Rickli wehrt sich

15. Mai 2012 16:57; Akt: 18.05.2012 09:26 Print

«Die suchen nur einen Sündenbock»

von Roger Baur - Jetzt schlägt Natalie Rickli zurück. Die SVP-Frau sieht sich nicht als Touristen-Schreck. Und Roger Köppel würde mit ihr am liebsten eine Werbekampagne machen.

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Mit ihrer Aussage, es habe zu viele Deutsche in der Schweiz, sorgte sie schon für heisse Köpfe. Jetzt soll sie auch noch verantwortlich sein für kalte Betten. Diesen Vorwurf will SVP-Nationalrätin Natalie Rickli nicht auf sich sitzen lassen. «Die Hoteliers machen es sich zu einfach. Statt zu sagen, wie sie den Tourstenschwund stoppen wollen, suchen sie einfach einen Sündenbock.» Schon vor ihrer Aussage habe es massive Probleme gegeben wie die März-Zahlen der Hotels zeigen: Acht Prozent weniger Übernachtungen gegenüber dem März 2011. «Ich habe nie mit einem Wort den Tourismus angesprochen, sondern die Zuwanderung in unser Land. In einem Land mit Meinungsfreiheit muss es möglich sein, diese Meinung zu äussern.»

Umfrage
Schreckt Natalie Rickli mit ihrer Aussage die Touristen ab?
38 %
50 %
12 %
Insgesamt 2248 Teilnehmer

Köppel will Kampagne

Ins gleiche Horn stösst «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel. Seine polarisierenden TV-Auftritte sind bei Touristikern nicht gern gesehen. «Wenn es tatsächlich Deutsche gibt, die wegen so etwas nicht mehr in die Schweiz kommen, dann stimmt das touristische Angebot der Schweiz nicht mehr.» Er sieht in der Diskussion auch eine Chance. «Die Tourismusindustrie sollte sich von Frau Ricklis Aussagen zu kreativen Werbeslogans inspirieren lassen.»

Auch wenig Verständnis für die Kritik aus der Tourismus-Branche zeigt die offizielle SVP. Laut Generalsekretär Martin Baltisser werden da zwei Sachen vermischt, die nicht zusammengehören. «Wir sehen keinen Grund, irgendjemandem den Mund zu verbieten.»

Das Fass könnte überlaufen

Rickli schockiert auch einen Teil der 20-Minuten-Online-Leser. Tom, selbst ursprünglich aus Deutschland, lebt seit Jahren in der Schweiz. Er warnt: «Ich wurde von vielen Freunden aus Deutschland darauf angesprochen. Die Aussagen kamen sehr negativ an und langsam sickert auch in Deutschland durch, dass die Deutschen hierzulande nicht sehr willkommen sind.»

Nicht nur er, auch viele Migranten aus Deutschland warnen, dass das Fass überlaufen könnte. So auch T., ein Krankenpfleger, der seit 25 Jahren in Schweiz lebt. «Meine deutschen Freunde und meine Familie zieht es immer weniger zu mir in die Schweiz auf Besuch. Die populistischen Kampagnen sind nicht nur mir, sondern auch meinen Schweizer Freunden langsam zuwider.»

Hotels sind selber schuld

Für andere User von 20 Minuten Online liegt das Problem nicht bei der Politikerin, sondern bei der Tourismus-Branche selbst: «Meine Erfahrungen in Schweizer Hotels sind immer die gleichen: Unfreundlicher Service, lieblos eingerichtete Zimmer, viele Defekte. Und dies zu überrissenen Preisen.»

Die gleichen Erfahrungen hat auch Naja gemacht. «So wie man heutzutage als Schweizer in Schweizer Hotels behandelt wird ... Wenn die Deutschen nicht besser behandelt werden, ist es kein Wunder, dass sie fernbleiben.»

Und Zimbo berichtet: «Ich war kürzlich in einem Luzerner Hotel. Der Preis war hoch, der Teller klein, das Zimmer bedenklich und das Personal missmutig und hochnäsig. Hotel und Tourismusbranche sollten nicht die Schuldigen in der Politik suchen. Frau Rickli hat nur gesagt, was viele hinter vorgehaltener Hand denken, auch wenn man nicht SVP wählt.»

