Lindt & Sprüngli

14. Juli 2014 07:38; Akt: 14.07.2014 17:44 Print

«Forrest Gump»-Pralinés in Schweizer Händen

Lindt & Sprüngli übernimmt definitiv den US-Süssigkeitenhersteller Russell Stover. Es ist die grösste Übernahme in der Geschichte des Schweizer Traditionshauses.

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Die Pralinés aus dem Hause Russell Stover wurden dank dem Film «Forrest Gump» weltberühmt. (Bild: zvg)

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Lindt & Sprüngli setzt mit der Übernahme der amerikanischen Russell Stover Candies zum nächsten Wachstumssprung als weltgrösster Hersteller von Premium-Schokolade an. Die Zürcher Traditionsfirma mit ihrer über 160-jährigen Geschichte war schon früh international ausgerichtet.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg lief der Welthandel auf Hochtouren und auch Schweizer Schokolade verkaufte sich im Ausland bestens. Von dieser Blütezeit profitierte Lindt&Sprüngli, deren Wurzeln auf Schokolademanufakturen von Rudolf Sprüngli in Horgen ZH und Rodolphe Lindt in Bern zurückreichen.

Export-Meister

Um 1915 exportierte Lindt & Sprüngli bereits rund drei Viertel ihrer Schokoladeproduktion in rund 20 Länder auf der ganzen Welt, wie es in der Firmenchronik heisst. Protektionismus und Wirtschaftskrisen führten in den 1920er- und 1930er-Jahren aber dazu, dass fast alle ausländischen Märkte aufgegeben werden mussten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Firma dank Linzenzabkommen wieder ausserhalb ihres Heimmarktes expandieren. Kooperationen wurden zuerst in Italien, Deutschland und Frankreich geschlossen. Auch im Inland verbreiterte Lindt&Sprüngli die Basis. So wurde 1961 die Chocolat Grison in Chur übernommen. 1971 folgten die Oltener Nago Nährmittel AG und die Chocoladefabrik Gubor in Langenthal.

Börsengang und forcierte Expansion

Der Aufbau einer internationalen Firmengruppe begann laut dem Firmenporträt 1977 mit der Übernahme der Aktienmehrheit des französischen Lizenznehmers. In den 1980er-Jahren forcierte Lindt&Sprüngli die Expansion und holte sich Mittel für die Expansion durch den Börsengang im Jahr 1986.

Damals fiel auch der Startschuss für den kräftigen Ausbau des US-Geschäfts. Die bereits 1925 in New York gegründete «Lindt & Sprüngli (USA) Inc.» wurde wieder aktiviert. In Stratham (New Hampshire) ging 1989 eine eigene Fabrik in Betrieb.

In anderen Ländern kaufte Lindt & Sprüngli ebenfalls zu. Übernommen wurden in den 1990er-Jahren etwa die italienischen Firmen Bulgheroni und Caffarel oder die österreichische Hofbauer. Seit 1993 lenkt Ernst Tanner das Traditionsunternehmen. Sein Ziel lautet, in allen wichtigen Märkten «eine führende Position im Segment für Qualitäts-Schokolade» einzunehmen.

Nordamerika immer wichtiger

Grösster Schritt in den USA war bis am Montag die Übernahme der Schokoladefabrik Ghirardelli aus San Francisco. Heute verfügt die Gruppe über Gesellschaften mit eigener Produktion in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und den USA.

In vielen weiteren Ländern ist Lindt & Sprüngli mit eigenen Vertriebsgesellschaften oder durch Kooperationen mit Handelspartnern präsent. Der Umsatzanteil von Nordamerika dürfte mit der Übernahme von Russell Stover von 30,1 Prozent im letzten Jahr auf über ein Drittel steigen. Das Schweizer Geschäft kam 2013 noch auf 10,9 Prozent, die anderen europäischen Länder zusammen auf 51,5 Prozent.

Aufbau in Schwellenländern

Konzernchef Tanner freute sich im letzten Jahresbericht, dass 2013 in den USA und in Grossbritannien zweistellige Zuwachsraten erzielt werden konnten, obwohl diese Märkte weitgehend gesättigt seien. Besonders positiv hätten sich auch Aufbaumärkte wie Japan, China und Südafrika entwickelt.

Tanner will die Marke Lindt in Schlüsselmärkten wie auch in aufstrebenden Schwellenländern weiter stärken. Dazu werden eigene Organisationen aufgebaut. Mit Russell Stover vergleichbare Zukaufmöglichkeiten gebe es in Asien oder Lateinamerika derzeit aber nicht.

(sda)