«Fast alles ist ungesund»

14. Juni 2019 10:11; Akt: 14.06.2019 10:30 Print

Ex-McDonald's-Manager warnt vor Fast-Food-Falle

von S. Spaeth - Harald Sükar war einst Topmanager bei McDonald's. Nun hat der Österreicher ein Buch geschrieben: Der Ex-Chef zeigt sich reuig und warnt vor der Fast-Food-Falle.

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Sie waren viele Jahre Manager in der Fast-Food-Branche. Ist Ihr Buch eine Abrechnung?
Nein. Ich bin immer noch begeistert von den Prozessen, wie sie bei McDonald’s ablaufen. Ich gehörte dem Konzern 13 Jahre lang an und verliess die Firma im Guten. Damals fand ich alles richtig, was ich tat. Das System McDonald's lässt keine Zweifel zu.

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Wenn das Buch keine Abrechnung sein soll: Was ist Ihr Antrieb?
Vor zwei Jahren hatte ich grössere gesundheitliche Probleme. Ich wog 110 Kilogramm bei einer Grösse von 177 Zentimetern. Da begann ich, mich zu fragen, wie es so weit kommen konnte, und vertiefte mich in Studien zum Thema Gesundheit. Die Erkenntnis: Fast alles, was wir bei McDonald's angeboten hatten, war ungesund.

Tönt das nach Reue?
Ja, ich empfinde Reue. Mir tut jedes einzelne Kind leid, das jetzt an Diabetes leidet. Ich bin als ehemaliger McDonald's-Manager mitschuldig am Übergewicht von Kindern und trage eine Verantwortung für die Folgeerkrankungen.

Dann war das Buch ein bisschen Therapie?
Ich startete meine Recherchen ohne Pläne für ein Buch. Dann begann ich zu erkennen, was alles falsch war am Fast-Food-System. Die dritte Phase, das Schreiben des Buches, war schon etwas Therapie.

Ist es nicht scheinheilig, als Topmanager von McDonald's viel Geld zu verdienen, dann aber Kritik zu üben?
Man kann das so interpretieren. Mir geht es um die Aufklärung. Ich will künftig in Schulen aufzeigen, in welchem Ausmass wir von Zucker überschwemmt werden. Zudem fordere ich neue Gesetze, denn ohne Druck nehmen die Konzerne ihre Verantwortung nicht wahr. Wir haben in der Welt erstmals mehr übergewichtige als untergewichtige Menschen.

Braucht es eine europäische Zuckersteuer?
Ja. Bis dahin ist es aber noch sehr weit. England hat bereits eine Zuckersteuer eingeführt mit der Folge, dass der Zuckergehalt von Getränken des Coca-Cola-Konzerns unter die Steuergrenze gesenkt wurde. Freiwillige Reduktionen sind Taktik, damit die Regulierung nicht streng ausfällt.

Versuchten McDonald's oder Burger King, Sie zu verklagen und das Buch zu stoppen?
Es gibt bis jetzt keine Klage. Ich behaupte nichts, was nicht belegt ist. McDonald's wird aber bestimmt Juristen beauftragen, um abzuklären, was sie gegen das Buch tun könnten. Doch eine Klage würde den Buchverkäufen nur nützen.

Werden McDonald's-Mitarbeiter einer Gehirnwäsche unterzogen?
McDonald's versteht es wie kein Zweiter, den Mitarbeitern die Firmenkultur einzutrichtern. Es hiess intern immer, die Leute müssten sich nur genug bewegen, dann könnten sie alles essen. Das habe ich nie hinterfragt. Heute ist mir klar: Das ist die Lüge der Zuckerindustrie. Ungesundes bleibt auch mit Bewegung ungesund. Zudem werden Gemüse-Kalorien anders verwertet als solche von zuckerhaltigen Getränken.

Im Buch vergleichen Sie Fast-Food-Anbieter mit Dealern. Sie übertreiben massiv, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Das ist etwas überspitzt formuliert. Im Kern kommt es aber hin. Zucker ist wie eine Droge, man wird süchtig. Je mehr Zucker jemand konsumiert, desto mehr braucht er künftig, um das gleiche Glücksgefühl zu erhalten. Besonders gefährdet sind Kinder, denn in jungen Jahren wird das Empfinden für Geschmacksrichtungen entwickelt.

In den USA sind fast 40 Prozent der Menschen stark übergewichtig. Ist McDonald's schuld daran? Die Leute können doch frei entscheiden, wo sie essen.
Wenn jemand mal abhängig ist von Fast Food, kann er nicht mehr frei entscheiden. Längst wird auf Zigarettenpackungen gewarnt, dass Rauchen ungesund ist. Solche Warnhinweise braucht es auch auf Fast Food. Die Gesellschaft wird die dadurch verursachten Gesundheitskosten nicht ewig bezahlen wollen. Es geht nicht, dass die Industrie mit Zuckerbomben Geld einsackt, aber die Allgemeinheit für die Folgekosten bezahlt.

