Erneuerbare Energien

21. März 2011 14:57; Akt: 21.03.2011 15:34 Print

«Die Strompreise werden sich verdoppeln»

von Elisabeth Rizzi - Peter Pauli, CEO des Solartechnik-Konzerns Meyer Burger, warnt: Atom-Strom ist nicht zwangsläufig billiger als jener aus alternativen Energiequellen.

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Peter Pauli, CEO des Solartechnick-Konzerns Meyer Burger warnt vor Hektik bei der Energieversorgung nach dem AKW-Unglück in Fukushima. (Bild: Keystone)

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Die Aktien des Berner Solartechnologie-Konzerns Meyer Burger verzeichneten nach dem AKW-Unglück in Fukushima zweistellige Kursgewinne. Anleger glauben angesichts der gegenwärtigen Furcht vor Kernenergie an einen Aufwind der Solartechnologie. Meyer Burger-CEO Peter Pauli warnt im Interview allerdings, die Kosten für Solaranlagen müssten noch drastisch sinken. Trotzdem müssten Konsumenten - unabhängig von der Energieart – langfristig mit einer Verdoppelung der Strompreise rechnen. Grund ist die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen.

Vor kurzem noch stürzten die Aktien von Meyer Burger ab. Die Anleger befürchteten Subventionskürzungen für die Solarindustrie in Deutschland. Sind Sie überrascht, wie schnell sich die Grosswetterlage ändern kann?
Peter Pauli: Nun gut, das ist die Börse. Aber wir wissen, was wir auf dem realen Markt leisten.

Auf dem Markt hat sich letzte Woche viel getan. Nun plädieren sogar CVP und FDP gegen einen Neubau von Atomkraftwerken (AKW) in der Schweiz…
Wahrscheinlich geht der Umdenkprozess momentan schneller voran als erwartet. So brutal es klingt: Offenbar muss immer zuerst etwas Schlimmes geschehen, bevor die Menschen bereit sind umzudenken.

Bei aller Sympathie zur Solarenergie: In unserem bergigen Land müssten wir alle Autobahnen abbrechen und dort Solarpannels aufstellen, wollten wir den AKW-Strom durch Solarmodule zu ersetzen.
Es war nie die Idee, dass Solarenergie alle Energieprobleme lösen kann. Solarenergie kann nur ein wichtiger Bestandteil eines neuen Energiemixes sein. Solarenergie wird vielleicht dereinst zehn Prozent zum gesamten Strommix beisteuern.

Eine Stromversorgung in der Schweiz ohne Kernenergie-Import ist also möglich?
Ja. Die Energieversorgung wird dezentraler. Und es wird eine breitere Basis verschiedener Technologien geben als heute.

Besteht nicht die Gefahr, dass nun einfach billige, aber umweltschädigende Gaskraftwerke statt AKWs zum Zug kommen?
Heute haben wir eine Krisensituation. Und eine Krisensituation ist nie eine langfristige Basis. Bei der Energieversorgung muss man zuerst denken, dann rennen.

Tatsache bleibt aber, dass alternative Energien teuer sind und subventioniert werden. Wie viel teurer wird Strom für den Endkunden?
Es ist eine Illusion zu denken, mit herkömmlichen Energien und insbesondere Atomkraftwerken werde Strom billiger. Der Grund ist: Auch bei herkömmlichen Energien sind wir von ausländischen Rohstoffen abhängig. Deren Preise kennen derzeit nur eine Richtung; nämlich nach oben. Der Uranpreis hat sich beispielsweise in den letzten Monaten verdoppelt.

Was heisst das für die Schweizer Strompreise?
Langfristig müssen die Konsumenten mit einer Verdoppelung rechnen.

Deutschland hat bisher gut 60 Prozent des weltweiten Absatzes im Bereich Solarenergie generiert. Wird sich nach Fukushima die Situation grundlegend ändern? Immerhin schätzt ja die Bank Sarasin, dass Solarenergie in China bis 2015 um 77 Prozent wachsen wird…
Deutschland ist ein Vorreiter. Künftig wird es auch andere Länder geben. Zentral ist aber, dass die Kostensenkungen bei der Produktion weitergehen. Schliesslich zahlen die Staaten heute viel höhere Subventionen in Form von Einspeisevergütungen an Solarstrom als ursprünglich geplant. Das ist aber eigentlich ein Erfolg: Denn es wurden viel mehr Solaranlagen verkauft als erwartet.

Sie sagten noch letzten Herbst eine weitere Halbierung der Preise von Solarmodulen voraus. Nun dürfte aber die Nachfrage massiv ansteigen. Treibt das die Preise wieder hoch?
Ich glaube, was wir jetzt sehen, ist eine kurzfristige Spitze. Langfristig muss die Solartechnologie von den staatlichen Einspeisevergütungen wegkommen. Das heisst: Die Kosten müssen sinken. Die nun wachsende Nachfrage hilft langfristig sogar dabei. Denn sie generiert Skaleneffekte. Das heisst: Grössere Umsätze reduzieren die fixen Kosten.

Rund 1,5 bis 2 Milliarden Franken Umsatz macht die Schweizer Photovoltaikbranche jährlich – bisher. Was erwarten Sie für die Zukunft?
Der Umsatz wird massiv steigen. Denn die beiden wichtigsten Pfeiler – das politische Umfeld und die Kosten – sprechen derzeit für uns.

Aber auch die Konkurrenten in China, Korea und Taiwan rüsten auf. Wie verhindern Sie, dass Ihnen ein ähnliches Schicksal droht wie Rieter, Sulzer und Saurer? Ihre teuren Textilmaschinen wurden von asiatischer Billigware verdrängt.
Erstens ist die Solarbranche noch kein derart gesättigter Markt wie die Textilmaschinenindustrie. Und zweitens muss unser Fokus dahin gehen, dass unsere Kunden am günstigsten produzieren können.


Meyer Burger CEO Peter Pauli äussert sich im Video-Interview zum Umdenken der Bevölkerung in Energiefragen.