Investment-Punk

12. Dezember 2011 22:56; Akt: 13.12.2011 10:33 Print

«Die EU-Krise wird die Jungen überrollen»

von Désirée Pomper - Europas Jugend sei dumm und faul, sagt der österreichische Banker Gerald Hörhan. Um den sozialen Abstieg abzuwehren, müssten junge Schweizer aufhören zu «chillen und shoppen».

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Investment-Punk und Buchautor Gerald Hörhahn. (Foto: Nicolas Y. Aebi)

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Herr Hörhan*, in Ihrem Buch «Gegengift» verunglimpfen Sie Jugendliche als dumm, faul und wohlstandsfixiert. Übertreiben Sie nicht etwas?
Gerald Hörhan: Leider mache ich die Erfahrung, dass viele Jugendliche lieber shoppen, chillen, surfen, Party und Schulden machen, anstatt zu arbeiten. Es ist eine wohlstandsverwahrloste, dekadente Generation, denen keine Werte wie Fleiss, Sparsamkeit und Disziplin vermittelt wurden. Ihnen fehlt der Biss und der Arbeitshunger. Ausserdem bereitet das Schulsystem in vielen europäischen Ländern die Kinder nur ungenügend auf den Arbeitsmarkt vor.

Würden Sie die Schweizer Jugend mit einem satten, müden Kater vergleichen
Ich will nicht verallgemeinern. Aber tendenziell trifft dies zu. Jedes Tier, das zu fett wird, stirbt einmal aus. Auch jedes Reich, dem der Biss und der Arbeitshunger fehlt, geht einmal unter. Dabei wäre es während der EU-Krise wichtiger denn je, gewappnet zu sein.

Und das ist die Schweiz nicht?
Zwar ist die Schweiz im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ein wirtschafts- und steuerfreundliches Land. Aber die EU-Krise wird auch die Schweiz in Schwierigkeiten bringen und die Jungen überrollen, da sie wirtschaftlich zu ungebildet sind. Es droht eine Wohlstandsminderung, die Mittelschicht wird schrumpfen, die Rente wird nicht mehr ausreichen.

Wie sollen sich die Jugendlichen denn wappnen?
Es nützt nichts, wenn die Jugendlichen auf dem Paradeplatz zelten. Statt der Occupy Bewegung muss es eine sinnvolle Jugendrevolte geben. Meine Message an die Jungen lautet: Plant eure Karriere wie ein Investment, steigt in Unternehmen mit Visionären an der Spitze ein, strengt euch an, verzichtet auf ein Leben auf Pump und spart stattdessen für ein Unternehmen oder Immobilien. Nur so kann es Europa wieder an die Spitze schaffen.

Ist Ihre Kritik an der Jugend auch eine Kritik an den sogenannten «Super-Opportunisten» – jungen Menschen, die sich alle Optionen offen halten wollen und schwer tun, Entscheidungen zu fällen?
Ja. Der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem erfolglosen Menschen ist: Erstere machen etwas stetig und ordentlich. Diejenigen aber, die hin und her springen wie ein Känguru, haben schlussendlich weder Wissen noch Erfolg, dafür aber leere Taschen.

Sollten sich die europäischen Jugendlichen ein Beispiel an ihren Altersgenossen im aufstrebenden China nehmen?
Während die europäische Jugend ihr Geld sinnlos verjubelt, investieren es die jungen Brasilianer, Russen, Inder und Chinesen wegen dem höheren Wettbewerbsdruck zukunftsorientiert. Sie sind sehr geschäftstüchtig und immer gebildeter. Deshalb wird es eine Wohlstandsverschiebung weg von Europa, Amerika und Japan hin zu den Bric-Staaten, aber auch Indonesien, Philippinen und Afrika geben.

Geld scheint Ihnen wichtig. Was ist mit den immateriellen Werten wie Gerechtigkeit, Bescheidenheit und Solidarität?
Das eine schliesst das andere nicht aus, sie ergänzen sich sogar. Finanzieller Mangel und Schulden führen zu sehr viel Leid. Wenn man aber weiss, wie man mit Geld verantwortungsvoll umgeht, kann man damit sehr viel Gutes tun.

* Gerald Hörhan (34) studierte in Harvard Mathematik und ist selbstständiger Investmentbanker.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dominik Meyer am 13.12.2011 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aber Hallo

    Gerade ein Investmentbanker sollte sich nicht zu weit zum Fenster aus lehnen. Ich bin 21 Jahre alt und somit nich Jugendlich. Aber ich saufe nicht, habe keinen Fünfräppler Schulden, arbeite 100%, habe die Berufsmatur absolviert und sogar ein vernünftiges Hobby, in dem ich mich einem Musikverein engagiere. Nebenbei darf ich mit meinen Steuern einen Teil des Schlamassels ausbaden, die diese ach so tollen Investmentbanker uns eingebrockt haben! Und ich bin bestimmt nicht der einzig Jugendliche, der ein einigermassen geregeltes Leben hat, ihr lieben braven Alten

  • David am 12.12.2011 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Rente

    Ach ich musste so lachen ab dem Interview.... Weil der Typ mir aus der Seele spricht. Erfrischend ehrlich und provokativ. Jungs und Mädels, klemmt euch an den Arbeitsplatz und sorgt fürs Alter vor. Meine Säule 3a bekommt ihr wenn nicht, wenn ihr alt seid und die Rente ausbleibt ;-)

  • 17-jährige Jugendliche am 13.12.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht völlig unrecht ABER...

