Leere Regale

15. Dezember 2011 19:10; Akt: 16.12.2011 22:38 Print

«Den Norwegern ist ihr Butterfett heilig»

von Sandro Spaeth - In Norwegen herrscht Buttermangel. Die Preise explodieren – und das ausgerechnet vor Weihnachten. Eine Direktbetroffene erzählt warum den Norwegern etwas weniger Fett gut anstehen würde.

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Hauptsache backen - ob mit Butter oder Margarine spielt für Kinder keine grosse Rolle. (Bild: zvg)

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Öl hat Norwegen genug. Es hat den Staat im Norden Europas reich und teuer gemacht. Auch Krippenplätze – finanziert mit den Öleinnahmen – gibt es reichlich. Es ist eine Staatsaufgabe. Woran es im Wirtschaftswunderland hingegen mangelt, ist so etwas alltägliches wie Butter. Laut dem norwegischen Butterproduzenten Tine fehlen derzeit bis zu 1000 Tonnen. Der Grund: Ein verregneter Sommer und eine schlechte Planung.

Ganz Europa berichtet über die Butterpanik in Norwegen. Wie schlimm ist es tatsächlich?
Kathrin Frøvik-Frei: Das Problem besteht bereits seit Anfang Dezember. Die Regale sind leer, obwohl Norwegen sich zum Import von Butter entschlossen hat. Bisher ist nichts in den Läden angekommen. Für die Norweger ist das dramatisch, denn Butter ist in einheimischen Speisen sehr wichtig, insbesondere an Weihnachten.

Weshalb?
Zum traditionellen norwegischen Weihnachtsgericht Lutefisk – ein in Lauge gewässerter Trockenfisch - serviert man Pfännchen mit geschmolzener Butter. Auf pflanzliche Produkte umsteigen mag man nicht, sie würden schlechter schmecken. Ein Norweger findet, er habe das Recht auf einheimische Butter.


Die Butterknappheit kommt zur dümmsten Zeit, jetzt wo man eigentlich Weihnachtsgebäck zubereiten möchte.
Norweger wettern über schlechtere Weihnachtsbiskuits, weil diese nun oft mit pflanzlicher Margarine zubereitet werden müssen. Zudem hält sich die Meinung, Palmfett sei krebserregend. Es blüht der Butter-Einkaufstourismus nach Schweden. Ich als Schweizerin mag die pflanzlichen Produkte hingegen gerne. Den Norwegern aber ist ihr Butterfett heilig.

Gib es einen Butter-Schwarzmarkt?
Noch stehen vor den Supermärkten keine Schwarzmarkthändler. Einzig ein dänischer Hersteller versuchte die Butter-Flaute zu seinen Gunsten auszunützen. Er verteilte in der Stadt Kristiansand seine sonst eher verschmähten ausländischen Produkte als Promo gratis. Im Internet tauchen aber tatsächlich überrissene Angebote auf.

Wird Butter geschmuggelt?
Ja. Die Norweger nehmen es mit legal oder illegal nicht ganz so genau. Kürzlich hat die Polizei an der Grenze zu Russland einen Schmuggler mit 90 Kilo Butter erwischt.

Was ist eigentlich die Ursache der Butter-Knappheit?
Sie hängt laut den Produzenten mit dem schlechten Sommer zusammen, der sich negativ auf die Futterqualität und damit auf die Milchproduktion ausgewirkt hat. Man spekuliert aber auch darüber, dass der grosse norwegische Produzent Tine – sozusagen ein Monopolist – wegen fehlender Konkurrenz und einer speziellen Diät vieler Norweger zu lange mit Milch- und Butterimporten zugewartet hat.

Der Butternotstand könnte noch bis im Januar anhalten. Was machen Sie bis dahin?
Ich verwende pflanzliche Produkte, auch zum Backen. Für mich und meine Familie ist das kein Problem. Und auch vielen Norwegern würde die leichtere Alternative nicht schaden. Es gibt hier viele übergewichtige Menschen, was auch mit der traditionellen norwegischen Ernährung zusammenhängt. Für Norwegen gilt: Fett – dafür glücklich.

Der Butterberg in der Schweiz beträgt mehrere tausend Tonnen. Bei Ihnen in Norwegen herrscht hingegen Butterpanik. Was geht Ihnen da durch den Kopf?
Es ist paradox, wenn ich daran denke, was sonst alles in der Welt herumgekarrt wird.

Selber Butter herstellen: Norwegens Zeitung «Aftenposten» zeigt es in einem Video.