Abzocker-Debatte

10. Februar 2010 07:54; Akt: 10.02.2010 11:57 Print

«Die Boni sind nicht das Problem»

von Othmar Bamert - Die hohen Boni der Banker sorgen im Volk für Empörung. Sie staatlich zu begrenzen, hält Wirtschaftsprofessor Nuno Fernandes jedoch für grundfalsch. Das kompliziere nur die Lohnmodelle, im Auge behalten müsse man vielmehr etwas anderes.

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Hier wird verteilt: Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

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Der Bonus-Reigen ist eröffnet: Am Dienstag gab die UBS bekannt, sie werde rund drei Milliarden an Boni auszahlen – bei einem Jahresverlust von rund 2,7 Milliarden Franken. Die gut bezahlten und viel kritisierten Banker erhalten Schützenhilfe von wissenschaftlicher Seite. Nuno Fernandes, Wirtschaftsprofessor an der IMD in Lausanne, erklärt, weshalb er die Boni gut und staatliche Regulationen falsch findet.

Herr Fernandes, Sie bezeichnen den Versuch von Schweizer Politikern, die Boni der UBS-Manager zu streichen, als einen grossen Fehler. Warum?

Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit wollen Politiker die Manager-Boni für CEOs beeinflussen bzw. beschränken. Das ist der falsche Ansatz. Mehr Regulierungen führen lediglich zu komplizierteren und undurchsichtigen Kompensationsmodellen.

Wozu würden gesetzliche Boni-Obergrenzen führen?

Die Banken finden immer einen Weg, die Regelungen zu umgehen und die Boni trotzdem auszuzahlen. Zum Beispiel können sie Offshore-Destinationen benutzen, um die Auszahlungen dem Blick des Regulators zu entziehen und zugleich die Steuern zu umgehen. Oder die Top-Verdiener der Banken werden – statt Angestellte - einfach Vertragspartner, zum Beispiel Zulieferer. Es gibt keine Regulierung, wie viel ein Unternehmen ihren Zulieferern für eine Dienstleistung bezahlen darf. Oder die Banken zahlen einfach höherer Fixlöhne. Das macht die Institute allerdings in Wirtschaftskrisen verwundbarer, weil ihnen die Möglichkeit fehlt, die Kosten rasch zu senken. Bisher konnten sie in schlechten Jahren einfach die Boni reduzieren.

Sehen Sie kein Gerechtigkeitsproblem? Ist es nicht gefährlich für die soziale Stabilität eines Landes, wenn einzelne Berufsgruppen derart viel mehr verdienen als der Rest?

Die Löhne anzugleichen und alle gleich zu behandeln würde grundsätzlich bedeuten: Wir haben Angst, die Gewinner zu belohnen. Dann schalten wir den Wettbewerb aus. Im Endeffekt kommt das Wirtschaftswachstum zum Erliegen. Gewisse Bonus-Praktiken, die in Vergangenheit angewendet wurden, waren zweifellos falsch. Nun ist man sich über die grundsätzlichen Bonus-Prinzipien weitgehend einig: Es müssen langfristige Bewertungsmassstäbe angewendet werden, die Anreize müssen an Leistung gebunden werden und nicht an die Grösse bzw. den Umsatz, und es darf keine Bonusgarantie geben. Ich bin überzeugt: Die Unternehmenseigner, also die Aktionäre, werden diese Grundsätze selbst durchsetzen. Es braucht also keine staatliche Regulierung.

Wie würden die neuen Boni-Modelle denn aussehen?

Kurzfristige Anreize sind passé. Die neuen Lohnanreize werden garantieren, dass die Manager den langfristigen und nachhaltigen Erfolg anstreben und nicht zu kurzfristigem Gewinnstreben und Spekulation verleitet werden. Dies zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel können die Unternehmen einen Grossteil der Boni mit zeitlicher Verzögerung – bis zu fünf Jahre – auszahlen. Dies erlaubt, die Boni wieder einzuziehen, wenn das Unternehmen Verluste erleidet. Eine weitere Möglichkeit, die Manager zu langfristigem Denken zu zwingen, sind gesperrte Aktien, die nur unter bestimmten Bedingungen verkauft und als Boni ausbezahlt werden. Anzustreben ist auch das sogenannte «say-on-pay»: Die Aktionäre sollen über die Managerlöhne und Abgangsentschädigungen - die «goldenen Fallschirme» - abstimmen können.

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg erwartet eine Mehrheit der Banker für das Jahr 2009 deutlich höhere Bonuszahlungen als 2008. Wie erklären Sie sich das?

Im Finanzkrisenjahr 2008 schrieben die Banken massive Verluste, folglich fielen die Boni in diesem Jahr wesentlich tiefer aus. Jetzt, da die Konjunktur wieder an Fahrt gewinnt und die Banken zum Teil wieder massive Gewinne verzeichnen, fallen die Boni wieder höher aus. Hier decken sich also die Interessen der Manager mit jenen der Aktionäre. Nur dies führt letztlich zu funktionierenden Unternehmen und einer florierenden Wirtschaft. Banker-Boni sind jedoch nur ein Nebenthema und lenken von der Hauptfrage ab.

Welches Thema steht für Sie im Mittelpunkt?

