Jungfraubahn-Chef

11. Dezember 2018 19:37; Akt: 11.12.2018 22:24 Print

«Dumpingpreise bei Ski-Abos zeigen Verzweiflung»

von S. Spaeth, Grindelwald - Der Start der Skisaison steht kurz bevor. Bergbahn-CEO Urs Kessler über flexible Ticketpreise, Rivalitäten und Roger Federer.

(Video: SAS, Musik: A.L.O.N.E. by Mike Leite https://soundcloud.com/mikeleite Creative Commons — Attribution 3.0 Unported — CC BY 3.0)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Urs Kessler, in einem Freundlichkeitsranking auf Airbnb sind die Ferienorte des Berner Oberlands top. Haben die einst als unfreundlich gescholtenen Oberländer eine Offensive gestartet?
Das Bewusstsein für den Tourismus im Berner Oberland ist sicher gestiegen. Zudem versuchen wir als Bahn, die Erwartungen der Gäste zu übertreffen. Ich gebe zu: Das Berner Oberland hatte in puncto Freundlichkeit Nachholbedarf. Wir haben in den letzten Jahren aber sehr viel gemacht und ich erhalte von den Reiseveranstaltern viele gute Feedbacks.

Umfrage
Waren Sie schon mal auf dem Jungfraujoch?

Die Wintersaison steht an. Sind Sie schon kribbelig?
Einerseits wünsche ich mir sofort richtig viel Schnee, andererseits möchten wir auf unseren Baustellen der V-Bahn reibungslos weiterbauen können. Viel Schnee erschwert aber die Bedingungen. Weil der Bau des 470-Millionen-Projekts zwei Monate zu spät gestartet ist, müssen wir Zeit aufholen und bauen auch am Eigergletscher auf 2300 m ü.M. den ganzen Winter durch.

Sind Sie entspannt, weil der Winter für die Jungfraubahnen gar nicht so wichtig ist?
Für uns hat sich der Wintersport stark verändert. Vor 20 Jahren machte die Wintersaison knapp ein Drittel unseres Verkehrsertrages aus. Im Geschäftsjahr 2017 waren es noch 13,7 Prozent. Mit der V-Bahn wollen wir den Wintersport wieder stärken. Wir investieren aber auch diese Saison in den Winter: Wir haben für 4 Millionen Franken in die Beschneiung investiert und können nun die Hauptpisten zu 100 Prozent beschneien.

Bei den grossen Skigebieten ist die Schweiz bei Tageskarten deutlich teurer als Österreich und Italien. Ist das gerechtfertigt?
Bei Tageskarten sind wir teurer als die Nachbarn, bei Wochenabos aber konkurrenzfähig. Entscheidend ist der Wechselkurs. Unser Preisniveau hat sich ans ausländische angeglichen. Klar ist: Die Schweiz hat 30 bis 50 Prozent höhere Kosten, etwa bei Personal und Beschneiung. Die benötigte Infrastruktur für einen Kilometer beschneite Piste kostet uns eine Million Franken.

Gewisse Bahnen experimentieren mit Preisen, die sich nach Nachfrage und Buchungszeitpunkt richten. Ist das die Zukunft?
Die Preismodelle müssen sich noch entwickeln. Wir haben bei den Jungfraubahnen keine ständig ändernden Tarife. Touristen und Reiseveranstalter goutieren keine täglich ändernden dynamischen Preise. Wer allerdings den Wintersportpass im Voraus online bucht, erhält bis zu 20 Prozent Rabatt. Seit diesem Jahr gibt es fürs Jungfraujoch zudem saisonale Preise.

Saas-Fee hat 2016 mit den Dumpingpreis-Saisonkarten begonnen. In diesem Jahr kostete die Saisonkarte 255 Franken, lief aber harzig. Sind Sie als Konkurrent froh?
Nein. Aber ich war davon überzeugt, dass dieses Preismodell nicht nachhaltig ist. Der Dumpingpreis von Saas-Fee zeigt die Verzweiflung, die bei gewissen Bahnen herrscht. Wir kamen aber unter Druck und haben für die vier grössten Oberländer Gebiete (666 Franken für 666 Pisten-Kilometer) selbst ein Saisonabo lanciert. Das Ziel waren 25'000 Abos, wir haben über 36'000 verkauft.

Ist es das Ende der Dumpingpreis-Strategie, das wir jetzt sehen? Oder geht es erst richtig los?
Der ruinöse Preiskampf bei Skiabos ist vorbei. Das Beispiel Saas-Fee wird abschrecken und nicht zum Nachahmen animieren. Ein solches Modell funktioniert nur, wenn einer Bergbahn die gesamte Destination inklusive Hotels und Gastro gehört.

Im ersten Halbjahr 2018 zog es 466'300 Besucher aufs Jungfraujoch. Das ist ein neuer Rekord. Wie viel mehr geht noch?
Wir hatten 2007 die Vision, bis 2022 eine Million Jungfraujoch-Besucher und zehn Monate Hochsaison zu erreichen. Dies haben wir nun schon zweimal geschafft. Im Juli und August erreichen wir an 27 von 62 Tagen die uns selbst auferlegte Gästelimite von gut 5000 Personen pro Tag. Unser Ziel ist sind 12 Monate Hochsaison.

Wie wollen Sie das schaffen?
Wir müssen Märkte erschliessen, die ihre Hauptreisezeit von Mai bis Juni haben oder im November und Dezember. Ländernamen will ich nicht verraten, sonst kopieren uns die Konkurrenten sofort. Unsere Marke muss so bekannt sein, dass die Gäste in Asien ins Reisebüro gehen und sagen: «Ich will auf Europareise und aufs Jungfraujoch.»

