Palace Gstaad

25. Dezember 2013 19:10; Akt: 27.12.2013 16:24 Print

«Der Luxus der Gäste darf nicht auf mich abfärben»

von S. Spaeth - Er bezeichnet sich als Hüttenwart, dabei logieren in seinem Haus die Schönen und Reichen. Hotelier Andrea Scherz über Statussymbole, ausgefallene Wünsche und Verkaufsgerüchte.

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Herr Scherz, viele Hotels sind zwischen Weihnachten und Neujahr seit Langem komplett ausgelastet. Wie wichtig ist diese Zeit für Sie als Hotelier?
Andrea Scherz: Für uns ist es die wichtigste Zeit des Jahres. Wir machen zwei Drittel unseres Umsatzes im Winter, ein wichtiger Teil davon entfällt auf die rund zwei Wochen zwischen Weihnachten und dem 6. Januar. Für diese Periode sind wir meist bereits zwölf Monate im Voraus ausgebucht.

Nächtigen bei Ihnen derzeit vor allem prominente Stammgäste?
Wir haben 90 Prozent Stammgäste. Und ja, es haben wiederum viele Prominente bei uns gebucht. Wir beherbergen in den nächsten Tagen beispielsweise einen berühmten Schauspieler und einen bekannten Regisseur. Namen werde ich aber keinen nennen, denn unsere Gäste wollen ihre Ruhe haben.

Das Palace gilt als Hort der Reichen und Schönen. Gehört man da als Gastgeber richtig dazu?
Nein, ich bin ein einfacher Berghotelier, der Hüttenwart. Ich gehöre nicht wirklich dazu. Unsere Aufgabe ist es, die Leute zu bedienen. Der Luxus der Gäste darf nicht auf mich abfärben. Das könnte dazu führen, dass ich mir einen Lebensstil aneigne, den ich mir nicht leisten kann. Manchmal laden mich Gäste in ihre Privathäuser oder Jachten ein. Ich gehe gerne hin, muss aber bei meinem Standard bleiben.

Wie wichtig ist Ihnen Luxus persönlich?
Luxus ist etwas Angenehmes und gehört zu meinem Job. Ich steige schon aus Berufsinteresse in Nobelhotels ab. Luxus ist für mich aber nicht nur das Gloriose. Luxus kann auch sein, Zeit zu haben, auf einer Alphütte eine gute Wurst zu essen.

Dann sagen Ihnen all die Statussymbole nichts?
Klar habe ich gerne Uhren und Autos. Die Produkte meiner Gäste sind aber nicht in meiner Liga. Ich kann auch Freude haben an einer Uhr von Fortis und meinem Skoda Yeti. Meine Gäste, die allen nur erdenklichen Luxus haben, sind nicht glücklicher als ich.

Die Luxusklientel hat den einen oder anderen Sonderwunsch: Wann sagen Sie, jetzt reichts?
Wir haben die Devise im Haus, nie Nein zu sagen. Und sollte es dennoch dazu kommen, bieten wir dem Gast eine Alternative an. Meist können wir aber alles erfüllen. Wir mussten für Gäste schon Schweine kaufen und ihnen diese später nach Deutschland liefern. Oder einer Dame, deren Hund nur ungern im Schnee sein Geschäft verrichtete, haben wir in der Dusche jeden zweiten Tag neuen Rollrasen aus Holland ausgelegt.

Gibt es auch Wünsche, bei denen Sie sich hintersinnen?
Wir hatten mal einen Gast mit einem ausgesprochenen Hygienefimmel. Alles musste mit Badetüchern ausgelegt werden und sie wusch sich nur mit Evian. Selbstverständlich haben wir das Mineralwasser geliefert.

In der Altjahrswoche klingeln Ihre Kassen. Was kostete die teuerste Flasche, die derzeit im Keller lagert?
Der teuerste Wein, ein Burgunder, kostet für den Gast 10 000 Franken. Es ist ein Domaine Romannée Conti 1995 – eine absolute Rarität. Bei uns findet man aber auch gute Weine für weniger als 100 Franken. Für besondere Anlässe haben wir noch einen 30 000 Franken teueren Cognac an Lager. In der Schweiz gibt es nur drei dieser Flaschen.

Ihre Gäste haben höchste Erwartungen: Haben Sie als Gastgeber eigentlich noch Lampenfieber vor dem grossen Weihnachtsdinner und der Silvestergala?
Ich bin trotz der vielen Erfahrung noch nervös. Die Tage zwischen Weihnachten und dem 7. Januar sind sehr stressig. Es kann immer irgendetwas schiefgehen: Stromausfall, Feuer, Lieferengpass oder eine Viruserkrankung, die einen grossen Teil der 300-Personen-Crew flachlegt.

Die Luxushotellerie in der Schweiz hat keine einfache Zeit hinter sich: starker Franken, Gäste, die weniger lange bleiben und immer preissensibler werden. Wie sehen Sie die Zukunft für ihre Branche?
Die Zukunft macht mir schon Sorgen. Der starke Franken sorgt für Umsatzeinbussen. Zudem haben wir hohe Lohn- und Lebensmittelkosten und einen ständig steigenden Bürokratieaufwand. Die Gewinnmarge sinkt dauernd. Den Tod unseres Hotels werden aber nicht fehlende Gäste verursachen, wir werden in den vielen Vorschriften ersticken. In den letzten 17 Jahren hat sich der administrative Aufwand verdoppelt, aber nicht der Umsatz.

