Jean-Claude Biver

24. März 2011 08:10; Akt: 24.03.2011 08:51 Print

«Eine Uhr muss tönen wie eine Kathedrale»

von S. Spaeth - Heute öffnet in Basel die weltgrösste Uhrenmesse. 20 Minuten Online traf den Hublot-Manager und sprach mit ihm über Gold, Federer und den Wert geschenkter Uhren.

Bildstrecke im Grossformat »

Hublot-Chef Jean-Claude Biver

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Aushängeschilder der Schweizer Uhrenindustrie, wie Sie oder der verstorbene Nicolas Hayek, sind nicht helvetischer Abstammung. Taugen Schweizer nicht als Uhrenmanager?
Jean-Claude Biver:
Weshalb Hayek und ich uns durchgesetzt haben, liegt womöglich an der religiösen Herkunft. Hayek war vermutlich kein Protestant, ich bin katholisch, eine prunkvolle Religion. Die Schweizer Uhrenindustrie hingegen war meist protestantisch, also zurückhaltend und nüchtern. Ich kam und präsentierte mit viel Lärm, was die Schweizer Uhrenindustrie kann.

Mit Ihnen als Chef ist Hublot durchgestartet. Hätten Sie auch eine andere Marke zum Erfolg bringen können?
Bestimmt. Das ist, wie wenn man Spaniens Fussballer fragt, ob sie in einem andersfarbenen Trikot ebenfalls Weltmeister geworden wären. Mein Team ist entscheidend. Es ist nicht der Erfolg einer Marke, sondern der Erfolg von Menschen.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Hublot?
Wir wollen Hublot zur hundertprozentigen Manufaktur machen, also alles selber herstellen. Künftig sollen Schrauben und Zahnräder aus unserem eigenen Werk stammen. Das Ziel ist, sogar Gold selber herzustellen.

Was streben Sie beim Umsatz an?
Dort haben wir nicht dieselben ehrgeizigen Ziele, weil wir im Luxussegment sind. Hublot muss eine Rarität bleiben. Unsere Ambition ist eine halbe Milliarde Franken Umsatz im Jahr 2020. Im Moment liegen wir bei 300 Millionen.

Hublot ist eine exklusive Marke für Gutsituierte. Trotzdem machen sie Werbung in populären Sportarten. Wie passt das zusammen?
Im Fussball und der Formel 1 haben wir einen Teil unserer heutigen Konsumenten, aber auch die Kunden von morgen. Das sind junge Studenten oder Unternehmer, denen noch das Geld fehlt. Wie kann sich ein junger Mann in Zukunft eine Hublot wünschen, wenn er in seiner Jugend nie davon gehört hat.

Welches Werbeumfeld interessiert Sie sonst noch?
Basketball würde mich reizen. Der Sport ist sehr hoch angesiedelt. Es gibt es Leute, die für Sitzplätze 10 000 Dollar zahlen. Gleichzeitig interessiert sich die Jugend sehr stark für Basketball. Die NBA wäre für uns interessant.

Ihre Konkurrenz wirbt beim Segeln und Polo.
Das interessiert mich nur am Rande. Wie viele Junge schauen Polo am Fernsehen? Niemand! Wie viele schauen Segeln? Etwas mehr wenn Alinghi segelt, aber sonst? Darum engagieren wir uns im Fussball.

Ihre Markenbotschafter sind der gealterte Fussballer Maradona und der Langläufer Dario Cologna. Fehlt Ihnen ein Weltstar wie Roger Federer?
Roger Federer fehlt mir nicht. Wenn wir ihn aber als Botschafter hätten, würde er uns viel Freude bereiten. Doch Federer ist bei Rolex unter Vertrag. Für uns wäre Michael Jordan eine gute Option.

Hublot stellt eine Uhr für eine Million Franken her. Sie sagten, für Milliardäre wie der Mexikaner Carlos Slim und der Inder Lakshmi Mittal. Tragen diese Herren nun Hublot?
Ja, diese Leute tragen Hublot-Uhren, aber keine One-Million-Modelle. Das ist eine Uhr mit vielen Diamanten.

Haben Sie den Herren die Hublot geschenkt?
Slim und Mittal habe die Uhr gekauft, so wie alle unsere Ambassadoren ihre erste Hublot bezahlten. Man darf Leuten, die viel kommerzielle Geschenke erhalten, nie eine Uhr schenken, sonst verlieren sie den Respekt davor. Maradona hat zuerst eine Hublot getragen, erst dann habe ich mit ihm Kontakt aufgenommen.

Welche Uhr tragen Sie heute?
Ich trage immer meine Uhr, eine Hublot Tourbillon Chronograf. Sie ist schwarz und sieht von der Mechanik her aus wie eine Dampfmaschine. Dreht man sie um, erinnern die Zahnräder an den Chaplin-Film «Moderne Times». Ich liebe diese Uhr.

Wie muss eine exklusive Hublot tönen?
Wie eine Kathedrale. Die Mechanik muss hallen.