Thomas Jordan

15. Januar 2015 17:33; Akt: 15.01.2015 17:53 Print

«Der Zeitpunkt für die Aufhebung war richtig»

von K. Wolfensberger - Der Entscheid der SNB zur Aufhebung des Mindestkurses erschüttert die Wirtschaft. Chef Thomas Jordan rechtfertigt den Schritt.

Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), spricht an einer Medienkonferenz in Zürich am Donnerstag, 15. Januar 2015. Er erklärt: Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken ist Geschichte.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Jordan, der Mindestkurs war das zentrale Instrument der Schweizer Geldpolitik in den letzten drei Jahren. Was hat sich nun verändert?

Umfrage
Ausstieg aus Mindestkurs: Hat die Nationalbank Ihrer Meinung nach richtig entschieden?
65 %
20 %
15 %
Insgesamt 51637 Teilnehmer

Die SNB ist überzeugt, dass jetzt der richtige Moment ist, den Mindestkurs aufzuheben. Wir beobachten zurzeit geldpolitische Entwicklungen in den grossen Währungsräumen, aufgrund derer eine Aufrechterhaltung in Zukunft nicht mehr nachhaltig wäre. Aus diesem Grund mussten wir sofort reagieren.

Wurde der Druck an den Märkten zu gross?

Nein, der Druck war nicht ausschlaggebend. Wir waren überzeugt, dass sich die internationale Situation so geändert hat, dass ein Mindestkurs längerfristig keinen Sinn mehr ergibt. So driftet die Geldpolitik in den grossen Währungsräumen auseinander, einige Zentralbanken straffen sie, andere lockern sie. Das führt zu grossen Spannungen und dazu, dass der Mindestkurs längerfristig nicht mehr funktionieren kann.

War der plötzliche Ausstieg eine Panikreaktion?

Der Ausstieg aus einer solchen Politik erfolgt immer überraschend, genauso wie auch der Einstieg überraschend erfolgte. Die Reaktion war aber keineswegs eine Panikreaktion. Sie war wohlüberlegt. Dass die Märkte im ersten Moment extrem reagieren würden, war allerdings zu erwarten. Das wird sich in den nächsten Tagen oder Wochen aber wieder einpendeln. Sollten die Märkte dies erfordern, werden wir erneut intervenieren und aktiv sein.

Schadet die Aufhebung nicht massiv der Schweizer Exportwirtschaft oder dem Tourismus?

Der Mindestkurs wurde in einer Zeit grösster Verunsicherung und einer Überbewertung des Frankens eingeführt. Als Massnahme hat er die Schweizer Wirtschaft vor enormen Schäden bewahrt. Der Franken bleibt im Moment hoch bewertet, aber nicht mehr so stark wie auch schon. Die Wirtschaft konnte die letzten drei Jahre nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Sie haben die kürzlich eingeführten Negativzinsen verstärkt. Warum?

Der Negativzins ist ein sehr starkes Instrument, das auch in der Schweiz eine grosse Wirkung entfalten wird. Für Personen, die mit Spekulationsgeldern auf dem Geldmarkt unterwegs sind, wird das Halten von Schweizer Franken nun eine sehr, sehr teure Angelegenheit.

Werden die Banken die Negativzinsen der SNB jetzt an die Kleinsparer weitergeben?

Dieser Entscheid liegt bei den Banken. Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommen wird. Die Banken haben ein grosses Interesse daran, dass die Kleinsparer über Jahre ihre Kunden bleiben. Anders sieht es bei den Grosskunden aus, die kurzfristig grosse Bestände in Franken halten wollen. Dort wirkt der Negativzins, was auch genau der Absicht der SNB entspricht. Ich halte fest: Die komplexe internationale Situation führt dazu, dass wir nicht in einem geldpolitischen Paradies leben. Alles hat seine Kosten. Hohe Zinsen für den Sparer, ein tiefer Frankenkurs für die Exportwirtschaft und keine Risiken für die SNB, das kann die Nationalbank im Moment leider nicht bieten. Unsere beschränkten Mittel versuchen wir optimal zu nutzen.

Könnte es trotzdem dazu kommen, das Sparer Bargeld horten?

Nein, das glaube ich nicht. Das Diebstahlrisiko ist sowohl für Privat-, als auch für Geschäftskunden viel zu gross.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eidgenosse am 15.01.2015 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Perfekt

    Endlich ist diese künstliche Barriere gefallen. Gratuliere Herr Jordan, wäre aber längst fällig gewesen.

  • eine Frau am 15.01.2015 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juhu!

    Wurde aber auch Zeit! Das Euro-Sterben wurde künstlich um 4 Jahre herausgezögert... Diesen Mindestkurs häte es nie geben dürfen - zumindest in meinen Augen nicht!

    einklappen einklappen
  • turi am 15.01.2015 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der richtige Zeitpunkt

    die Energiekosten sind durch den Rohstoff Erdöl massiv gesunken und dies könnte widerum die Marche abfedern je nach Indstriesektor/Wirtschaftssektor

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 16.01.2015 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Panik!

    Mario Draghi von der EZB kauft jetzt dann die Staatsanleihen. Danach wird die EZB die Geldmenge wieder verkleinern, der Euro Kurs wird wieder steigen und das ganze Geschrei war um sonst!

  • No Job no Fun am 16.01.2015 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Job so gut wie weg!

    In 3 Monaten haben bei uns 100 Leute keinen Job mehr! Danke Herr Jordan...

  • SuSa am 16.01.2015 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich mich frage...

    ... wieso denken in der Wirtschaft eigentlich immer alle, dass es nur bergauf geht? Im Leben ist es ja auch nicht so...

  • Fragezeichen am 16.01.2015 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Entzauberte Grössen

    Zwei meiner bisherigen Ikonen der Schweizer Wirtschaft - Hayek und Spuhler - haben sich meiner Ansicht nach gerade ins Out gestellt. Ein überraschender Schick? Hätte man in Stufen machen müssen? Alles Blödsinn! Ihr hättet damit rechnen müssen. Und es wäre noch um einiges wilder "gewettet" worden. Ihr habt keinen Plan "B" ? Seid ihr vielleicht doch nicht die Überflieger, für die ich euch hielt? War euer Erfolg nur auf dem Buckel der Allgemeinheit erwirtschaftet?

    • Reto am 16.01.2015 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      zu einseitig

      Wenn der Vize der SNB noch vor 2 Tagen posaunt dass die Grenze nicht zur Diskussion steht, dann hätte ich als CFO oder CEO einer export firma auch wirklich nicht damit gerechnet dass die Hürde fällt. Kommunikation seitens der SNB war grottenschlecht! Bleibt jedoch zu hoffen dass die Export-firmen auch währen den letzten 40 Monaten ihrer währungs-absicherungen treu geblieben sind. Ansonsten wird's doppelt schmerzhaft.

    einklappen einklappen
  • Onkel Dagobert am 16.01.2015 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schon sehr seltsam

    der CHF hat nicht nur beim Euro sondern gegenüber fast allen Währungen über 13Prozent zugelegt ? Scheint fast als ob alle anderen Währungen an den Euro gebunden sind.

    • Frank F. am 16.01.2015 17:42 Report Diesen Beitrag melden

      Tja halt

      Das verstehen eben viele falsch, die SNB hat nicht den Euro hochgehalten, sondern den Franken tief. Oder anders, durch die Euro-Käufe wurden CHF auf den Markt gebracht, was nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage den Preis/Wert des CHF drückte. .

    einklappen einklappen