Leser über ihre Schulden

24. August 2019 21:10; Akt: 24.08.2019 21:10 Print

«Mein Freund gab meinen ganzen Lohn aus»

Leasing, Schönheits-OP und verschwenderische Partner: 20-Minuten-Leser erzählen, warum sie Schulden haben.

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Das Verschuldungsrisiko ist bei jungen Schweizern besonders hoch. Das besagt eine neue Studie des Inkasso-Unternehmens Intrum. Alarmierend ist laut Intrum auch die Tendenz, dass die Schweizer es nicht mehr schaffen, die Schulden bis Ende 30 abzubauen.

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20 Minuten hat die Leser gefragt, wie sie sich verschuldet haben. Hier sind ihre Geschichten:

«Kredit für eine Schönheits-OP»

Sina D. (25): «700 Franken pro Monat fürs Auto-Leasing schienen mir am Anfang wenig Geld. Ich verpflichtete mich für vier Jahre. Zuvor hatte ich zudem einen Kredit aufgenommen – für eine Schönheits-OP. Dafür lege ich im Monat zusätzlich 800 Franken hin. Jetzt kann ich meine Steuern nicht zahlen und habe Schulden. Nie wieder Leasing oder Kredit!»

«Es fing mit 8000 Franken an»

Theo M. (25): «Als ich meine Lehre abgeschlossen hatte, fand ich keine Stelle. So konnte ich meine Fixkosten nicht bezahlen. Mit der Zeit häuften sich Schulden über 8000 Franken an. Als ich einen Privatkredit aufnahm, um diese Schulden zu bezahlen, kamen wieder neue hinzu, weil ich mehrmals die Stelle verlor. Und so hat sich der ganze Kreislauf stetig wiederholt ...»

«Mein Freund gab alles aus»

Maja B. (28): «Ich war nach der Lehre arbeitslos und jobbte am Wochenende in einem Club, verdiente aber nicht viel. Oft gab mein Freund, der nicht mit Geld umgehen konnte, mein ganzes Einkommen aus. Irgendwann waren meine Ersparnisse aufgebraucht. Ich habe Schulden von der Krankenkasse und den Steuern, die ich bis heute nicht bezahlen kann.»

«Immer neue Kreditkarten bestellt»

Armin H. (30): «Ich habe meine Kreditkartenrechnung nie bezahlt und dann einfach neue Kreditkarten bestellt. Jetzt habe ich 67'000 Franken Schulden. Na ja, mein Leben geht weiter.»

«Für den Vater Schulden gemacht»

Tina S. (24): «Nach der Lehre fing ich die BMS an. Ich habe 50 Prozent gearbeitet. Mein arbeitsloser Vater hat mich gebeten, auf Kredit ein Auto zu kaufen, damit er Uber-Fahrer werden kann. Inklusive Zinsen habe ich jetzt Schulden von 14'000 Franken, und mein Vater kann mir das Geld nicht zurückzahlen.»

«Nach der Scheidung häuften sich Schulden an»

Martin F. (36): «Nach der Trennung von meiner damaligen Frau fiel ich in eine Depression und wurde auf das Existenzminimum gesetzt. Sie wollte sich nicht scheiden lassen, weil sie dadurch keinen Unterhalt mehr für sich bekommen hätte. In dieser Zeit habe ich meine Briefe nicht mehr aufgemacht und das Steueramt hat mein Einkommen jährlich um ca. 33 Prozent höher eingestuft. So haben sich rund 50'000 Franken Steuerschulden und 20'000 Franken andere Schulden angehäuft.»

«Hohe Rechnungen sind ein Problem»

Giulia L. (27): «Ich bin verheiratet und habe ein Kind. Wir haben Schulden, weil wir die Krankenkasse und Billag nicht zahlen können – und die Steuern auch nicht. Wir kommen im Monat nur knapp durch. Ich und mein Mann arbeiten 100 und 80 Prozent. Wir haben keine Ausbildung und darum einen niedrigen Lohn. Sobald eine hohe Rechnung kommt, haben wir ein Riesenproblem.»

«Least nie ein Auto!»

