Konsumentenstimmung

21. Mai 2012 13:58; Akt: 21.05.2012 14:06 Print

«Fast zu schön, um wahr zu sein»

von Balz Bruppacher - Schweizer Konsumenten lassen sich die Kauflust nicht verderben. Der Konsumenten-Index erweckt zumindest diesen Eindruck. Die Momentaufnahme liegt aber bereits einige Wochen zurück.

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Infografik: Kennzahlen der Schweizer Wirtschaft.

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«Es herrscht Alarmstufe rot», schreibt die Zürcher Kantonalbank zum Wochenbeginn in ihrem Aktienkommentar und stellt die bange Frage: «Kommt es zum Super-GAU?» Wie Balsam wirkt da die jüngste Pressemitteilung aus Bern: «Erneute Verbesserung der Konsumentenstimmung», lautet der Titel zum neusten Stand des Index der Konsumentenstimmung. «Fast zu schön, um wahr zu sein», räumt jedoch Bruno Parnisari, Sektionschef Konjunktur im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), ein.

Das Resultat - der Index stieg innerhalb von drei Monaten um 11 Punkte auf einen Stand von minus 8 - ist vor allem deshalb mit Vorsicht zu geniessen, weil die Umfrage bei 1200 Schweizer Haushalten bereits im April stattfand. Also noch vor der jüngsten Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise. Und vor den Schlagzeilen über einen wahrscheinlichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone und über einen Sturm besorgter Sparer auf die Bankkonten. «Halten diese Diskussionen an, wird dies den Index bei der nächsten Umfrage im Juli sicher wieder negativ beeinflussen», sagt Ökonom Parnisari.

Zuversicht punkto Arbeitsmarkt

Zuversichtlicher als noch im Januar äusserten sich die Haushalte vor allem über die erwartete Wirtschaftslage in den nächsten 12 Monaten und über die Arbeitslosigkeit. So erhöhte sich der Teilindex über die Sicherheit der Arbeitsplätze von minus 78 auf minus 64 Punkte. Um 22 Punkte verbesserte sich die Erwartung über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den nächsten 12 Monaten. Bezüglich der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung machte der Index sogar einen Sprung von 27 Punkten. Mit minus 2 Punkten war dieser Teilindex bloss noch minim negativ und klar besser als im langjährigen Durchschnitt. Zum Vergleich: Beim Ausbruch der Finanzkrise im Oktober 2008 war diese Kennziffer noch mit minus 61 Punkten im Keller.

Kaum verändert hat sich hingegen die Einschätzung der Haushalte über die Entwicklung der persönlichen finanziellen Situation. Sogar etwas weniger gut als noch im Januar wurden die Möglichkeiten eingestuft, in den nächsten 12 Monaten Geld sparen zu können.

Konsumenten stützen die Konjunktur

Trotz aller Vorbehalte über die Aussagekraft der Momentaufnahme wird der private Konsum von fast allen Ökonomen bisher als wichtige Stütze der Konjunktur im laufenden Jahr betrachtet. Zum Bruttoinlandprodukt (BIP) steuern die Konsumentinnen und Konsumenten rund 60 Prozent bei. «Schweiz vor einem Konsumboom?», titelten die Ökonomen der UBS Ende April zu den März-Zahlen ihres Konsumindikators.

Grund für die Zuversicht sind unter anderem die Autoverkäufe. Nach den ersten vier Monaten liegt der Absatz von Neuwagen mit 7,5 Prozent im Plus, nachdem die Autohändler bereits letztes Jahr einen Boom erlebt hatten. Beflügelt werden die Autoverkäufe vor allem durch Preisrabatte dank des starken Frankens. Auch hier werden die Bäume aber nicht in den Himmel wachsen. Denn der Zeitpunkt wird kommen, in dem sich die Nachfrage nach Neuwagen wegen der Marktsättigung wieder nach unten einpendelt.

Tausendernoten wandern unter die Matratzen

Dass Herr und Frau Schweizer in unsicheren Zeiten nicht nur ans Geldausgeben denken, zeigt eine andere Statistik, die heute veröffentlicht wurde. Die Zahl der Tausendernoten, die im Umlauf sind, stieg im März um weitere 91 000 auf 32,4 Millionen Stück. Innert Jahresfrist hat sich laut Nationalbank die Zahl der Tausendernoten damit um 12 Prozent erhöht. Die grösste Schweizer Banknote dient vor allem als Wertaufbewahrungsmittel; das heisst, sie kommt oft unter die berühmte Matratze. Die Nachfrage steigt jeweils in Krisenzeiten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • josef am 21.05.2012 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    gute laune

    genau, war in frankreich zum shoppen. super. meine laune ist gut solange ich nicht dieser der schweizer ladendiktatur zum opfer falle

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  • soso am 21.05.2012 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    sdsd

    Schleierhaft, woher man bessere Arbeitsmarktaussichten prognostiziert.Die Stellensuchenden merken dummerweise nichts davon!Zum anderen wird der EURO-Ausstieg GR immer wahrscheinlicher, da die 2. und weitaus dümmer Vatiante der Staatsbankrott wäre!Und ob es für einen Kurssprung reicht,weil wenige Exoten durch mehr Glück als Verstand ihre Stelle halten können, ist auch noch fraglich u.jederzeit variabel,somit nicht in Stein gemeisselt!

