Lizengebühren

04. Juli 2014 11:37; Akt: 04.07.2014 11:40 Print

«Die Marke Swiss Army kostet uns eine Million»

von S. Spaeth - Das «Swiss Army Knife» kennt die ganze Welt. Carl Elsener, Chef der Herstellerfirma Victorinox, über Messer, Markenstrategie und die Millionenmiete für den Laden an der Zürcher Bahnhofstrasse.

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Ein richtiger Bub hat immer ein Messer im Sack. Dieser Satz hat Ihnen Millionen gebracht.
Dass diesen Spruch schon Kinder lernen, hat uns beim Wachstum geholfen. Wir haben früher sogar damit geworben. Heute gehen aber 80 Prozent der Produktion ins Ausland. Dort dürfte der Satz nicht geläufig sein.

Umfrage
Ein richtiger Junge hat immer ein Messer im Sack. Kennen Sie diese Schweizer Volksweisheit?
92 %
7 %
1 %
Insgesamt 4287 Teilnehmer

Durch ein Messer wurde Victorinox weltbekannt. Heute gibt es auch Uhren, Parfüm und Koffer. Droht da keine Verwässerung?
Das erste Produkt neben den Messern waren Uhren. Sie passen ideal zu unseren Werten. Unsere Artikel sollen alle Begleiter fürs Leben sein. Wir bekommen regelmässig Anfragen von Firmen, die unsere Marke in Lizenz verwenden möchten. Wegen der Verwässerungsgefahr sagen wir ab.

Wo haben sie Nein gesagt?
Wir hatten Anfragen für Sonnenbrillen, Bürostühle, Möbel, Mineralwasser und für ein Mobiltelefon. Kürzlich kam die Anfrage für einen Victorinox-Vodka.

Sie hätten eine Menge Geld verdienen können
Das Geld ist für mich nicht der oberste Anreiz. Mich spornt es an, wenn ich motivierte Mitarbeiter sehe oder positives Feedback von Kunden erhalte. Das Reisegepäck haben wir 15 Jahre lang mit einem US-Lizenznehmer hergestellt. Ab August entwickeln wir die Sparte wieder selbst weiter.

In Interlaken hat man das Gefühl, jeder Tourist kaufe ein Victorinox-Messer. Welche Nationen kaufen am meisten?
Früher waren es die Amerikaner, heute sind es die Chinesen. Dort entsteht ein Mittelstand, der sich das Reisen leisten kann. Uns kommt zugute, dass in China eine Mitbringsel-Kultur herrscht.

Wie wichtig ist für Victorinox der Zusatz Swiss Army?
Das Swiss Army Knife ist in der ganzen Welt sehr bekannt. Und der Begriff ist in den meisten Märkten sehr positiv besetzt. Kritik kommt im Uhrenbereich gelegentlich aus Deutschland. Wir hatten uns schon überlegt, auf das Swiss Army zu verzichten. Aus den USA kam aber Widerstand.

Und was kostet Sie die Verwendung des Begriffs Swiss Army?
Die Marke Swiss Army kostet uns jährlich gegen eine Million Franken. Wir haben mit der Schweizer Armee einen umsatzabhängigen Lizenzvertrag.

Die Armee muss die Marke besser bewirtschaften. Wird es nun teuer für Sie?
Das glaube ich nicht. Wir haben eine starke Partnerschaft mit der Armee. Die Verantwortlichen sind sich bewusst: Der Markenwert von Swiss Army kommt vom Messer. Wir liefern heute jährlich 20'000 bis 25'000 Stück an die Schweizer Armee. Umsatzmässig ist das nicht sehr viel. Fürs Image ist der Auftrag aber enorm viel wert.

Welche Ihrer Sparten läuft derzeit am besten?
Derzeit laufen vor allem Uhren und Reisegepäck sehr gut. Über die ganze Firma sind wir in einem leichten Plus. 2012 hatten wir einen Umsatz von 500 Millionen Franken. In diesem Jahr dürfte es leicht mehr sein.