Fred M. (25): «Ich habe mit 21 ein Auto geleast (nein, keinen BMW!). Ich bin immer noch dran, diesen Wagen abzubezahlen. In zwei Jahren werde ich es endlich geschafft haben. Ich musste mich bei den Ausgaben extrem einschränken, ging nicht mehr in den Ausgang. Luxus wie ein neues Handy kann ich vergessen. Ein Tipp an alle: Least nie ein Auto, wenn ihr noch in der Lehre seid!»

«Kaufte Dinge, die ich nicht brauche»

Nico C. (28): «Ich habe Schulden von 20'000 Franken. Wie ich das geschafft ­habe, weiss ich bis heute nicht. Alles fing damit an, dass ich nach einer Trennung ­sofort ausziehen musste. Ich bezog notfallmässig eine Wohnung und beantragte einen Kleinkredit für Möbel. Ich kam in ein Tief und kaufte mir Dinge, die ich nicht brauchte. Nur damit gings mir besser.»

«Wegen Scheidung in finanzieller Notlage»

Steve K. (36): Als ich 25 war, hat sich meine Frau von mir getrennt. Ich musste plötzlich alle Kosten selber tragen. Gleichzeitig verlor ich wegen der Wirtschaftskrise 2008 meinen Job. Da wir noch verheiratet waren, musste ich für Alimente, gemeinsame Steuern und die Wohnungsmiete für meine Familie aufkommen. Meine eigenen finanziellen Verpflichtungen wie die Krankenkasse konnte ich nicht mehr begleichen. Da kamen die ersten Betreibungen. Seit zehn Jahren lebe ich am Existenzminimum und bin in einer finanziellen Notlage. Meine Eltern müssen mich mit 36 Jahren noch immer Ende Monat finanziell unterstützen, während meine Ex-Frau, die als Filialleiterin arbeitet, sich Ferien in der Karibik leisten kann.»

Namen von der Redaktion geändert

(vb)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ratatouille am 24.08.2019 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Entwicklung

    Leasing während der Ausbildung statt Velo und öV, Schönheits-OP um in der breiten Masse unter zu gehen, Kredit für neue Möbel statt bei tutti schauen, dem Freund das Konto anvertrauen.... was ist bei euch bloss schief gelaufen?!

    einklappen einklappen
  • SiBe am 24.08.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schulden

    Und ich dachte, die Kreditvergabe ist verboten wenn Sie zur Verschuldung des Kreditnehmers führen kann. Wo bleibt da die Kontrolle?

    einklappen einklappen
  • Caroline am 24.08.2019 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    Wie kann man in der Lehre ein Wagen leasen? Bei einem Leasing Vertrag werden sowohl Einkünfte wie auch Ausgaben geprüft! An alle die Schulden haben: Ihr macht was grundlegend Falsch! Die meisten haben nie gelernt mit Geld umzugehen! Man muss nicht immer das teuerste etc haben! Mein Mann und ich sparen jeden Monat viel Geld das wir viele tolle Reisen machen können, dafür "verzichten" wir dafür auf anderen Luxus, dies aber sehr gerne! An den Mann nach der Scheidung: das ist bitter und ungerecht! Männer werden in der Schweiz zu fest ausgenommen!! Halte durch

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • gusti am 28.08.2019 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Scheidung

    Ein Problem das uns zu denken geben müsste! Was stimmt nicht? wir haben doch Gleichberechtigung! Sind die Urteile so ungerecht!?

  • Julia am 27.08.2019 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    sparen dann kaufen

    Zum Glück habe ich keine Schulden. Ich kaufe mir erst etwas Teures, wenn ich das Geld zusammen gespart habe. Leider habe ich auch schon Leuten Geld geliehen, und dann nicht mehr zurückbekommen. Sowas schadet jeder Beziehung und ich würde niemandem mehr Geld leihen.

  • Frido am 27.08.2019 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild

    Der Staat macht es ihnen ja vor, über die Verhältnisse leben...

  • zürcher patriot am 27.08.2019 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    auch positiv

    Schulden sind positiv für die Wirtschaft. Für Büezer ist es gut, Schulden zu haben, dann gewöhnen sie sich an die Gesetze unserer Wirtschaft. Das ist gut für das Chrampfen für die Wohlhabenden.

  • Petra am 26.08.2019 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Loredana

    Ich habe über 700 000 Schulden. Loredana hat mir alles genommen mit Ihrem Bruder