Krankenkassenprämien

22. September 2009 11:15; Akt: 22.09.2009 11:33 Print

«Die Spitäler sind schuld»

Die Krankenkassenprämien steigen im nächsten Jahr um rund 11 Prozent, in einzelnen Kantonen gar um bis zu 16 Prozent. Wer ist dafür verantwortlich? Das Schwarz-Peter-Spiel ist lanciert: Die Krankenkassen schiessen in Richtung der Spitäler.

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Die Krankenkassen schieben den Spitälern den Schwarzen Peter zu (Bild: Colourbox.com)

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Für den stärksten Anstieg der Kosten in der Grundversicherung seit 2000 sind laut dem Krankenkassendachverband santesuisse 2008 vor allem die Spitäler verantwortlich. Aber auch 2009 zeichne sich keine Trendwende ab. Gefordert seien deshalb Kosteneffizienz und Qualität statt Preisdruck und Mengenausweitung.

Die Bruttokosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) pro versicherte Person sind 2008 im Vorjahresvergleich um 5,4 Prozent angestiegen, wie santesuisse-Direktor Stefan Kaufmann an der Medienkonferenz in Bern ausführte. Ein stärkerer Anstieg war letztmals 2000 mit 7,3 Prozent verzeichnet worden, 2007 waren es 3,8 Prozent gewesen. Insgesamt erbrachten die Krankenversicherer Leistungen in der Höhe von 23,5 Milliarden Franken oder durchschnittlich 3077 Franken pro Versicherte.

Leistungen unterdurchschnittlich, Kosten überdurchschnittlich

Grösster Kostentreiber waren laut santesuisse einmal mehr die Spitäler mit Kosten von 9,2 Milliarden Franken. So stiegen die Kosten der ambulanten Spitalbehandlungen um 12,7 Prozent. Sie belasteten die OKP damit mit zusätzlichen 400 Millionen Franken oder zwei Prämienprozenten. Um 200 Millionen Franken stiegen auch die Kosten der stationären Spitalbehandlungen. Zwar seien die Leistungen mit 3,8 Prozent unterdurchschnittlich gewachsen. Wegen dem sehr hohen Kostenniveau resultiere aber trotzdem ein Mehraufwand.

Auch die Ausgaben für kassenpflichtige Medikamente stiegen um 4,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Franken wieder stärker. Die in Kraft gesetzten Preissenkungen seien durch ein Mengenwachstum kompensiert worden. Durchschnittlich um fünf Prozent angestiegen sind die Leistungen der frei praktizierenden Ärzte. Weit über dem langjährigen Durchschnitt liegt allerdings die Kostensteigerung bei den Laboratorien mit 8,6 Prozent. Die Senkung der Labortarife war laut santesuisse deshalb dringend nötig. Die Kosten von Pflegeheimen und der Spitex stiegen um 4,2 bzw. 6,8 Prozent.

Kostenspirale weiter in Schwung

Kein Ende der Kostenspirale ist laut Kaufmann auch 2009 auszumachen. So stiegen die abgerechneten Bruttoleistungen pro Kopf von Januar bis Juli im Vorjahresvergleich um 4,1 Prozent. Die OKP-Kosten dürften damit im Jahr 2009 im Bereich von drei bis fünf Prozent wachsen. Ein überdurchschnittliches Wachstum ist insbesondere in den Kategorien Spital ambulant und bei der Spitex zu erwarten.

«Wenn die Kosten steigen, müssen auch die Prämien steigen», sagte Kaufmann. Deshalb müssten Politik und Aufsicht nicht den Prämienanstieg, sondern die Ursache des Kostenanstiegs bekämpfen. Im Vordergrund steht laut Kaufmann dabei der Spitalsektor. Im stationären Bereich seien die Weichen mit der neuen Spitalfinanzierung bereits gestellt. Handlungsbedarf bestehe aber insbesondere im ambulanten Spitalbereich. Was in harten Preis- und Tarifverhandlungen gespart werde, verpuffe durch das Mengenwachstum. Laut santesuisse-Präsident Claude Ruey braucht es Einschränkungen beim Angebot der Leistungserbringer, aber auch die Nachfrage der Versicherten soll mit einer durch Anreize erhöhten Eigenverantwortung eingeschränkt werden. Deshalb brauche es dringend mehr Handlungsspielraum für innovative Versorgungsmodelle, welche alle Vertragspartner, Leistungserbringer, Versicherer und Versicherte für Kosteneffizienz und Qualität belohnen würden. Das Parlament habe es in der Hand, in der Managed-Care-Vorlage die Weichen richtig zu stellen.

(ap)

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