Sie werden im Herbst in Zürich einen Flagshipstore eröffnen. Die Miete soll jährlich 2 Millionen kosten. Rentiert das?
Für Zürich erwarten wir, dass wir nach vier bis fünf Jahren eine schwarze Null schreiben. Die Miete für den Laden liegt jedoch unter 2 Millionen Franken. Ein Geschäft an prominenter Lage ist immer auch eine Investition in die Marke.

Bei den Uhren heisst der Trend Smartwatch. Wann lancieren Sie das smarte Messer?
Das ist zurzeit kein Thema. Wir lancierten vor einigen Jahren ein Sackmesser mit einem USB-Stick und einem MP3-Player. Dann mussten wir aber einsehen: Von der Grösse des Bildschirms ist man auf dem Sackmesser zu sehr eingeschränkt, um sinnvolle Dinge zu integrieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Monika Gasser am 04.07.2014 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Best Firma ever!

    Best Firma ever! Hat absoluten Vorbildcharakter was Führung und vorallem Personalpolitik angeht. Ich hoffe, dass wenigstens ein paar Manager sich diese zum Vorbild nehmen. Danke für die lernreichen Jahre!

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  • Annalololo am 04.07.2014 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Weisheit?

    Die Weisheit geht aber imho so "Jeder echte Schweizer hat ein Sackmesser dabei"

  • ZeitBeobachter am 04.07.2014 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wertschätzung der Mitarbeiter!

    Aus naher Quelle habe ich gehört, dass es CEO Carl Elsener in der Wirtschaftkrise 2008 sehr wichtig war, einen Weg zu finden, wo er keine Mitarbeiter entlassen musste. Er weiss um den enormen (Know-how-)Wert seiner Mitarbeiter, Profis und Spezialisten, aber auch bei einfacheren Jobs. Motivierte Mitarbeiter sind ihm ein Anliegen. Der Beweis dafür ist der, dass ein hoher Prozentsatz 40 und mehr Jahre in dieser Firma arbeiten. Ein Vorbild - der trotzdem Geld verdient.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Moser am 05.07.2014 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Behinderte Mitarbeiter im Einsatz

    Die Personalpolitik von Herr Elsener ist mehr als vorbildlich. Schade dass darüber nichts gesagt wurde. Ich weiss wie sehr er auch. Behinderte in der Produktion beschäftigt und so einen enorm wichtigen Beitrag leistet

  • Stella am 05.07.2014 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die sichere Geschenkidee

    Auf Jedenfall kann man mit einem Victorinox Produkt immer Jedermann/Frau eine Freude bereiten ! Ich kenne kaum ein Produkt , dass mir bei der Geschenksuche in jeder Preislage meistens aus der Patsche hilft ! Und nein, ich habe in keinster Weise etwas mit dieser Firma zu tun !!!

  • mags frisch am 05.07.2014 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Lob

    Dem CEO von Victorinox ein grosses Lob. Er schätz seine MA. Und bringt dies auch zum Ausdruck, zeigt es ihnen und schwafelt nicht nur davon, wie andere.

  • Laguiole am 04.07.2014 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Comparison

    Deutschland, Frankreich, Italien etc. haben richtige Armee-/Kampfmesser mit Mehrzweck. Wir haben einen grösseren Zahnstocher als Armeemesser, mit dem man die Leute höchstens irritieren kann.

    • M. B. am 05.07.2014 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Deutsches Armee Messer

      Die Deutsche Armee hat auch ein Messer von Victorinox im Einsatz. Dies gilt für weitere 17 Länder. Im übrigen hat es im Armee Modell keinen Zahnstocher.

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  • Martial Kohler am 04.07.2014 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ein schweizer Auto fehlt noch...

    Die allerbesten Instrumente der Welt. Auf Victorinox kann man so stolz sein wie auf Swatch. Es läuft und läuft. Was für hervorragende Produkte hat unser Land, im Gegensatz der USA mit der Automobilindustrie z.B.!