Mein Sohn ist vier Jahre alt und war noch nie bei McDonald's. Er erkennt aber das Logo. Was sagt das über McDonald's aus?
Das zeigt das perfekte Marketing. Das goldene M hat einen enorm hohen Wiedererkennungswert. Kindern und Jugendlichen Fast Food zu verbieten, wird nicht funktionieren. Mein Rat: Gebt den Kindern viel Früchte und Gemüse, dann werden sie Fast Food nicht mögen.

Sie ernähren sich heute vegetarisch und meiden den Zucker. Wie geht es Ihnen?
Mir geht es viel besser, die Waage zeigt noch 89 Kilo an. Erst jetzt merke ich: Der viele Zucker hat mein Gehirn benebelt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ju DITH am 14.06.2019 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wiiiiieso nichts im Mass, wieso!?

    Er machts richtig, im Nachhinein noch einmal Geld verdienen ... =) Wir gehen ab und zu auch zu den Burgergiganten Mc.D. und BurgK.! Mit unseren 3 Kindern. Wieso kann man es nicht im Mass geniessen. Wenn die tägliche Bewegung und sonst die Ernährung gut ist, sollte doch zwischendurch so ein Burger-Menü drin sein!! Aber heutzutage müssen wir ja immer alles übertreiben und ausnutzen . . . .

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  • Simon am 14.06.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Wenn man alle zwei Monate mal zu McDonalds geht, ist das gesundheitlich unbedenklich. Wenn man pro Jahr 2 Zigaretten raucht ist das ebenso unbedenklich. Schlussendlich ist doch jeder selber dafür verantwortlich, was er mit seinem Körper macht.

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  • Markus am 14.06.2019 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern sind schuld

    Schuld daran sind einzig die Eltern. Sie erlauben ja den Kindern so was zu essen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 15.06.2019 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    nur selten Fast Food

    ich bin sehr oft geschaeftlich in USA, mir ist dort beim vorbeifahren oefter aufgefallen, dass kaum einer zu Mc D geht, allerdings die "gesunden" Ketten wie Boston Market, Panera Bread usw. immer voll sind - Ich selbst war bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr in einem Mc D, bei Burger K und KFC war ich uebrigens bestimmt auch schon seit 2 Jahren nicht mehr - In USA esse ich aber hin und wieder mal Fast Food, aber wahrscheinlich auch nur weil es die Laeden bei uns nicht gibt (Taco Bell, Arbys, Five Guys, Wendys usw.)

  • Ex-Restaurant-Manager am 15.06.2019 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt alles

    Stimmt alles, was der Autor behauptet. Habe selber 5 Jahre lang bei McDonalds gearbeitet, die letzten zwei Jahre als Restaurant Manager. Fast Food Ketten richten enormen gesundheitlichen Schaden an. Die strengere Gesetze werden durch starkes Lobby verhindert, sie sind aber überfällig. Kauft und isst nichts vom Fast Food, eigener Gesundheit zuliebe.

    • Yanik am 15.06.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ex-Restaurant-Manager

      Ich denke mal es ist eine Frage der Menge. Mal ab und zu Fast Food führt nicht gerade zum Tod

    • Ähm.... am 15.06.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ex-Restaurant-Manager

      Ich denke man darf durchaus davon ausgehen, dass erwachsene Menschen das selber entscheiden können und kein Buch eines Ex-Managers benötigen dafür.

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  • Giba am 15.06.2019 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss ja nicht jeden Tag ins Mc Donald's gehen

    Ich gehe ungefähr einmal im Monat ins Mc um mir was zu gönnen. Ansonsten ernähre ich mich jeden Tag gesund.

    • Peterli am 15.06.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      Ohala

      Um dir was zu gönnen ?! Dann kauf dir ne Erdbeer Torte oder eine feine teurere Pizza aber sicher nicht McD...das ist eher eine Strafe als sich was gönnen :D

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  • Aber... am 15.06.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatliches Zucker-Dekret? Nein danke.

    Zuckersteuer finde ich bedenklich, weil dann die Produktkosten erhöht werden können und die Kosten auf den Konsumenten abgewälzt werden. Wenn mit diesen Steuern aber das Gesundheitswesen direkt mitfinanziert werden könne, wäre das eher ein Fortschritt. Aber schlussendlich hilft staatliches Diktat nichts: Der Konsument muss selbst entscheiden. Wir haben schliesslich genügend Möglichkeiten, uns zu informieren.

  • Peter am 15.06.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nur in den USA

    Also meine Frau und ich essen nur einen BicMac wenn wir in den Staaten sind und das nur beim Drive Inn, wir finden das so richtig schön dekadent mit dem Auto vorzufahren, die Bestellung durchzugeben, den BicMac und die Riesencola dann bei der Weiterfahrt zu geniessen!! Was ich allerdings sagen muss, 2h später haben wir regelmässig einen geblähten Bauch und Heisshunger weil der BicMac lediglich ein Magenfüller ist, aber dem Körper keine Nährstoffe zuführt, entschuldigung mit Ausnahme der Gurkenscheibe:-))

    • Martial2 am 15.06.2019 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Beim Autofahren sollte man weder essen noch trinken, sondern eine Pause einlegen. Big Mac am Steuer sieht nicht gerade appetitlich aus!!

    • stimmt so am 15.06.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Deshalb bestelle ich meinen Burger auch immer ohne Gurken

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