UBS-Zockerskandal

17. September 2011 17:16; Akt: 17.09.2011 17:22 Print

«Grübels Rücktritt ist eine Frage der Moral»

Milliarden verzockt und keiner hats gemerkt: Die Schweizer Medien gehen mit der Führungsriege der UBS hart ins Gericht. Aber auch die Politiker kriegen ihren Anteil.

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«Wir wissen, was wir tun, und wir werden uns nie damit rausreden, dass wir von Risiken überrascht wurden.» Das Zitat von Oswald Grübel vom vergangenen Winter liest sich heute etwas anders, etwas höhnischer vielleicht. Die UBS wurde offenbar kalt erwischt, doch die Risiken, die das Investmentbanking mit sich bringt, waren allen Verantwortlichen bekannt. Viele Kommentatoren im Schweizer Blätterwald fordern Grübels Rücktritt. Die These des Einzeltäters K.A. aus London, der die Grossbank durch unbefugte Zockerei um zwei Milliarden Dollar erleichterte, sei nicht nachvollziehbar, so der Haupttenor vieler Kommentatoren.

Die UBS-Personalverantwortlichen hätten um die Problematik von A.s Profil gewusst, so der «Blick». Wie andere Finanzbetrüger arbeitete der Händler früher im Backoffice und hatte das Know-how, das ihm bei der Kaschierung von Geschäften nützte. Doch schwerwiegender als falsche Personalentscheide sei das Geschäftsmodell des Investment Banking: Aggressivität zahlt sich aus, sprich: Damit können hohe Boni verdient werden. «Der frühere Händler Oswald Grübel hat diese Zockerkultur goutiert und gefördert. Dass die umstrittene Sparte vornehmlich Verluste schrieb, schien er bewusst in Kauf zu nehmen,» so der «Blick» weiter. Schlimmer als der finanzielle Verlust sei der Vertrauensverlust der Bank.

Effekt ist verheerend

Der Kommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung» stösst ins gleiche Horn, geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur sei das Vertrauen in die UBS angeschlagen, sondern in den Schweizer Finanzplatz. Das Imageproblem sei gravierend. «Die Frage sei erlaubt, warum es trotz verschärften internen Vorschriften und straffer geführten Linienkompetenzen immer noch möglich ist, solche Summen unkontrolliert in den Sand zu setzen. Wer immer hier welche Schlampigkeit begangen hat – der Effekt ist verheerend und schadet just dem, was die Banken fordern: einem ‹sauberen› Finanzplatz (...).»

Und weiter an einer anderen Stelle in der NZZ: «Ernüchtert muss jetzt zur Kenntnis genommen werden, dass Oswald Grübel seiner Forderung nach Nulltoleranz in der UBS nicht die nötige Nachachtung verschafft hat.» Der nach der Subprime-Krise versprochene Kulturwandel sei nicht eingetreten. Ein Köpferollen in der Teppichetage der UBS zu fordern, sei aber noch zu früh. Zuerst müssten die Hintergründe, die zum enormen Verlust führten, geklärt werden. Bis dann könnten die Führungsverantwortlichen der UBS nicht ruhen.

Luft wird dünner

Der «Tages-Anzeiger» folgert aus dem Zockerfall aus London, dass die Luft für Oswald Grübel und Verwaltungsrat Villiger dünner geworden ist, da sie sich bis heute gegenüber der Kritik an der Einheitsbank mit dem integrierten Investmentbanking immun zeigten. Die Zeitung spekuliert, dass ein baldiger Abgang von Grübel und der Rücktritt des Chefs des Investmentbankings, Carsten Kengeter, wahrscheinlich sei.

Für die welsche Tageszeitung «Le Temps» ist ein Rücktritt von Grübel eine «Frage der Moral». Der Milliardenverlust sei «ein Unfall zu viel». Nichts gelernt, so auch das harte Urteil des Kommentars in der «Zürichsee-Zeitung»: «Wenn der UBS noch irgendetwas an ihrer Reputation und Selbstachtung gelegen ist, dann bleibt ihr nur ein Ausweg: sich so schnell wie möglich vom Konzernchef zu trennen,» so das Fazit der Zeitung.