Was halten Sie von den Aussagen von Natalie Rickli? Schreiben Sie uns: feedback@20Minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Huber am 15.05.2012 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Persönlich stufe ich den Profilierungszwang, welchem Frau Rickli verfallen ist, als äusserst schlimm, ja krankhaft ein. Leider hat sie zwar recht damit, dass Hottelerie und Gastgewerbe einiges verschlafen haben. Andererseits disqualifiziert sich die SVP-Frau mit ihren abwertenden, wenn nicht gar rassistischen Äusserungen selbst. Meine Meinung: 1) Ich versuche jegliche Äusserung von SVP-Exponenten zu ignorieren. 2) Ich verweigere der SVP jeglieche Stimme, auch wenn die Partei mit einer Vorlage noch so recht hat. 3) Mein Weltwoche-Abonnement ist längst gekündigt! Macht es auch so!

  • Majce M. am 16.05.2012 01:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo sie recht hat, hat sie recht

    es hat nun mal zu viele D in CH. Wegen dennen hat es Staus auf den Strassen, die Wohnungen werden teurer, und der Arbeitsmarkt kleiner. Alle Denken es, doch niemand spricht es aus!

  • Hans Mattli am 15.05.2012 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem mit Deutschen

    Ich verstehe die Aufregung nicht! Da wird auf beiden Seiten warme Luft produziert. Wenn sich Deutsche betroffen fühlen scheinen mir diese Leute doch Sensibelchen zu sein. Ich gehe davon aus, dass ein grosser Teil einfach nicht mehr kommt weil der Euro nur noch 1.20 ist. Ausserdem sehen die lieben Deutschen, dass hier das Leben eben doch teuer ist und die Qualität eben auch nicht immer mit dem Preis übereinstimmt. Man vergleiche einmal die Hotelpreise!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Majce M. am 16.05.2012 01:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo sie recht hat, hat sie recht

    es hat nun mal zu viele D in CH. Wegen dennen hat es Staus auf den Strassen, die Wohnungen werden teurer, und der Arbeitsmarkt kleiner. Alle Denken es, doch niemand spricht es aus!

  • Fredy S. am 15.05.2012 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chill down

    Die Deutschen kennen das Problem ja selbst. Nach der Wende überschwemmten die Polen den Osten von Ostdeutschland. Im Gegensatz zur Schweiz hat Deutschland etwas unternommen und die Probeme gelöst. Es gibt in allen Ländern Ricklis und Moors.

  • Hans Mattli am 15.05.2012 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem mit Deutschen

    Ich verstehe die Aufregung nicht! Da wird auf beiden Seiten warme Luft produziert. Wenn sich Deutsche betroffen fühlen scheinen mir diese Leute doch Sensibelchen zu sein. Ich gehe davon aus, dass ein grosser Teil einfach nicht mehr kommt weil der Euro nur noch 1.20 ist. Ausserdem sehen die lieben Deutschen, dass hier das Leben eben doch teuer ist und die Qualität eben auch nicht immer mit dem Preis übereinstimmt. Man vergleiche einmal die Hotelpreise!

  • Martin Huber am 15.05.2012 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Persönlich stufe ich den Profilierungszwang, welchem Frau Rickli verfallen ist, als äusserst schlimm, ja krankhaft ein. Leider hat sie zwar recht damit, dass Hottelerie und Gastgewerbe einiges verschlafen haben. Andererseits disqualifiziert sich die SVP-Frau mit ihren abwertenden, wenn nicht gar rassistischen Äusserungen selbst. Meine Meinung: 1) Ich versuche jegliche Äusserung von SVP-Exponenten zu ignorieren. 2) Ich verweigere der SVP jeglieche Stimme, auch wenn die Partei mit einer Vorlage noch so recht hat. 3) Mein Weltwoche-Abonnement ist längst gekündigt! Macht es auch so!

  • dave.t am 15.05.2012 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    politiker

    ganz einfach frau ricklin pokitiker dürfen nicht immer ihre meinung offen kundtun, das ist der hacken an der sache. ich hingegen darf sagen was ich denke, und ich denke sie gehört nicht in die politik