Köppel über «BaZ»-Verkauf

15. Dezember 2011 18:52; Akt: 16.12.2011 10:10 Print

«Die Journalisten sollten Blocher dankbar sein»

von A. Mustedanagic - Tito Tettamanti hat die «BaZ» gekauft. Im Interview äussert sich «Weltwoche»-Chef Roger Köppel über geheime Beteiligungen, die neue Konkurrenz aus Basel und Abmachungen mit Markus Somm.

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Das grosse Geheimnis um die Finanzierung der «Basler Zeitung» ist gelüftet. Bleibt nur noch ein Rätsel: Wer steckt hinter Ihnen und der Weltwoche?
Roger Köppel: Ich bin unabhängiger Unternehmer, der sein ganzes Geld in die Weltwoche investiert hat plus Bankschulden. Ich bin alleiniger Besitzer des Blattes zu 100 Prozent. Ich finde es unfair, dass die grossen Verlage Tamedia und NZZ mir unlautere Strukturen andichten wollen. Man möchte einen erfolgreichen Konkurrenten durch Unterstellungen im Markt in seiner Glaubwürdigkeit schädigen.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen irgendjemand glaubt, dass Sie mit Ihrer Pensionskasse einen Titel wie die «Weltwoche» finanziert haben?
Mit meinem Vermögen und mit Bankkrediten, für die ich persönlich hafte! Ich habe offengelegt, wie der Kauf gelaufen ist. Stillschweigen wurde nur beim Kaufpreis vereinbart. Darin sehe ich nichts Ungewöhnliches. Peter Wanner sagt ja auch nicht, wie viel er für Radio24 bezahlt hat.

Ist es eine Option für Sie, einen Teil der Weltwoche nun an die neuen «BaZ»-Eigner abzugeben?
Ich habe eine hochinteressante und gut dotierte Chefredaktorenstelle bei der «Welt» in Berlin aufgegeben, um als Unternehmer die «Weltwoche» zu führen. Ich möchte mich publizistisch für die Schweiz einsetzen, indem ich Missstände aufdecke und zur Meinungsvielfalt beitrage. Das ist die Aufgabe einer kritischen Zeitung in der Demokratie. Um diesen unabhängigen Kurs zu fahren, muss ich unabhängig bleiben. Deshalb kommt ein Verkauf oder ein Teilverkauf für mich nicht in Frage.

Die «Basler Zeitung» soll gemäss Tito Tettamanti einen ähnlichen Kurs wie die «Weltwoche» fahren. Konkurrieren Sie nun mit der «Basler Zeitung» um Journalisten?
Wir sind alle Konkurrenten. Aber Markus Somm (Chefredaktor der «BaZ», Anm. d. Red.) und ich sind gute Freunde. Wir sprechen uns ab, wenn wir an den gleichen Leuten interessiert sind.

Könnten Sie sich eine Kooperation mit der «Basler Zeitung» vorstellen?
Klar, ich bin grundsätzlich offen. Ich finde, Markus Somm macht eine gute Zeitung. Im Bereich von Autoren haben wir bereits einen lockeren Umgang und tauschen uns aus. Institutionell sind aber beide Zeitungen unabhängig voneinander.

Christoph Blocher hat immer betont, dass er weder direkt noch indirekt an der «Basler Zeitung» beteiligt ist. Finden Sie, er hat angesichts der Beteiligung über seine Tochter gelogen?
Ich kenne die Details nicht. Aber gehen wir mal davon aus, dass er hinter den Kulissen gewirkt hat. Das widerspricht unserem Transparenzbedürfnis, aber das Theater, das jetzt veranstaltet wird, sprengt alle Dimensionen. Es ist doch erfreulich, wenn sich vermögende Unternehmer für die Medienvielfalt einsetzen, und Markus Somm hat bis jetzt bewiesen, dass er eine hervorragende Zeitung macht, die Linke wie Rechte schreiben lässt. Wie die «Weltwoche». Die Medien tragen eine Mitschuld, dass Blocher, wenn er denn dabei war, die Karten nicht auf den Tisch gelegt hat. Sie haben durch eine jahrzehntelange unsachliche Verteufelung diesen Politiker zur Persona non grata heruntergeschrieben. Die medial gesteuerte Hass-Welle, die sein Beratermandat bei der «BaZ» auslöste, ist besorgniserregend.

Sie finden es also gut, dass er seine Beteiligung verschwiegen hat?
Wenn am Schluss eine gutgemachte Zeitung unabhängig von den Grossverlagen bestehen bleibt, dann spielt es doch keine Rolle, ob Blocher hintenrum geholfen hat. Man muss das Resultat anschauen: Er hat eine gute Sache ermöglicht, er hat der «Basler Zeitung» die Unabhängigkeit bewahrt. Und ich kann Ihnen eines versichern: Markus Somm lässt sich nicht befehlen, was er schreiben muss. Das war bei mir so und das wird auch dort so sein. Wenn Blocher denn mitgeholfen hat, die «BaZ» zu retten, sollten die Journalisten ihm dankbar sein.

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