Absprachen im Engadin

26. April 2018 20:44; Akt: 28.04.2018 17:57 Print

«Der Bau ist für Kartelle besonders anfällig»

von V. Blank - Im Unterengadin sollen sich Baufirmen über Jahre abgesprochen haben. Wie es dazu kam, erklärt der Weko-Präsident im Interview.

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Über Jahre hinweg sollen Baufirmen im Unterengadin ihre Preise abgesprochen haben. Den Schaden bezahlten die Gemeinden und damit die Steuerzahler. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) will die betroffenen Firmen nun mit Sanktionen und Verfahrenskosten in der Höhe von über 7,5 Millionen Franken büssen. Der Weko-Präsident Andreas Heinemann sagt, wie ein Kartell entsteht und wo es besonders viele Absprachen gibt.

Herr Heinemann, das Bündner Baukartell ist einer der grössten Weko-Fälle bisher. Hätte so etwas in anderen Kantonen auch passieren können?
Ja. Geografische Abgeschiedenheit, wie sie der Kanton Graubünden aufweist, ist keine notwendige Bedingung dafür, dass es zu einer Kartellbildung kommt. Ein umfangreiches Kartell gab es beispielsweise im Tessin im Bereich Strassenbau. Aber auch in den Kantonen Zürich, Aargau, St. Gallen und Schwyz hatten wir schon Fälle, ebenfalls aus der Baubranche. Der Bau ist offenbar für Kartellbildungen besonders anfällig.

Warum gerade diese Branche?
Die Zusammenarbeit hat im Bausektor eine lange Tradition – die Firmen haben untereinander oft engen Kontakt, man kennt sich. Und es gibt ja auch völlig legale Kooperationen, zum Beispiel in Form von Arbeitsgemeinschaften. Dass Kartelle aber illegal sind, ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Die Änderung des Kartellgesetzes aus dem Jahr 1995 und die Einführung von Bussgeldern bei Verstössen im Jahr 2003 wird noch nicht von allen akzeptiert.

Warum konnte das Bündner Baukartell so lange bestehen?
Das ist wirklich erstaunlich. Laut den meisten Wirtschaftstheorien sind Kartelle normalerweise instabil – sprich: Es kommt zu Betrügereien innerhalb des Kartells, und daraufhin bricht es zusammen. Der aktuelle Fall zeigt aber: Kartelle haben eine lange Lebensdauer. Manchmal bestehen sie über Jahrzehnte.

Warum ist das Ihrer Behörde nie aufgefallen?
In Kartellfällen sind wir darauf angewiesen, dass uns jemand darauf aufmerksam macht. Meistens sind es dann Whistleblower oder Firmen, die sich selbst anzeigen wollen, die sich bei uns melden. Natürlich halten wir aber auch aktiv unsere Augen offen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonny sh am 27.04.2018 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleines Problem.

    Wieso diese Aufregung? Die Pharmaindustrie zockt uns mit dem Segen des Bundesrates seit Jahrzehnten ab und niemand stört sich daran. Und da geht es um Milliarden Und was passiert? Ganz genau gar nichts. Genauso die Banken. Selbst die Krankenkasse sprechen sich schadlos ab !!!

  • René B. am 26.04.2018 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur beim Bau ?

    Und was ist mit dem Detailhandel ? Zum Beispiel Zigaretten, die kosten in der ganzen Schweiz gleich viel, oder im Restaurant der Kaffee, bei der Tankstelle das Benzin........ Wie nennt man das?

    einklappen einklappen
  • Papa Bär am 26.04.2018 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja, wir Bündner haben schon unsere Marotten,

    aber sowas geht aus meiner Sicht ja gar nicht. Und ganz nebenbei: Schwarze Schafe gibt es überall, ob regional, kantonal, national oder global. Aber gut, dass solche Machenschaften immer wieder aufgedeckt werden, wäre da nur nicht unsere bewährte Kuscheljustiz. Manus manum lavat und weiter geht es.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 28.04.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Genau

  • Realist am 27.04.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Titel ist falsch

    Politik, Gewerbetreibende und Amtsinsassen haben die Korruption in der Hand. Und die WeKo wartet ab bis einer pfeift. Hoffentlich stört niemand.

    • marko 33 am 28.04.2018 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Nein

    einklappen einklappen
  • Cavi33 am 27.04.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ist unmöglich

    Diese Feststellung ist nichts Neues, dazu braucht es kein Studium. Das Schlimme an der Sache ist, beide BDP Politiker haben natürlich einmal mehr nichts gewusst. Dies Aussage können nur Wähler ohne jegliche Ahnung noch akzeptieren. Kartelle gibt es überall, im Bau ist das schon fast die Regel auch die Autoimporteure und die Pharma gehören dazu, dies teils mit dem Segen der Behörden.

  • SBK und Santesuisse am 27.04.2018 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kartell

    Wo sind die Wistleblowers im Gesundheitsbereich?

  • Daniel B. am 27.04.2018 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsfreier Raum

    Aufgrund eigener Beobachtungen und Erfahrungen würde ich den Bau als einen der letzten rechtsfreien Wirtschaftsräume bezeichnen und zwar in jeder Hinsicht, sei es Kartellrecht,Geldwäsche, Arbeitsrecht oder Konsumentenrecht.