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  • Dänu M`Stein am 21.05.2012 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben doch keine Krise, oder ?

    Als CH-Konsument habe nach wie vor nicht mehr Geld zur Verfügung als bisher und Frage mich,wie unsere CH-Hellseher Statistiker auf das Absurdum kommen,der Konsument habe zur Zeit,wieder die größere Kauflust entdeckt?Lust hätten wir Normalsterblichen schon,aber das nötige Kleingeld fehlt!Schaut man im Detailhandel in die CH-Geschäfte rein,wird extrem deutlich,dass da kaum was an Verkaufen geht!Die Leere in den CH-Läden ist erschreckend!Auch die CH-Lebensmittelgeschäfte im nahen Grenze Wirtschaftsraum haben zu Beissen!Man kauft dort ein wo man noch (viel)-Mehr fürs Fränkli kriegt,im Ausland!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dänu M`Stein am 21.05.2012 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben doch keine Krise, oder ?

    Als CH-Konsument habe nach wie vor nicht mehr Geld zur Verfügung als bisher und Frage mich,wie unsere CH-Hellseher Statistiker auf das Absurdum kommen,der Konsument habe zur Zeit,wieder die größere Kauflust entdeckt?Lust hätten wir Normalsterblichen schon,aber das nötige Kleingeld fehlt!Schaut man im Detailhandel in die CH-Geschäfte rein,wird extrem deutlich,dass da kaum was an Verkaufen geht!Die Leere in den CH-Läden ist erschreckend!Auch die CH-Lebensmittelgeschäfte im nahen Grenze Wirtschaftsraum haben zu Beissen!Man kauft dort ein wo man noch (viel)-Mehr fürs Fränkli kriegt,im Ausland!

  • K. Geldweg am 21.05.2012 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rette sich wer kann.....

    Na klar, wohin denn sonst - im Garten in einer Blechbüchse vergraben????? In Zeiten, in denen die Banken keine Staatsgarantie mehr leisten, ist es besser, zu holen, was man jahrelang gespart hat, bevor es zum "crash" kommt und das Gesparte nicht mehr vorhanden ist.

  • Daniela Vinci am 21.05.2012 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn juckt Griechenland?

    Wie schön, das langsam die Mehrheit der Bevölkerung kapiert, dass uns der ganze Aktien-, Banken- und Euro-Hype nicht wirklich tangiert.

  • josef am 21.05.2012 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    gute laune

    genau, war in frankreich zum shoppen. super. meine laune ist gut solange ich nicht dieser der schweizer ladendiktatur zum opfer falle

    • alvin collin am 21.05.2012 15:14 Report Diesen Beitrag melden

      Schön....

      schön, dass sie guter Laune sind...beziehen sie doch ihre AHV auch in Frankreich oder lassen ihre Kinder dort ausbilden...etwas weitblick würde auch glücklich machen

    • Realist am 21.05.2012 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      Künstlich hohe Preise in CH

      Wenn hier in der CH der freie Markt wirklich frei wäre, könnte man auch in der CH mit guten Gewissen einkaufen gehen. Die Preise sind künstlich hoch hier. Beispiel: The Economist in CH 235 CHF für 51 Wochen. in D 128 Euro f 51 Wochen.

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  • soso am 21.05.2012 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    sdsd

    Schleierhaft, woher man bessere Arbeitsmarktaussichten prognostiziert.Die Stellensuchenden merken dummerweise nichts davon!Zum anderen wird der EURO-Ausstieg GR immer wahrscheinlicher, da die 2. und weitaus dümmer Vatiante der Staatsbankrott wäre!Und ob es für einen Kurssprung reicht,weil wenige Exoten durch mehr Glück als Verstand ihre Stelle halten können, ist auch noch fraglich u.jederzeit variabel,somit nicht in Stein gemeisselt!

    • no name am 21.05.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      Wie wahr

      Danke für Ihre Worte. Leider bin ich auch eine der Stellensuchenden die in der beschönigten Statistik nicht erscheint. Aber es geht uns ja allen gut

    • Dani am 21.05.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      sie sind vollkommen selber Schuld

      @noname: dass sie keine Stelle bekommen ist ganz alleine Ihr Problem. Dass der Staat einem bei der Ausbildung im Weg steht wo er nur kann und einfach die Grenzen aufmacht um sogenannten Hochqualifizierte reinzulassen ist alles Ihre Schuld. Aber doch niemals die Schuld der Politik (das war übrigens Ironie)

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