    Ich geh gerne und oft auf Partys,gehe shoppen und chille mit Freunden.Aber seit ich 14 Jahre alt bin habe ich in fast jeden Ferien einen Ferienjob getätigt,war auf dem Gymnasium und für 1 Schuljahr in den USA und habe nun einen Berufsweg eingeschlagen. Zudem arbeite ich darauf hin, dass ich studieren gehen kann.Das ist mir alles wichtig und ich lass mich nicht so einfach als dumm und faul bezeichnen! Er hat recht, unsere Generation muss nunmal das Geschehene ausbaden und wir haben noch sehr viel zu lernen, aber das ist kein Grund uns so zu bezeichnen. Wir sind Jugendliche wie ihr es auch wart.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Olga Oehen am 14.12.2011 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelständige Kauffrau

    Velen Jugendlichen sollte bei einem solchen Kommentar ein Licht aufgehen, nämlich das zu tun, was sie in Wirklichkeit im Leben auch weiter bringen wird. Nur Mut dazu!

  • Fritz Peter am 14.12.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können nicht nur immer lernen !

    Ich finde das genau so, ausser dieser Mann vergisst das wir Kinder auch nicht immer nur lernen usw. können wir müssen auch einmal "chillen" oder shoppen gehen !

  • Simone/Battaglia am 14.12.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Jugendliche!!!

    Ich finde sie haben recht, aber es gibt auch Jugendliche die mehr arbeiten als auf dem Sofa zu sitzennicht jeder ist schlecht. Auch Erwachsene ruinieren die EU.

    • Adriana/Tomber am 14.12.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Jawohl

      da haben sie recht

    • Luca Riesen am 14.12.2011 18:27 Report Diesen Beitrag melden

      Ich gebe Herrn Höhlan recht.

      Wie wie alle wissen ist nicht jeder Perfekt. Wir hatten letze Woche diese Thema in der Schule und darum gebe ich Herr Höhlan recht. Zu viel viel Fehrnseh kann zu schädlichen bis auch zu Tödlichen Unklügen führen. Zu viel Fehrnseh verkürzert unser Leben wie auch Zigarette und voralem Drogen.

    • Luca Riesen am 14.12.2011 18:52 Report Diesen Beitrag melden

      Das Stimmt schon

      Es Wurde sogar bewiessen das man mit zuviel Fehrsehen schneller stirbt. Das gilt auch für Zigarette und Drogensüchtige.

    • nick wiestner am 15.12.2011 20:36 Report Diesen Beitrag melden

      recht

      du hasst recht

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  • Theo am 14.12.2011 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Ich danke an dieser Stelle Herr Hörhan und sämtlichen Investementbankern, dass wir "faulen" Jugendlichen das System wieder aufbauen können, dass gerade dieser Berufszweig an die Wand gefahren hat und in den nächsten 20 Jahren wohl die Schulden abbauen dürfen (bekanntlich zahlen die Investmentbanker nicht für ihre Verfehlungen), welche durch das System geschaffen wurden. Setzen! Sechs!

  • Leander Schwartz am 13.12.2011 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die "heutige" Jugend...?

    "Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und schwazt, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer." Klingt nach einer Aussage von Gerald Hörhan? Falsch geraten! Dieses Zitat stammt (vermutlich) von Sokrates, dem berühmten Philosophen des alten Griechendlands, welcher ca. im 5. Jhrt. vor Chr. lebte und wirkte. (Quelle Zitat:

    • Georg am 14.12.2011 00:02 Report Diesen Beitrag melden

      schlechter Vergleich

      Kann diesen Vergleich nicht mehr hören. Unsere globalisierte Welt ist eine andere. Der strenge Wettbewerb wird uns früher oder später aufrütteln. Sowas gab es zu Zeiten Sokrates noch nicht

    • Leander Schwartz am 15.12.2011 19:32 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Vergleich und Denkanstoss

      Es geht hier nicht primär um Sokrates, sondern darum, dass die Jugend jeweils immer als faul, unfreundlich und schandhaft empfunden wird/wurde. In jeder Zeitepoche wurde über Jugendliche gewettert; dieses Phänomen ist, was ich mit diesem Zitat aufzeigen wollte. Ausserdem, quasi als Denkanstoss: Wer hat denn die Jugend erzogen? Wer hat die Globalisierung vorangetrieben? Wer hat diese "schöne, neue Welt" um es mit Shakespeare zu sagen geschaffen?

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