Porträts von Arbeitslosen

19. Juni 2019 19:31; Akt: 19.06.2019 22:01 Print

«Ende Monat bleibt nichts mehr übrig»

von Matthias Gröbli - Der Aargauer Elia Giacalone (27) machte eine Lehre in der Autobranche, doch ein Rückenleiden durchkreuzte seine beruflichen Pläne.

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Arbeiten wollen, aber nicht können: So ergeht es in der Schweiz gegen 180'000 Stellensuchenden. Wie lebt man ohne Arbeit? Worauf muss man verzichten? Wie steckt man die Absagen bei den Bewerbungen weg? 20 Minuten porträtiert fünf arbeitslose Menschen in der Schweiz (siehe Box).

Beruf
Detailhandelsfachmann

«Ich bin gelernter Detailhandelsfachmann in der Autobranche. Nach der militärischen Aushebung kam kurz vor dem Ende der Lehre der Bescheid, dass ich wegen einer Wachstumsstörung im Rücken doppeluntauglich bin und weder ins Militär noch in den Zivilschutz kann. Danach war ich drei Monate lang arbeitslos.»

Arbeitslos
Seit Februar 2018

«Nach einem Job als Promoter im Verkauf für ein halbes Jahr war ich bis auf einen Ferienjob erneut arbeitslos. Dann arbeitete ich für drei Monate im Callcenter eines Telecom-Anbieters, leider kam es nach der Probezeit zu keiner Festanstellung.
Die IV finanzierte eine Umschulung zum Arbeitsagogen. Ein halbes Jahr absolvierte ich ein Praktikum als Betreuer und Sozialpädagoge mit geistig Beeinträchtigten im Bereich Wohnen. Anschliessend arbeitete ich als Arbeitsagoge-Praktikant ein halbes Jahr mit psychisch Beeinträchtigten. Die zweijährige Ausbildung zum Arbeitsagogen schloss ich im August 2018 mit dem Diplom ab. Vom RAV aus hatte ich meinen letzten Job als Veranstaltungstechniker ab Mai 2018 bis Ende November 2018.
Ich bin nun seit Februar 2018 arbeitslos. Ende Juli droht die Aussteuerung. Ich hoffe, ich werde nicht zum Sozialfall.»

Finanzen
2500 Franken im Monat

«Von der Arbeitslosenversicherung erhalte ich rund 2500 Franken im Monat. Nach den fixen Aufwendungen bleibt Ende Monat meist nichts mehr übrig.»

Psyche
Freundin ist grosse Stütze

«Meine Freundin wird ab Ende Juli, nach dem Mutterschaftsurlaub, wieder 40 Prozent arbeiten, um auch Zeit für unsere kleine Tochter zu haben. Sie ist in jeder Hinsicht eine grosse Unterstützung für mich. Ich weiss nicht, wo ich ohne sie wäre.»

Freizeit
Tanzen und Downhill

«Ich gehe gern tanzen im Ausgang. Velofahren ist ein grosses Hobby von mir, ich liebe Downhill-Fahren. Ich fotografiere, zeichne und koche auch gern.»

Zukunft
Traumberuf Arbeitsagoge

«Ich habe die Hoffnung, dass ich eine Arbeit finde. Aber es ist schwierig. Im Verkauf heisst es «überqualifiziert», weil ich auf den Autobereich spezialisiert bin, dort aber wegen des Rückenleidens nicht mehr arbeiten kann. Mein Traum ist es, als Arbeitsagoge arbeiten und meine eigenen Erfahrungen weitergeben zu können. Doch die fehlende Berufserfahrung ist ein Hindernis. Ich hoffe, dass mir auch Beziehungen bei der Jobsuche helfen können. Psychiatriepfleger wäre ebenfalls eine Option.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Linder am 19.06.2019 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage

    Rückenleiden und Downhill fahren!??

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  • Nina am 19.06.2019 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum geht die Frau nicht mehr arbeiten?

    Sollte mein Partner arbeitslos werden, würde ich trotz Kind 100% arbeiten. Der Mann kann sich in dem Fall ja gut um das Kind kümmern.

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  • Ferdy am 19.06.2019 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Whyyy

    Warum kann man nicht mit Rückenprobleme im Verkauf in der Automobilbranche arbeiten? Ist doch kein physisch anspruchsvoller Beruf ...und Downhill geht doch auch? Versteh das nicht...trotzdem viel Glück!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Abklärung? am 20.06.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas mehr Durchhaltewillen!

    Wenn das Rückenleiden so gross wäre, könnte man kaum solchen Sport ausüben. Und wie steht es mit der IV-Abklärung? Ich bin ebenfalls von Jung auf mit einer Knorpelschwäche konfrontiert und habe trotzdem gearbeitet bis 45 jährig, aber als noch zusätzliche Erkrankungen dazu kamen, plus Prothese, Verschraubungen... gings nicht mehr! Seit 18 Jahren bin ich ein IV-Fall nach insgesamt 25 Operationen und multiplen schweren Erkrankungen.

  • Privatsache! am 20.06.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung:

    Ab einem gewissen Alter des Kindes kann man es auch abstillen! Meine Tochter hat drei Kinder nur kurz gestillt, weil es nicht gut ging. Bereits ich habe meine zwei Kinder nur 3-4 Monate gestillt, weil es zu schmerzhaft war. Deswegen gehen die Babys nicht ein und entwickeln sich tiptop. Wenn die Situation anders ist, als vorgesehen, muss man sich eben anpassen. Man kann auch aus allem ein Theater machen! Man hätte ja auch zuwarten können mit der Kinderproduktion und zuerst ein sicheres Polster ansparen. Wie ich und meine Tochter mit unseren Partner!

  • Anita am 20.06.2019 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flexibel

    Arbeitsagogen haben die schöneu Stellen im Behindertenbereich! Guter Lohn und schöne Arbeitszeiten! Würden sie als Betreuer arbeiten (weniger Lohn, Abend und Wochenende) hätten sie bestimmt Arbeit!

  • Su Sann am 20.06.2019 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Partnerin!

    Ich finde es unglaublich die Partnerin hier so anzugehen. Sie befindet sich im Mutterschaftsurlaub und unterstützt sofort im Anschluss mit 40% und stellt, sollte die Situation unverändert bleiben, auch mehr in Aussicht! Was ist da bitte verwerflich?! Sie nimmt Zeit für sich und das sehr kleine Baby in Anspruch was ich absolut verstehe und richtig finde! Trotzdem lehnt sie sich nicht einfach zurück sondern sie versuchen zs. die Situation zu meistern. Der Bericht handelt vom jungen Mann und seiner Situation. Und sollte nicht Diskussionsgrundlage sein wann, ob und wieviel der Partner unterstützt!

  • Daisydream am 20.06.2019 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über Fragen

    Das ist wieder so ein Portrait, wo man denkt: Rückenleiden und Downhill, wenn man wegen den Leiden nicht arbeiten kann. Wie bitte? Auch andere Leute haben Ende Monat nichts mehr. Warum geht die Frau nicht 100% arbeiten und er schaut zum Kind?