Dann ist der Staat schuld an der Misere?
Dem Staat ist nicht bewusst, welch wichtige Bereiche Tourismus und Hotellerie sind. Verglichen mit anderen Wirtschaftszweigen hilft die Regierung uns nur dürftig. Gegenüber dem Ausland, wo der Tourismus stark gefördert wird und von Steuervergünstigungen profitiert, passiert in der Schweiz überhaupt nichts. Doch wir müssen uns selbst helfen, solange wir noch können.

Sie sind einer der letzten Familienbetriebe in der Schweizer Luxushotellerie. Wird das ewig so bleiben?
Das wäre mein Traum. Ich bin sehr stolz, dass wir das Palace bereits in dritter Generation als Familienunternehmen führen können. Noch ist nichts geplant, aber ich wünsche mir, dass mein derzeit 14-jähriger Sohn den Betreib dereinst weiterführt. Er muss aber aus eigener Überzeugung Hotelier werden, denn nur so macht er es richtig gut.

Wie häufig kommen Übernahmeanfragen von grossen Hotelgruppen?
Übernahmeangebote gibt es immer wieder, im Schnitt alle eineinhalb Jahre. Gerüchte, wir würden verkaufen, gibt es fast jeden Monat. Bei den riesigen Summen, die mir bereits geboten wurden, bin ich auch schon ins Grübeln gekommen. Ein Verkauf kommt aber nicht in Frage. Das wäre so, als würde ich meine Schwester verkaufen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noortje am 25.12.2013 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rollrasen

    Ich schmeiss mich weg, Rollrasen in der Dusche für den Hund..hackts bei denen??

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  • Kris am 25.12.2013 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Zeit

    Habe dort meine Ausbildung absolviert! Ist so, wenn du das Geld hast kannst du vieles, wenn nicht alles haben und machen. Klar eine Suite für 16'000.- klingt nach viel, war für uns aber nicht wichtig. Den der Zusammenhalt, das Familiäre und der Respekt der Crew untereinander war einmalig und habe ich bis heute nie mehr so erlebt!! Und das ist jetzt ca. acht Jahre her.

  • Eve am 25.12.2013 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Palas

    Nicht meine Liga aber ich finde den Besitzer sympatisch. Er bleibt sich treu!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz am 27.12.2013 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sportliche-Ferien-Roben sind gefragt

    Glanz + Gloria-Kostüme Schnick-Schnack sind in den Ferien nicht gefragt - sonst sind es keine Ferien mehr - die Koffer-Schlepperei usw. sind kein Ferien-Vergnügen mehr.

  • F. N. am 26.12.2013 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gstaader Extraklasse!

    Bravo bravo bravo! Das Gstaad Palace ist wahrhaftig eine Institution mit grossem Charme und bereichert das ohnehin grandiose Saanenland enorm. Ich wünsche mir für die Zukunft viele weitere Jahre mit Tanz & Trunk bei den liebeswerten Gstaadern!

  • Urs Schöner am 26.12.2013 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Familienhotels

    Österreich boomt dank den staatlich unterstützen Familienhotels. Hier in der CH werden sie zerstört, verdrängt und von grossen Hotelketten aufgekauft. Der hohe Mindestlohn in der CH Gastronomie zieht leider die falschen Arbeiter an, es gibt zuviele die nur wegen dem hohen Mindestlohn im Gastrobereich arbeiten. Das fördert den guten Service überhaupt nicht.

    • Mart_in am 27.12.2013 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ansichtssache

      Also wälzen wir ihren Vergleich mal auf die Stadt Zürich ab. Mind. Lohn 4'100.- nach einer abgeschlossenen Berufslehre im Gastgewerbe in der Schweiz. Arbeitswoche: Montag-Sonntag, selten 2 Tage am Stück frei, Zimmerstundenarbeit...

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  • Hansruedi Kübli am 26.12.2013 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Herr Scherz; grosses Kompliment !!

    Ob wir negativ oder positiv über die "reichen Leute" denken, ändert nichts! Hauptsache ist doch, dass Sie das Geld in Umlauf bringen; wenn möglich am liebsten bei uns in der Schweiz! Somit bekommt von dem Zimmermädchen bis zum Direktor jeder etwas davon! Denn nicht der Chef bezahlt die Löhne, sondern die Gäste!! Wünsche A. Scherz gute, erfolgreiche Saision und hoffentlich viele zufriedene Gäste die sich in diesem wunderbaren Hotel wohlgefühlt haben. Ich beneide Sie nicht zu Ihrer Aufgabe, sondern bewundere Sie und mache Ihnen ein grosses Kompliment. Hansruedi Kübli

  • Katharina Barbara M. am 26.12.2013 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle sind gleich!

    Ich kenne einige Reiche, um nicht zu sagen sehr reiche Leute. Sich so zu verhalten würde aber keinem von ihnen einfallen! Bei Menschen mit solch ausgefallenen Sonderwünschen handelt es sich wohl eher um Neureiche, die mit ihrem Geld angeben und protzen wollen. Als Hotelier und Gastgeber ist man dann zusätzlich gefordert, denn man muss, auch wenn es einem widersinnig erscheint, gute Miene zum bösen Spiel machen!