Serono verlässt Schweiz

24. April 2012 15:29; Akt: 24.04.2012 15:52 Print

«Grösster Abbau in Genfs Geschichte»

Noch nie habe es im Kanton Genf eine grössere Massenentlassung gegeben als bei der Schliessung des Serono-Hauptsitzes, sagt Staatsrat François Longchamp.

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Bei Serono in Genf gehen die Lichter aus. (Bild: Reuters)

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Der Genfer Staatsrat François Longchamp hat die angekündigte Schliessung des Merck-Serono-Hauptsitzes als eine traurige Nachricht für die Genfer Wirtschaft bezeichnet. Noch nie habe es im Kanton Genf eine grössere Massenentlassung gegeben, sagte er im Westschweizer Radio RTSun. Die Regierung habe, nachdem sie am Montag von Merck Serono über die Abbaupläne vorinformiert worden sei, Massnahmen getroffen, damit die Arbeitsämter die zusätzlichen Arbeitssuchenden betreuen könnten.

Die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz will sich aktiv an der Suche nach Alternativen für die entlassenen Angestellten von Merck Serono beteiligen. Einmal mehr gehe es darum, für den Verbleib von Arbeitsplätzen in der Schweiz zu kämpfen.

Rendite auf Kosten der Angestellten maximieren

Die Offenheit von Merck Serono für Alternativen zu den Entlassungen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass versucht werde, auf Kosten der Angestellten die Rendite zu maximieren. Trotzdem sollten die Chancen genutzt werden, die sich insbesondere durch den 30-Millionen-Franken-Fonds für Spin-offs und Start-ups eröffneten, so Angestellte Schweiz in einem Communiqué.

Die Schliessung des Hauptsitzes von Merck Serono sei eine bittere Pille für die Branche. Es sei besorgniserregend, dass nach Huntsman und Novartis bereits ein drittes Unternehmen der chemisch- pharmazeutischen Industrie in der Schweiz einen Massenabbau von Stellen plane. Das stimme für die Zukunft wenig optimistisch.

Unangenehme Situation

Für François Naef, den Verwaltungsratspräsidenten von Merck Serono, ist die Schliessung des Hauptsitzes in Genf sehr unangenehm. Der Unterhalt von zwei Hauptquartieren in Europa sei aber schlicht nicht möglich, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Es sei ein schwieriger Tag, und die Situation sei ihm unangenehm. Naef ist nicht nur Verwaltungsratspräsident von Merck Serono, er amtiert gleichzeitig auch als Präsident der Genfer Handelskammer.

Merck Serono sei wie die ganze Branche dem anhaltenden Preisdruck im Medikamentenmarkt ausgesetzt, sagte Naef. Gleichzeitig würden die Kosten für Forschung und Entwicklung dauernd steigen. Zudem habe die Firma Rückschläge bei der Kommerzialisierung gewisser Arzneien einstecken müssen.

Fonds von 30 Millionen Franken

Laut Naef hat Merck Serono die Genfer und Waadtländer Behörden über die Abbaupläne in Kenntnis gesetzt. Das Personal sei am Dienstag informiert worden. Die offizielle Konsultationsfrist laufe ab Mittwoch.

Das Unternehmen wende alles auf, um die Restrukturierungsmassnahmen so schmerzlos wie möglich zu vollziehen, versicherte Naef. Mehr als 750 in Genf abgebaute Arbeitsplätze würden anderswo ersetzt, etwa im Waadtland, in Darmstadt (D), Boston (USA) und Peking (China). Die entlassenen Mitarbeitenden würden bei der Stellensuche unterstützt, und es gebe ein Sozialplan. Zur Gründung neuer Unternehmen schaffe Merck Serono zudem einen Fonds von 30 Mio. Franken.

(whr/sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan Brand am 27.04.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Bertarelli ist sehr traurig....

    Soso, Herr Bertarelli ist also sehr traurig ob der Schliessung der Serono in Genf. Diese Aussage ist geradezu ein Hohn; schämen sollte er sich. Also Zeichen seiner Traurigkeit schlage ich vor, dass er vom Gewinn seines Verkaufs (10 Milliarden) jedem, der die Kündigung erhält, eine Million bar auf die Hand gibt. Bei 1300 Mitarbeitern ergibt dies 1.3 Milliarden, bleiben also 8.7 Mia übrig. Wenn ihm das nicht reicht, muss er halt mit dem Segeln weiter Geld verdienen.

  • J. Widmer am 25.04.2012 01:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medikamentenpreise

    Tja, Alain Berset hat für tiefere Medikamentenpreise gesorgt. Da wir als Pharmanation international als Referenzwert gelten befürchtet die Branche nun Gewinneinbussen und trifft die notwenigen Konsequenzen. Was kostet uns nun mehr? Die alten Medipreise oder 1200 Arbeitslose??

  • Ueli am 24.04.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wird wohl alles ...

    ...zu teuer geworden sein da in Genf ... Dank der Linken. In Indien kannst billiger Medis produzieren und da hat es keine Linken und Gewerkschaften!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Brand am 27.04.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Bertarelli ist sehr traurig....

    Soso, Herr Bertarelli ist also sehr traurig ob der Schliessung der Serono in Genf. Diese Aussage ist geradezu ein Hohn; schämen sollte er sich. Also Zeichen seiner Traurigkeit schlage ich vor, dass er vom Gewinn seines Verkaufs (10 Milliarden) jedem, der die Kündigung erhält, eine Million bar auf die Hand gibt. Bei 1300 Mitarbeitern ergibt dies 1.3 Milliarden, bleiben also 8.7 Mia übrig. Wenn ihm das nicht reicht, muss er halt mit dem Segeln weiter Geld verdienen.

  • Leonie am 25.04.2012 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Auch andere Pharmas wandern ab

    Merck Serono ist nicht der einzige Pharmabetrieb, der abwandert. Hat der jedoch vorher nicht darüber informiert, war die Cilag AG noch "humaner". Die hatte die Schaffhauser Regierung schon länger über die Auslagerung ihrer Produktion informiert. Stellenabbau dort: ca. 150 = zu viel für Schaffhausen. Bis 2015 ist der Cilag-Betrieb nach China abgewandert. Chin-Chin! Medikamente, die in China abgemischt werden! Super! Exorbitant, diese Idee!

  • david l. am 25.04.2012 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    super

    hauptsache der der verkauft hat hat milliarden eingesteckt. sind wir ja froh das einer reich wurde und dafür Xmenschen ihren job verlieren. gratulation den reichen leuten

    • Marie am 25.04.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      Bertarelli ist nicht Schuld

      Er hat vor 6 Jahren (!!) verkauft und die Zusage für die Beibehaltung des Standortes Schweiz bekommen. Bertarelli ist nicht dafür verantwortlich, dass Merck sich nicht daran hält.

    einklappen einklappen
  • Rolf Merz am 25.04.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Selber anfangen!

    Jetzt einfach Angriff der Entlassenen und das Heft selber in die Hand nehmen. Direkte Konkurenz gründen!

  • André Gubelmann Brasilien am 25.04.2012 02:19 Report Diesen Beitrag melden

    Universität St.Gallen

    Die ehemalige Hochschule heisst jetzt Universität.Dort kann man lernen wie man den Gewinn optimiert.Das Resultat sieht man später.........