Nach der Finanzkrise von 2008 versprach die UBS, die Investmentbanker an die kürzere Leine zu nehmen. Sollten sich diese Versprechen nun bei der Aufarbeitung der jüngsten Affäre als Luftblasen erweisen, müssen Köpfe rollen, so das «St. Galler Tagblatt». Wer als gebranntes Kind im Risikomanagment wiederholt versagt, hat an der Spitze eines globalen Finanzkonzerns nichts zu suchen. «Zur Tagesordnung übergehen kann die UBS keineswegs.»

Auch Politiker in der Kritik

Im «10vor10» von Donnerstagabend zeigte sich Bankenexperte Hans Geiger schockiert. Er glaubt, dass es im UBS-Skandal Mitwisser gibt. Ein Rücktritt von CEO Grübel sei aber noch zu früh: «Ich denke, man muss in die Zukunft schauen und fragen: Was ist das beste für die Bank, für ihre Kunden, für das Personal und für die Aktionäre. Eine Zukunft mit Oswald Grübel oder ohne ihn: Wir wissen im Moment noch zu wenig.»

Die «Berner Zeitung» kritisiert vor allem die Schweizer Politiker und moniert, dass der neue Skandal im Nationalratssaal (Debatte zur Grossbankregulierung «Too big to fail», Anm. d. Red.) kaum zu einem Umdenken geführt hat. Nationalräte lasen von ihren Manuskripten, als wäre in London nichts passiert. «Die Meinungen sind gemacht. Man will die Grossbanken nicht dazu zwingen, das riskante Investmentbanking abzustossen.»

(kub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rico am 16.09.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Moral?

    Toll finde ich ja die Aussage von Le Temps: Frage der Moral. Man erkläre mir doch bitte wo es hier noch Moral gibt in dieser Branche.

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  • Bruno Pfister am 16.09.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gerade Kurve....

    Moral und Banker ist wie eine gerade Kurve die gibts auch nicht!

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  • Sandro Hayek am 16.09.2011 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    besser nachhaltig investieren!

    wenn man eine kreditkarte haben möchte muss man alle seine daten offenlegen, die kredite für unternehmen sind überaus teuer oder werden wegen dem risikon gar nicht erst freigegeben. da frage ich mich bei all dem risikomanagement wie eine einzelen person soviel geld unbemerkt verzocken kann... es ist eine schande für jeden bürger der sein geld ehrlich und hart verdienen muss!

Die neusten Leser-Kommentare

  • 807687 am 18.09.2011 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Grübel hat seine Schäfchen...

    ...längst im Trockenen, jetzt geht es ihm nur noch um den Machterhalt. Ist eben auch eine Sucht. Der Teppichetage sollte man ihr Vermögen bis aufs Existenzminimum wegnehmen und damit den Schaden beheben, das wäre gerecht und dann erst kann man von Verantwortungsübernahme sprechen.

  • Hanna Itschner am 18.09.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Waqs Vertrauen, falsches Wort

    Geldgier ueberwiegt "Vertrauen"

  • Nicht möööglich! am 17.09.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Rücktritt eine Frage der Moral?

    Warum sollten Banken und Banker jetzt plötzlich Ethik und Moral zeigen. Hat doch die letzten 10 Jahre niemanden interessiert.

  • martha am 16.09.2011 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    grübel und co soll gehen

    herr grübel und co.muss gehen und endlich zur rechenschaft gezogen werden.und all die milliarden verluste vor gericht gestellt werden.bänker sein ist beruf wie jader andere auch,normal arbeiter wäre schon abgeholt worden.gleiche rechte für alle

    • fredi aus zürich am 17.09.2011 09:50 Report Diesen Beitrag melden

      Gleiches Recht für alle

      swissair grounding, ubs debakel. immer zahlen die nichtstudiereten ottonormalbürger für die WIRTSCHAFTSELITE. es ist an der zeit das einmal diese ElITE zur rechenschaft gezogen wird ohne wenn und aber

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  • Pendler aus Uster am 16.09.2011 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risk Management sollte auch die Vorgaben der Chef

    Wenn es stimmt, dass gegen den Franken gewettet wurde, muss man dem SWATCH Chef, Hr. Hayek, beipflichten. Er hatte schon ein paar Mal angemahnt und gewarnt, dass die CH-Banken mit dem CHF spielen. Jetzt kommt die Quittung und evt. haben noch andere Banken das gleiche Problem im Keller. Ohne es zu wissen ode zu kommunizieren. In der Aufarbeitung wird vielleicht einmal die SNB als der grosse Spielverderber entlarvt werden, wer weiss?