Die Eigenkapitalquote. Das ist das zentrale Thema, das leider von der populistischen Bonusdiskussion überdeckt wird. Mehr Eigenkapital macht die Banken krisenresistenter. Es war die mangelnde Eigenkapitalausstattung, die einige Banken zu Fall brachte, und nicht die hohen Boni. Es ist schlicht nicht möglich, mit nur 5 Prozent Kapital sicher zu operieren, im Glauben, sich den Rest bei Bedarf einfach borgen zu können. Leider höre ich von den Politikern kaum etwas zu diesem Thema – wohl weil es den Wählern schlecht zu vermitteln ist. Über Boni zu reden findet dagegen Anklang.

Welches wäre die Gefahr bei Beschränkungen durch den Gesetzgeber?

Regierungen tendieren in Krisen zu mehr Protektionismus. Damit bedrohen sie die Globalisierung und schalten den Wettbewerb aus. Zum Beispiel wenn ein Land entscheidet, nur jene Banken zuzulassen, welche ihren strengeren Eigenkapitalrichtlinien genügt. So würde beispielsweise der Kapitalbedarf Frankreichs nur von französischen Banken bedient. Eingeschränkter Wettbewerb führt aber immer zu höheren Preisen. Und die Rechnung bezahlen am Schluss wie immer die Kunden und die Steuerzahler.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Bürger am 10.02.2010 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    super Artikel

    Ich vermute leider, dass der Text von den Kritikern nicht verstanden wird. Vielleicht wollen sie ihn auch nicht verstehen. Man muss aber wissen, dass die Planwirtschaft versagt hat. Im übrigen profitieren von den Bonis an die Mitarbeiter alle, die Steuern und der Konsum und die damit verbundenen Arbeitsplätze (auch die vom Bäcker!). Weniger Boni an Mitarbeiter würde nur den Aktionären dienen und die sitzen mehrheitlich im Ausland!

  • Tobias W am 10.02.2010 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mitarbeiter

    Die UBS hat mehr als nur 1 Geschäftszweig. Wenn die Vermögensverwaltung 5mrd Gewinn macht dann zahlt man den Mitarbeitern dort einen Boni. Wenn das Investmentbanking 8mrd Verlust macht dann ist halt die Gesammtbilanz negativ. Dafür können die Vermögensverwalter nichts. Die Schweiz sollte Boni völlig legalisieren und damit die Besten Köpfe zum Finanzplatz holen, dann hätten wir auch ohne Bankgeheimnis einen Vorteil gegenüber EU-Banken.

  • Alex am 10.02.2010 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Boni

    Herr Fernandes so müssten sie ja auf Geld verzichten, Boni streichen, einfache Arbeiter bekommen nicht mal ne Lohnerhöhung. Wo wärs mal mit Boni für die einfachen Bankangestellten, die erbringen eigentlich das Geld.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc Zuyox am 13.09.2010 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Massive Boni verschlechtern die Leistung

    Worauf sich Wirtschaftsprofessor Nuno Fernandes mit seinen Behauptungen stützt ist vor allem Ignoranz, denn die Federal Reserve of Boston hat schon 2005 nachgewiesen, dass massive Boni die Leistung stark reduzieren! Die beiden Videos und erklären anschaulich, warum aus wissenschaftlicher Sicht, massive Boni die Leistung stark reduzieren! Wann werden die Banken endlich lernfähig! Basel III wird sie vermutlich dazu zwingen, was gut ist!

  • Tom am 24.02.2010 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Pfeif auf die Boni

    Ich will mehr Haftung der Banker für die Anlagen und die Kundenberatung. Es kann nicht sein das die Kunden Ihr geldverllieren und die Bänker noch Boni bekommen. Der Parteien denken nur an mehr Steuern. Die werden die Bänker sicher fix auf die Gebühren umlegen.

  • Gianin May am 12.02.2010 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Angestellter?

    Das Problem ist, dass der 0815 Angestellt der Angestellte der Firma ist und die Firma kann sich grosse Boni nicht leisten, der CEO ist aber nicht Angestellter der Firma, er ist die Firma - aber die Firma heisst nicht Vasella AG sonder Novartis oder UBS und ist eigentlich eine rechtliche Person die sichvom CEO oder Verwaltungsrat unterscheidet. Dieser Unterschied ist aber nur nach unten massgeben nicht aber nach oben. Mich dünkt grundsätzliche wirtschaftliche Tatsachen und Begebenheiten werden oben gar nicht gelebt noch verstanden.

  • Tobias W am 12.02.2010 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzsichtigkeit

    Die Vorstellung alle Staaten würden Boni verbieten ist unrealistisch. Man kann eine Bank auch auf den Cayman Islands eröffnen. Mit Sondersteuern schwächt man die Attraktivität des Finanzplatzes Schweiz. Wozu? Damit ein paar gescheiterte Existenzen die Aufgrund schlechter Ausbildung/Faulheit/was-auch-immer nicht mehr neidisch sein müssen auf Bänker die mehr verdienen als sie. Aber solche Leute schreiben hier ja nicht, ist ja eine Diskusion unter Bankexperten...

  • michael fux am 11.02.2010 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    wie verdient eine bank eine milliarde?

    man nehme 1.5 billionen staatshilfe und investiere diese in die rohstoffbörse... gold, kupfer, zucker, öl... wo viel investiert wird, steigen die preise... erste lektion wirtschaftslehre.... selbst ein kartoffelsack hätte warten können, bis die preise steigen, wenn alle banken darin investieren... wie eine sportwette, die man auf sein eigenes team setzt... und manipuliert... das geld wächst aus der börse... banken generieren gelder untereinander und alle sind stolz auf sich, geld erschffen zu haben... in der bilanz heisst dieses börsenluftschloss "gewinn" und "bonuszahlungen" ...