Rekordhoch

16. Juni 2011 22:45; Akt: 16.06.2011 19:24 Print

«Franken wird noch stärker»

von Alex Hämmerli - David Marmet, Leiter Volkswirtschaft Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, befürchtet, dass die Euro-Schwäche anhält.

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Der Euro kostet erstmals weniger als 1.20 Franken. Hätten Sie das vor einem Jahr für möglich gehalten?
David Marmet: Damit hat damals kaum ein Ökonom gerechnet. Ich ging zwar davon aus, dass der Franken stärker wird, dass es derart schnell geht, hatte auch ich nicht erwartet.

Wieso flüchten so viele Anleger in den Franken?
Dafür gibt es zwei Hauptgründe: die ungelösten Schuldenprobleme in der Eurozone und die schlechten Konjunkturzahlen aus den USA.

Bei beidem sieht es nicht allzu rosig aus ...
Das sehe ich anders. Die Abschwächung der US-Wirtschaft ist wohl vorübergehender Natur. Und auch im Fall Griechenland gehe ich davon aus, dass die EU-Politiker das Mitglied nicht fallen lassen.

Was, wenn doch?
Die Auswirkungen wären dramatisch – und zwar für ganz Europa. Kommt es zu keiner Einigung, führt dies zu einer massiven Abschwächung des europäischen und dadurch auch des Schweizer Wachstums. Ein Wechselkurs von einem Franken pro Euro würde dann im Bereich des Möglichen liegen.

Sind wir also der Gnade der EU-Politiker ausgeliefert?
In gewisser Weise ja. Als kleine, offene Volkswirtschaft sind wir auf Gedeih und Verderb von unseren grossen Handelspartnern abhängig.

Schiesst der Frankenkurs weiter in die Höhe?
Panik ist nicht angesagt. Wir erwarten, dass sich die Situation bis Ende Jahr etwas beruhigt. In Zukunft werden wir aber mit einem noch stärkeren Franken leben müssen.

Wäre es eine Option für die Schweiz, den Euro zu übernehmen?
Politisch wäre dies unter den jetzigen Bedingungen kaum durchsetzbar. Und auch aus wirtschaftlicher Sicht macht der Euro für die Schweiz keinen Sinn. Dafür sind unsere Inflationsraten und Konjunkturzyklen einfach zu unterschiedlich.