Gute Noten für die SNB

03. August 2011 15:30; Akt: 03.08.2011 16:28 Print

«Es ist absolut richtig, zu handeln»

Die Nationalbank (SNB) stösst mit ihren Massnahmen gegen den starken Franken bei Politikern und Verbänden auf grosse Zustimmung. Sie fordern aber noch weitere Schritte.

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Breite Zustimmung für die Schweizerische Nationalbank. (Bild: Keystone)

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Wirtschaftspolitiker begrüssen den Entscheid der Nationalbank (SNB), den Franken zu schwächen. Sie mahnen aber zur Vorsicht und auch zur Voraussicht. Denn jede Massnahme berge auch Risiken, und der Handlungsspielraum der Nationalbank habe Grenzen.

«Es ist absolut richtig, zu handeln», sagte CVP-Ständerat Bruno Frick (SZ) am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Richtig sei auch, dass die Nationalbank tief eingestiegen sei, aber auf die weitere Entwicklung schaue und sich weitere Schritte offen halte. «Vorsicht ist geboten, weil jede Massnahme zweischneidig sein kann.»

Nationalrat Pirmin Bischof (CVP/SO) warnt vor Illusionen: Die globale Entwicklung werde mit dieser sanften Reaktion wohl nicht gestoppt. Entscheidend sei das Signal der SNB. CVP-Generalsekretär Tim Frey fügte an, dass der Grundsatz respektiert werden sollte, dass die SNB unabhängig bleiben müsse.

Deindustrialisierung verhindern

Auch Nationalrat Ruedi Noser (FDP/ZH) begrüsst den Eingriff: «Man muss intervenieren, weil der Wechselkurs-Zerfall sich in den letzten Wochen noch beschleunigt hat.» Sonst komme die Schweizer Exportindustrie sehr unter Druck. Es gehe um Stellen: «Eine Deindustrialisierung im Inland muss verhindert werden.»

Geldpolitisch sei der Eingriff der SNB richtig. Werte sich der Franken dennoch weiter auf, müsse die Nationalbank erneut schnell und überzeugend handeln, fordert Noser. Bedingung für die FDP sei, dass in US- und EU-Staatspapiere nicht mehr investiert werden dürfe, um damit nicht Schulden dieser Länder zu importieren.

Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime hält das Eingreifen der Nationalbank ebenfalls für richtig. Der Wert des Euro gegenüber dem Franken sei am Vormittag zwar etwas gestiegen. Doch: «Ich weiss nicht, ob es wirkt.»

Problem nicht in der Schweiz

Das eigentliche Problem liege nicht in der Schweiz, sondern in den USA und in der Euro-Zone, sagte Rime. Gegen die Ursachen vorzugehen, sei deshalb schwierig. Der in der Holzindustrie tätige Unternehmer ist pessimistisch, was die Aussichten für die kommenden Monate betrifft.

Der SP geht der Entscheid der SNB zu wenig weit. Angesichts der schwierigen Situation brauche es weitere Massnahmen, so unkonventionell diese auch erscheinen würden, schrieb sie in einer Mitteilung.

SP-Ständerat Alain Berset (FR) war von der Ankündigung der Nationalbank, den Leitzins zu senken, nicht überrascht. Mittelfristig sieht er darin aber ein Risiko für den Immobilienmarkt. Sehr tiefe Zinsen würden zu Anschaffungen verleiten, die Käufer mit eigenen Mitteln nicht bezahlen könnten.

Politische Massnahmen werden nötig sein

Das wichtigste Problem seien aber der Wert des Frankens und die Folgen für die Exportindustrie, sagte er. «In dieser Frage hat die SNB kaum noch Spielraum.» Politische Massnahmen würden sich deshalb als nötig erweisen, etwa die Einführung eines Negativzinses. Die Modalitäten dazu müssten noch festgelegt werden.

Rime hegt Zweifel gegenüber diesem Vorschlag, der bereits in der Wirtschaftskommission diskutiert worden war. Für ihn ist nicht sicher, ob ein Negativzins nicht schon hätte eingeführt werden sollen, als der Euro noch einen Wert von 1.25 Franken hatte - und ob er überhaupt eine Wirkung hätte.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Huller am 03.08.2011 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ist der starke CHF so schlecht?

