2 Milliarden verzockt

11. Mai 2012 13:21; Akt: 11.05.2012 14:32 Print

«Es kann noch schlimmer werden»

JPMorgan-Chef Jamie Dimon streut Asche auf sein Haupt, nachdem die grösste US-Bank in nur 6 Wochen 2 Milliarden Dollar verzockt hat: «Wir stehen ziemlich dumm da.»

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JPMorgan-Chef Jamie Dimon: «Ungeheuerliche Fehler». (Bild: Reuters)

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JPMorgan-Chef Jamie Dimon sah sich am Donnerstag nach Börsenschluss gezwungen, sich persönlich bei Anlegern und Analysten zu entschuldigen. Das Desaster sei selbstverschuldet, sagte er in einer eilig anberaumten Telefonkonferenz. Er lehnte es aber mehrfach ab, die Details der problematischen Finanzwetten offenzulegen. Der Bankchef musste aber einräumen: «Es kann noch schlimmer werden.» Denn die Finanzwetten laufen weiter.

Die Wall Street reibt sich die Augen, die Finanzkrise 2008 scheint vergessen. Ausgerechnet der damalige Musterknabe, die Bank JPMorgan Chase, hat sich jetzt mit dubiosen Geschäften kräftig verspekuliert. Sie setzte mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie rund 2 Mrd. Dollar in den Sand. Anders als beim Desaster der UBS im letzten Herbst wird aber nicht von Anfang an ein einzelner Banker beschuldigt.

Imageschaden schlimmer als finanzieller Verlust

Er sprach von «ungeheuerlichen Fehlern», Schlampereien und falschen Entscheidungen. Derzeit werde untersucht, wie es genau dazu kommen konnte. Die Prinzipien seines Hauses seien verletzt worden. «Das ist nicht die Art, wie wir unser Geschäft betreiben wollen», erklärte Dimon.

Die Fehler seien umso peinlicher angesichts der Tatsache, dass sich das Management stets gegen eine strengere Regulierung der Banken im Rahmen der sogenannten «Volcker Rule» ausgesprochen habe, räumte Dimon ein. «Das lässt uns ziemlich dumm dastehen.»

In der Tat dürfte der Imageschaden und dessen politische Folgen grösser sein als der finanzielle Schaden. «JP Morgan verzockt seine Krone», zitiert Spiegel Online das Wall Street Journal. Der Ruf nach schärfen Vorschriften für Banken dürfte nach diesem Zocker-Skandal auch den US-Wahlkampf befeuern.

Verlust entstand in Zocker-Abteilung

Konkret habe es im synthetischen Kreditportfolio im Bereich Chief Investments seit Ende März «signifikante Buchverluste» gegeben. Der Bereich ist nach Angaben von JPMorgan der Arm der Bank, der genutzt wird, um Wetten einzugehen, die Beteiligungen an individuellen Beständen absichern sollen, etwa Kredite an Firmen mit einer schlechten Bewertung bei einer Ratingagentur.

Derartige Fehlschläge sind die Börsianer von JPMorgan Chase nicht gewohnt. Die New Yorker Bank ist das bestverdienende Kreditinstitut der Vereinigten Staaten und war fast ohne Blessuren durch die Finanzkrise gesteuert. Im ersten Quartal lag der Reingewinn bei 5,4 Mrd. Dollar.

Erinnerungen an UBS-Skandal

Der Fall bei JPMorgan erinnert an den riesigen Handelsverlust bei der UBS im vergangenen Herbst: Durch verbotene Spekulationsgeschäfte eines Händlers in London gingen rund 2,3 Mrd. Dollar verloren. Der Mann muss sich inzwischen vor Gericht verantworten. Wegen der Affäre trat Oswald Grübel kurzum als Konzernchef zurück und wurde von Sergio Ermotti abgelöst.

(whr/sda)