Franken-Untergrenze

02. Februar 2015 23:46; Akt: 02.02.2015 23:46 Print

«Ein neuer Mindestkurs wäre unsinnig»

Die SNB peile einen neuen, geheimen Euro-Mindestkurs an – Experten nennen diese Gerüchte unsinnig. Wie stark die Notenbank weiter interveniert, bleibt aber geheim.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe einen neuen Mindestkurs-Korridor zwischen 1.05 und 1.10 Franken definiert: Dieses Gerücht geisterte an den Devisenmärkten und auch in einem Bericht in der Sonntagspresse herum. Die Schweizer Wirtschaft kann sich aber keine Hoffnungen machen. Die Nationalbank schweigt sich zum Thema zwar aus – der frühere SNB-Vizepräsident Niklaus Blattner findet dafür deutliche Worte: «Dieses Gerücht einer impliziten Garantie gleicht einem Pipedream. So bezeichnen die Angelsachsen, was einem Schönes einfällt, wenn man Pfeife raucht und halluziniert.»

An einen inoffiziellen Mindestkurs zu glauben, nachdem der offizielle Mindestkurs gerade erst aufgehoben wurde, sei unsinnig, sagt Blattner weiter. Es gebe keinen Grund für die SNB, einen geheimen Kurs halten zu wollen, nachdem sich die Durchsetzung des offiziellen Kurses als geldpolitisch verfehlt erwiesen habe. «Wenn schon, dann müsste es einen neuen, tieferen Mindestkurs geben. Doch wieso sollten die Märkte nach der Überraschung vom 15. Januar an einen solchen Kurs glauben?»

«Dasselbe Spiel von vorne»

Am Markt liesse sich eine neue Euro-Untergrenze in der Tat schwer realisieren, bestätigt Devisenanalystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank in Frankfurt: «Gäbe es eine neue Untergrenze, würde dasselbe Spiel wieder losgehen und sie würde vom Markt getestet.» Das Gerücht eines neuen Kursziels der SNB stosse im Markt auf wenig Glauben: «Bisher reagiert der Markt nicht wirklich auf die Nachrichten.» Der Euro-Kurs bewege sich zwar in Richtung 1.06 Franken. «Aber das würde ich der allgemeinen Euro-Stärke zuschreiben, die wir seit heute Morgen sehen», sagt Nguyen.

Generell habe sich der Euro stabilisiert und der Druck auf den Franken sei erst einmal weg. Der Euro-Franken-Kurs pendle sich bei 1.04/1.05 Franken ein. Dennoch warnt Devisenanalystin Nguyen: «Bei neuen Risiken im Markt gehen wieder viele in den Franken als einen sicheren Hafen.» Es würde darum Sinn machen, wenn die SNB nur noch interveniere, um gegen einen starken Aufwärtstrend zu drücken.

Nicht mehr vorhersehbar

Wie die SNB in ihrem jüngsten Bericht über die Girokonten der inländischen Banken bekannt gab, weisen die Guthaben auf eine Intervention der Zentralbank am Devisenmarkt in der letzten Woche hin: Bis zu 17,8 Milliarden Franken könnte sie demnach zur Stützung des Euro eingesetzt haben. Ob sie das auch tatsächlich getan hat, bleibt aber ihr Geheimnis.

Auch wenn die SNB weiterhin interveniert, haben sich die Vorzeichen dafür jedoch generell geändert. Ex-Vizepräsident Blattner betont: «Meines Erachtens werden die Interventionen nicht mehr wie bisher leicht vorhersehbar sein. Überraschungen kennzeichnen das Verhalten der Geldpolitik seit jeher.»


(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • runter vom hohen Ross am 03.02.2015 01:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bärendienst erwiesen

    endlich gibts mal jemand zu, und das von einem Fachmann zu hören tut schon gut. Danke 3,5 Jahre eine verfehlte Geldpolitik betrieben, ja das haben wir gemerkt und auch mitmachen müssen, danke NSB.

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  • Stellenwert am 03.02.2015 01:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Zuchtrose

    die eigentlich ein Gänseblümchen ist beginnt zu welken, und zeigt nun ihr Wares Gesicht. Nur Gänseblümchen wachsen nachhaltig, Zuchtrosen hingegen erfordern einen Hohen Aufwand, zu Hoch, für drei vier Tage Schönheit.

  • Jürg B. am 03.02.2015 03:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit der Spekulanten

    Nachdem die Stützung durch die SNB aufgehoben wurde, werden die Spekulanten dafür sorgen, dass der Euro in Bewegung bleibt. Das geht solange gut, bis die Euro-Blase endgültig platzt. Denkt an mich, wenn es soweit ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jürg brand am 03.02.2015 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    neue denke nötig

    im umfeld der konsequent inflationierenden usa und euro- zone ist ein spekulativ um 30% überbewerterter chf das ende der produzierenden schweiz. wir müssen mitinflationieren und die nominalguthaben der rentner über einen staatsfonds schützen. die snb muss dabei direkt und nicht über den geschäftsbankensektor auftreten und auch unkonventionell agieren können - tut sie leider nicht.

  • Sanne77 am 03.02.2015 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    Auf youtube: Dirk Müller Tagesausblick vom 23.01.2015 spricht auch über die SNB. Sehr interessant!

  • Patriot am 03.02.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :-( Euro

    die SNB soll endlich aufhören mit dem stützen, denn irgendwann kommt der Tag an dem sie wieder aufhören müssen, und wieder wird das gleiche Theater stattfindet wie am 15.01. Sie machen so den Unternehmen keinen gefallen. Muss es noch eine 3. Finanz-Kriesse geben? Last die Wirtschaft sprechen, und Unterstützt das CH-Volk mit den Milliarden statt die EU = da ist es besser Angelegt und fördert ev. die Wirtschaft (Kaufkraft).

  • Hausi am 03.02.2015 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    1 Mio. cash auf die Hand

    Die SNB soll jedem Schweizer Bürger 1 Mio. EUR cash in die Hand drücken um den Konsum im EU-Raum noch mehr anzukurbeln...

  • Tom Tom am 03.02.2015 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Das grosse Warten auf den März...

    Ich werde weiterhin gegen die SNB wetten. Wenn im März die EZB die Geldschleusen mit monatlich 60 Milliarden EUR öffnet, wird der EUR wieder unter Parität sinken.

    • Paula Lang am 03.02.2015 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Einkaufstouristin

      Genau, dann werde ich auch wieder bei ca. 0.96 wechseln, Freude herrscht..

    • Caesar Monetas am 03.02.2015 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      Euro-Stützung/sFr Druck

      dann wird die SNBvermutlich zusätzlich für 60 Milliarden pro Monat Euros übernehmen, bis wir finanziell auf das Niveau der EU fallen.

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