freien Markt zu übergeben. Unsere Exporteure werden sich genau so arrangieren wie damals, als die DM von CHF 1.20 auf CHF 0.85 gefallen ist. Und der Tourismus sollte sich längst etwas einfallen lassen, die Preise sind Jenseits von Gut und Böse.

    • v.steiner am 14.06.2012 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      gut gesagt pit

      die banker lugen bis zum himmel

    • Urs Sommerhalder am 14.06.2012 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      an Pit

      Die Banken lügen aber alle anderen sagen ja gottseidank die Wahrheit. Schön wenn die eigene Welt so einfach isi!

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  • P:hauser am 14.06.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    keine zweite swissair Bitte.............

    iehe die Person für eine gewisse Zeit ungläubig an. Wenn die Person sich unwohl fühlt, hat sie vermutlich gelogen. Wenn sie die Wahrheit erzählt hat, wird sie wütend oder einfach nur frustriert sein (zusammen gepresste Lippen, tiefe Augenbrauen, das obere Augenlied angespannt und heruntergezogen, um den Blick zu erwidern).

    • v.steiner am 14.06.2012 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      weg mit eruo

      Das Heben der Augenbrauen für einen Sekundenbruchteil und das darauf folgende schnelle Fallenlassen soll die Aufmerksamkeit auf das Gesicht lenken, so dass klare Signale ausgetauscht werden können Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Augensignale richtig deuten: Die Kunst diese Körpersprache zu entziffern | Suite101.de

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