Enttäuschung bei Stadler

27. Mai 2010 10:37; Akt: 04.06.2010 09:05 Print

«Ein fader Nachgeschmack bleibt»

Die Stadler Rail von SVP-Nationalrat Peter Spuhler verzichtet auf einen Rekurs gegen die Vergabe des grössten Auftrags der SBB-Geschichte an Bombardier.

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Es geht um 59 Doppelstockzüge für 1,9 Milliarden Franken. Die SBB vergab den Auftrag vor Auffahrt an den kanadischen Konzern Bombardier; die Stadler Rail Group mit Sitz im Kanton Thurgau ging leer aus. Deren Geschäftsführer und Mehrheitsaktionär, SVP- Nationarat Peter Spuhler, nimmt es sportlich, wie er am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Kloten ZH sagte.

Höhere Energiekosten

Gleichwohl habe die Vergabe an Bombardier für ihn einen faden Nachgeschmack. Stadler habe den Auftrag in erster Linie wegen der Energiekosten verloren. Bombardier habe für 25 Jahre 200 Millionen Franken günstiger offeriert als Stadler und Mitbewerber Siemens, sagte Spuhler. Und Spuhler betonte, Stadler habe die Energiekosten «sehr genau» berechnet.

Ein wichtiges Vertragsdetail: Werden die in der Offerte genannten Energiekosten überschritten, muss die Differenz während eines Vierteljahrhunderts vollumfänglich vom Hersteller der Züge getragen werden. «Das haben die SBB schlau gemacht», sagte Peter Spuhler. Stadler sei in dem Punkt vielleicht zu ehrlich, zu fair gewesen, sagte Spuhler.

«Beschwerde sinnlos»

Gleichwohl mache eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht formell und materiell keinen Sinn, sagte Spuhler. Die Spielregeln seien klar gewesen. Die Niedelage im Heimmarkt sei aber schmerzlich, sagte Spuhler.

Stephané Wettstein, Geschäftsführer von Bombardier Schweiz, wollte die Argumentation Peter Spuhlers nicht kommentieren. Er sagte aber auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, Bombardier sei nicht Weltmarktführer im Schienenfahrzeugbau geworden, weil man sich Aufträge «erkaufe», sondern weil der Konzern neue Technologien entwickle.

Mit dem von Bombardier entwickelten Permanentmagnetmotor könne der Energieverbrauch nachweislich gesenkt werden. Über effektive Zahlen könne er nicht sprechen, sagte Wettstein. Ein Debriefing der SBB habe erst mit Stadler Rail und Siemens stattgefunden, mit Bombardier indes noch nicht.

Ob Siemens gegen den Vergabeentscheid der SBB einen Rekurs einlegen wird, ist gegenwärtig noch offen, wie Pressesprecher Niklaus Baer gegenüber der SDA sagte. Der Entscheid werde am Dienstag nächster Woche kommuniziert.

Stadler wächst weiter

Obwohl die Stadler Rail Group beim grössten Auftrag in der Geschichte der SBB leer ausging, fährt das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren auf der Wachstumsschiene. Mit einem Umsatz von 1,049 Milliarden Franken liegt der Thurgauer Schienenfahrzeug- Hersteller 2009 auf dem Niveau des Vorjahrs. Auch für 2010 wird laut Spuhler ein ähnlicher Umsatz erwartet.

2011 wird ein Umsatz von 1,6 Milliarden Franken erwartet; 2012 soll der Umsatz auf über 1,8 Milliarden Franken klettern. Die Stadler Rail Group beschäftigt in der Schweiz, Deutschland, Italien, Ungarn, Polen, Tschechien und Algerien gegenwärtig rund 3100 Mitarbeitende.

(sda)

sentifi.com

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