    Ok, die Tourismusbranche bekommt die volle Breitseite. Es ist richtig, dass die CH viele ihrer Güter exportiert, aber zur Produktion dieser wiederum viele Rohstoffe importiert (die ja jetzt viel billiger sind). Also sollte das doch ein Null-Summen-Spiel sein. Auch sehe ich ein, dass der Einzelhandel leidet, da viele jetzt billiger im Ausland einkaufen. Aber auch hier gilt: Die meisten Güter werden importiert, sind also jetzt für den Handel billiger. Warum werden diese Preise nicht an den Endverbraucher weitergegeben, dann muss dieser nicht mehr billig im Ausland einkaufen...

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  • S. N. am 03.08.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Den Vorhang zu

    Den Vorhang zu und alle Fragen offen. Oder müsste es heissen: Augen zu und alle Fragen offen?

  • Wilhelm Tell am 03.08.2011 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sache wird sich von selbst lösen

    Schon der ECU musste faktisch aufgegeben werden, als Spekulanten ihn sprengten. Der Grössenwahn gewisser politischer Seilschaften, die übrigens selbst am meisen von ihren Aktivitäten profitierten und profitieren, völlig ungleiche Länder unter den EURO-Währungshut zu zwingen, wird bald zu Ende sein. Der Euro ist unter den gegenwärtigen Spannungen langfristig nicht mehr lange zu halten. Hier wäre das Schlimmste verhindert worden, wenn die Menschen in Europa hätten aktiv darüber abstimmen können. Aber der Euro wurde ohne Volksbefragung in undemokratischer Manier allen einfach aufgezwungen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra G. am 04.08.2011 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Auf den Punkt gebracht

    Treffend brachte Prof. Geiger im 10vor10 die Intervention der SNB auf den Punkt: "es ist als würde man eine Tasse Wasser in den Zürichsee giessen und danach fährt man nach Wettingen, um zu schauen, ob deswegen mehr Strom produziert wurde."

  • 807687 am 04.08.2011 02:32 Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch, wenn nichts mehr geht, ...

    ...wird einfach Geld gedruckt! Noch nie was von antizyklischem Verhalten gehört! Das wird sich rächen, vielleicht nicht heute oder morgen, aber eventuell schon übermorgen. Beim sehe ich jedenfalls keine Entspannung, und auch beim Dollar nicht (4.8.2011, 2.32h).

  • dr.dieter am 04.08.2011 02:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ob das gut ist?

    Das wird wohl ne kleine Inflation geben. Preise werden noch viel mehr steigen, Lohnanpassungen hinken hintendrein, ein häufiges Szenarion. p.s Der Schweizer Franken ist gar nicht gestiegen, nur der Euro gesunken auch im Vergleich zu anderen zahlreichen Währungen.

  • Ramon Walther am 04.08.2011 01:40 Report Diesen Beitrag melden

    Franken stark durch Euro Inflation.

    Es ist ein Witz, da wird in den USA und China Geld gedruckt wie verrückt. Der Euro ist am untergehen. Der Franken als solches ist nicht stärker als früher. Durch die Inflationen der anderen Währungen ist einfach der Franken stabil gebliben. Es ist eher noch ein Warten darauf bis uns eine Weltweite Hyperinflation ins Haus schneit.

  • Roland am 03.08.2011 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Spekulanten werden ihe Freude haben

    dass Geld locker gemacht wird, damit weiter gewettet werden kann.

    • Edgar am 04.08.2011 19:56 Report Diesen Beitrag melden

      Doppelmoral

      Ja das ist der Preis für die Doppelmoral. CS und UBS haben sehr viel Geld azsländischer Kunden. Diese "traden" über ein Konto der Schweiz, steigen die Kurse sinkt der Franken, umgekehrt flüchten diese zurück in den "sicheren Hafen" eben die Schweiz. So ist es eigentlich ganz einfach, gute Stimmung an der Börse, das Geld verlässt die Schweiz und umgekehrt ! Solange man die beiden Grossbanken nicht an die Leine nimmt, hat die SNB keine Chance, leider.

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