Jungfraubahn-CEO

02. Oktober 2017 20:13; Akt: 02.10.2017 20:13 Print

«Es gab Morddrohungen wegen der neuen Bahn»

von S. Spaeth, Interlaken - Urs Kessler ist Chef der erfolgreichsten Bahn der Schweiz. Der CEO über seine neue Gondelbahn, Preiskämpfe und Massentourismus auf dem Jungfraujoch.

Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler im Kurzinterview mit 20 Minuten.
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Wenn man zu Ihnen ins Büro will, muss man am Gebäudeeingang eine Sicherheitsschleuse passieren. Warum bunkern Sie sich ein?
Von Einbunkern kann keine Rede sein. Es ist doch ganz normal, dass man nicht einfach ohne Badge in ein Bürogebäude eintreten kann. Wir haben zusätzlich eine Eingangskontrolle mit Kamera. Danach werden die Gäste mit dem Lift zum Empfang geleitet und abgeholt. Ich nenne das Kundenservice.

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Das war aber nicht immer so. Was hat Sie zu dieser Eingangskontrolle bewogen?
Ich bekam auch schon ernst zu nehmende Morddrohnungen wegen des geplanten Eigerexpress. Nun sind der Firmenhauptsitz und mein Haus gesichert. Die Alternative wäre ständiger Polizeischutz gewesen. Ich lasse mich von den Gegnern aber nicht provozieren.

Wie stark sind die Widerstände gegen das Bauprojekt?
Es gibt noch Einsprachen. Ich bin aber guten Mutes, dass wir eine Lösung finden, auch mit der Stiftung für Landschaftsschutz sowie der Scheidegg-Hotels AG. Es bleibt vor allem noch ein privater Einsprecher, ein langjähriger Angestellter der Bahn, der sich gegen das Projekt wehrt. Läuft nun alles rund, können wir den neuen Eigerexpress dennoch auf die Wintersaison 2020 eröffnen.

Warum brauchen Sie eine neue Bahn?
Der Markt ist stark umkämpft. Wenn man da einen Preis durchsetzen will, muss man zu den Besten gehören. Mit der neuen Bahn wollen wir die Konkurrenzfähigkeit unseres Gebiets stärken. Dank der neuen 3S-Gondelbahn von Grindelwald-Grund zum Eigergletscher und dem direkten ÖV-Anschluss gewinnt ein Gast ab Interlaken bis hinauf aufs Joch 47 Minuten. Unsere direkten Konkurrenten sind mit dem Lötschberg-Basistunnel viel besser erreichbar. Mit tut es weh, wenn ich beispielsweise am Samstagmorgen aus Asien zurückkehre und sehe, dass die Wintersportler ins Wallis fahren, weil die Anreise ins unser Skigebiet zu lange dauert.

Sie transportieren jährlich mehr Gäste aufs Jungfraujoch. Kritiker sagen allerdings: Das ist schlimmster Massentourismus …
Unsere Gästeentwicklung ist erfreulich. Vor zehn Jahren hatten wir beim Jungfraujoch eine halbe Million Besucher pro Jahr, jetzt eine ganze. Für uns sind Juli und August die stärksten Monate. Dort können wir die Gästezahlen nicht mehr gross steigern, da die Kapazitätsgrenze auf dem Jungfraujoch bei 5250 Personen liegt. Wir haben uns diese Limitierung aus Qualitätsgründen freiwillig gesetzt. Das Wachstumspotenzial liegt in den Randzeiten im April, Mai und Juni. Unser Ziel von zehn Monaten Hochsaison erreichen wir mit Gästen aus Märkten mit unterschiedlichen Hauptreisezeiten.

Die Fahrt aufs Jungfraujoch ist sehr teuer. Das Ticket von Interlaken aus kostet ohne Halbtax-Abo 210 Franken. Das können sich nur reiche Araber und Chinesen leisten …
Viele der Schweizer Gäste haben das Halbtax-Abo, auch jene aus dem Ausland. Damit kostet der Ausflug 105 Franken. Wichtig ist, dass in diesem Betrag alles inklusive ist. Die Gäste bezahlen also nicht nochmals Eintritt für Attraktionen auf dem Top of Europe wie den Eispalast, die Sphinx-Terrasse oder die Schokoladeshow. Gemessen am Erlebnis ist der Preis nicht zu hoch. Ich vergleiche den Betrag beispielsweise mit einer Ski-Tageskarte, die je nach Gebiet 60 bis 80 Franken kostet.

«Es gab Morddrohungen wegen der neuen Bahn»

Die Schweiz und das Berner Oberland gelten als teuer. Was tun Sie dagegen?
Ja, wir haben ein Image als teures Reiseland. Das muss aber nicht negativ sein, wenn unsere Qualität stimmt. Die Tageskarten der Bergbahnen sind in der Schweiz nicht teurer als in Österreich oder Frankreich. Die Schweizer sind oft sehr kritisch gegenüber ihrem eigenen Land: Unser Image, unsere Marke in der Welt ist grossartig. Das Problem ist, dass wir zu wenig aus dem guten Image der Marke Schweiz machen.

Das heisst, es bräuchte mehr Markenbotschafter?
Ja. Der erfolgreichste Botschafter für unser Land wäre Roger Federer. Der dürfte zwar jährlich einige Millionen kosten, aber das wäre gut investiertes Geld. Wenn ich das ganze Budget von Schweiz Tourismus betrachte, das mittlerweile gegen 100 Millionen Franken ausmacht, läge Federer doch drin. Es könnte uns nichts Besseres passieren als Roger, der sich mit dem Schweizerkreuz in der Welt zeigt und das Image auf sympathische Weise stärkt.