Im ersten Halbjahr stieg der Gewinn der Jungfraubahn auf 20 Millionen Franken. Was gönnen Sie sich nach so einem Erfolg?
Gar nichts. Abgerechnet wird Ende Jahr. Aber auch bei einem guten Jahresergebnis leiste ich mir nie etwas. Für mich zählt der langfristige Erfolg. Bei Erhalt der Baubewilligung für die V-Bahn habe ich aber eine Ausnahme gemacht und mir eine schöne Schweizer Uhr geleistet. Nach sechseinhalb Jahren Kampf wollte ich mir selbst ein Geschenk machen.

«Dumpingpreise bei Ski-Abos zeigen Verzweiflung»

Sie haben Schweiz Tourismus regelmässig öffentlich kritisiert. Nun hat die Organisation einen neuen Chef. Sind Sie zufrieden?
Wir hatten bis jetzt gute Gespräche. Nun braucht die Organisation Zeit, die neuen Pläne auch umzusetzen. An meinem Wunsch, dass Schweiz Tourismus auf Roger Federer als Markenbotschafter setzen sollte, hat sich aber nichts geändert.

Sie sollten Roger Federer gleich selbst engagieren. Der Superstar wird nicht ewig spielen. Damit ändert sich vieles ...
Wenn Schweiz Tourismus Roger Federer nicht zu engagieren versucht, müssten wir die Option prüfen, ihn für die Jungfraubahnen zu gewinnen. Der Preis für ein Engagement Federers nach seiner Karriere ist Verhandlungssache. Ich hätte natürlich Freude, wenn er ein Chalet in Grindelwald besässe. Klar ist: Roger Federer ist der beste Botschafter für das Reiseland Schweiz.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mia am 11.12.2018 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jungfraubahn

    Wir waren nur einmal auf der Jungfrau.Aber nie mehr.Wir wurden sehr unfreundlich von einem Bahnangestellten bedient.Wir haben an der Station gewartet bis eine Bahn kam.Wir mussten noch vier weitere abwarten es wurden nur Chinesen rein gelassen.Als wir Ihn fragten ob wir auch einmal einsteigen dürfen,hat er ganz frech gesagt die hätten schliesslich den ganzen Preis bezahlt.Obwohl wir auch den ganzen Preis bezahlten.Deshalb haben wir nur schlechte Erinnerung an diesen Ausflug!

    einklappen einklappen
  • Moni Fischli am 11.12.2018 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saßen viele Jahre auf dem Hohen Ross

    Das mit der Freundlichkeit, ging bei uns viele Jahre verloren, da alle auf dem Hohen Ross saßen. Bis dies wieder korrigiert ist wird es etwas dauern.

    einklappen einklappen
  • Don Logan am 11.12.2018 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Wieso verbringen immer mehr Leute in Österrreich ihre Skiferien, weil die Preise viel niedriger sind und die Angebote genau so gut wie in der Schweiz.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nancy am 16.12.2018 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gast- FREUNDLICHKEIT?

    Jetzt gehört das Restaurant auf der kl. Scheidegg auch den Eigerbahnen= unmöglich unübersichtliche Speisekarte, sehr teuer - wir gehen seit 5 Jahren nach Grindelwald mit einem Club 3 Tage Ski fahren. Wir haben fast immer dort Mittag gegessen. Letztes Mal ( März 2018) 1x und dann nicht mehr. Werden auch im 2019 nicht mehr dort hin gehen. Schade eigentlich!

  • Der Eidgenosse am 13.12.2018 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schluss!

    Ich finde Herrn Kesslers Gehalt überrissen und ruinös. Ich werde nicht auf das Jungfrau Joch fahren so lange Herr Kessler ein solches Gehalt bezieht und damit's ruinös hohe ticketpreise verlangt.

  • Cavi33 am 13.12.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten liegen bei Chinesen

    Grundsätzlich stellt sich die Frage wer denn diese 666 CHF für das Abo ausreizt. Viele fahren 1 Woche in den Skiurlaub und damit hat es sich. Bevor da wieder über Dumpingpreise lamentiert wird sollte man wissen ob die Bahnen tatsächlich einen Verlust erwirtschaften. Die Einheimischen fahren ja eh schon halb gratis auf den Pisten rum.

  • W. Knecht am 13.12.2018 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    5 nach 12 für CH- Tourismus !

    Dem CH- Tourismus weine ich keine Träne nach ! Die meisten Hotels, Bergbahnen und sonstige Tourismus-heinis haben noch immer nicht erkannt, dass für hohe Preise das gesamte Paket inkl. Qualität stimmen muss ! Ich gehe seit Jahren nach Austria , da stimmt die Stimmung und Preis, und selbst auf 2500m über M. bekomme ich noch ein bezahlbares Menue mit Getränk inkl. gratis Sonne für max. EUR 15.- !

    • manu am 04.01.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @W. Knecht

      na super da freue ich mich dann haben wier wider platz auf unseren skipiste

    einklappen einklappen
  • Chris am 12.12.2018 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen im 21. Jahrhundert

    Wo erfolg da neider, kann man in den komentaren gut herauslesen. Und liebe schweizer, man muss auch mit der Zeit gehen, es bleibt nicht alles stehen sonst würden wir noch heute mit ross und wagen herumziehen. Es erstaunt mich wie alle sthen bleiben wollen, irgendwo vor 50 jahren. Ob ein chinese raclette ode frühlingsrollen auf dem jungfrajoch isst ist mir doch egal. Ich esse auch was mir passt.