Das ist Kritik an Schweiz Tourismus ...
Es ist ernüchternd, wie sich die Schweiz bei den Gästezahlen entwickelt hat. Die Basisaufgabe von Schweiz Tourismus wäre, unser Land als Reisedestination zu fördern. Das wird aber nicht besonders effektiv und vor allem zu wenig kreativ gemacht. Marketing ist nicht immer nur eine Frage des Geldes. Wir konnten dank schlagkräftigen Partnern schon Tennismatches mit Federer und Basketballspiele mit einem NBA-Star auf dem Jungfraujoch realisieren. Das gab Medienpräsenz in der ganzen Welt, wovon auch der Schweizer Tourismus profitierte.

Im letzten Jahr wurden Sie von Saas-Fee ausgetrickst, als die Walliser eine Saisonkarte für 222 Franken lancierten. Nun zieht das Berner Oberland nach…
Der Wintersport ist ein Verdrängungsmarkt. Das Problem ist, dass wir einen Haufen nicht überlebensfähige Konkurrenten haben, die subventioniert werden. Diese nehmen den gesunden Anbietern Gäste weg. Ich muss aber ehrlich sagen, die Offensive von Saas-Fee und die Lancierung des Magic Pass für 359 Franken für 25 Skigebiete hat schon etwas ausgelöst. Wir begannen deshalb, im Berner Oberland auch ein Angebot zu schaffen.

Ist diese Art von Preiskampf nicht zerstörerisch?
Ja, wenn jeder mit dem Preis nach unten geht, verlieren alle. Wir wurden durch die Konkurrenz zum Handeln gezwungen, fahren aber keine Tiefpreisstrategie. In dieser Marktsituation im Wintersport war Warten auf bessere Zeiten für uns keine mögliche Überlebensstrategie. Unser Abo richtet sich nach den gemeinsamen Pistenkilometern, die die Jungfrauregion, Adelboden-Lenk, Meiringen-Hasliberg und Gstaad zusammen bieten. Daher kommt auch der Preis von 666 Franken für Erwachsene: 1 Franken pro Kilometer.

Sie haben es vom Bahnbetriebsdisponent zum CEO geschafft. Nun verdienen Sie 720'000 Franken pro Jahr. Stört es Sie, dass Ihr Lohn öffentlich ist?
Wir sind börsenkotiert, und ich bin für absolute Transparenz. Natürlich werde ich angesprochen und auch kritisiert wegen des Lohnes, aber damit kann ich umgehen. Ich habe aber noch nie wegen des Geldes gearbeitet. Als ich vor 20 Jahren als Marketingleiter rund 140'000 Franken verdiente, arbeitete ich nicht weniger und baute die Märkte in Asien auf. Ich identifiziere mich heute genau gleich mit der Firma.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MIB am 02.10.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel zu teuer

    würde ich 720'000 Franken im Jahr verdienen wäre ich auch der Meinung dass 210.-- CHF bzw. 105.-- CHF nicht allzu viel sei pro Person. Es gibt aber viele Familien die es sich nicht leisten können für einen Tagesausflug 420 Franken und mehr auszugeben. So gesehen finde ich die Aussage von Herrn Kessler äusserst arrogant und beschämend.

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  • Manuel am 02.10.2017 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkanstoss

    Der gute Mann verdient über CHF 1972 pro Tag (nicht Arbeitstag). Er verdient an einem verlängerten Wochenende mehr als ein Durchschnittsschweizer in einem Monat. Ich finde derartige Summen schon etwas bedenklich.

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  • Klartext am 02.10.2017 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freundlichkeit

    Das Problem der schönen Schweiz dürfte an zweiter Stelle der Preise sein. An ersteller Stelle aber kommt die Freundlichkeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tellus am 04.10.2017 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für paar Fränkli auf's Joch

    Kaum ein asiatischer Tourist bezahlt doch den regulären Preis auf's Jungfrau Joch. Die meisten kommen doch mit einem Pauschalarrangement!

  • Martin Gamper am 03.10.2017 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familienrechnung

    105 Pro Erwachsenem, die Kinder fahren mit der Juniorkarte (15.-) gratis. Wenn man oben ist, haben aber alle noch Hunger und man will was essen. Unter 20.- Fr. Gibt es da aber kaum etwas. Familienkreise oder Kindermenü Fehlanzeige. Also ist da mal schnell noch ein Hunderter weg, denn nicht vergessen, Getränke sind da teuerer als auf SAC Hütten. Wer dann aber mal mit der Familie ostwärts geht, der merkt schnell, was Freundlichkeit, Familiengerechte Menü und Preise bedeutet. Manchmal wäre einfach Qualität besser als Quantität.

  • Marc am 03.10.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Unsäglich

    Richtig unsympathischer Abzocker der den Bezug zur finanziellen Realität der meisten Menschen schon lang verloren hat.

  • Dieter am 03.10.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urs Kessler

    Ich hoffe das herr kessler das projekt gelingt..tausende arbeitsplätze sind daran beteiligt..nicht nur interlaken und die region. Hier geht es um globales schweizer denken..einen besseren botschafter als kessler gibt es in der schweiz nicht.

  • Vrtiz Kempf am 03.10.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Interviewfragen?

    Jetzt mal ganz ehrlich. Ein wirklich neutrales Interview ist dass ja allemal nicht.