Thomas Minder

14. Dezember 2010 14:28; Akt: 14.12.2010 15:46 Print

«Ich habe die Schnauze voll»

von Sandro Spaeth - Der Ständerat hat erneut über die Abzocker-Initiative diskutiert. Der Initiant erklärt, was er von den Politikern hält und weshalb er die Initiative nicht zurückziehen wird.

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Manager-Schreck Thomas Minder. Im Hintergrund Altbundesrat Christoph Blocher. (Bild: Keystone)

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20 Minuten Online: Herr Minder, weshalb waren Sie heute nicht in Bern und verfolgten die Debatte von der Tribüne aus?
Thomas Minder: Ich habe die Schnauze voll vom Parteigeplänkel. Die Politik ist verlogen. Die Debatte um die Abzockerproblematik dauert nun schon 33 Monate und viel Gescheites ist dabei nicht herausgekommen. Was heute im Ständerat debattiert wird, ist bereits der 17. Vorstoss zum Thema.

Man wird den Verdacht nicht los, dass das Parlament auf Zeit spielt.
In der Tat. Darum wurde der Termin für die Beratung im Ständerat noch auf die letzte Woche der Wintersession gelegt. FDP und CVP wollen vor allem verhindern, dass die Initiative im Wahljahr vors Volk kommt. Dabei ist das Abzocker-Thema so aktuell wie nie zuvor.

Weshalb?
Die Managerlöhne sind wieder so hoch wie vor der Finanzkrise, doch die Politik will das Problem gar nicht lösen. Die Räte begreifen nicht, was das Volk will.

Dann sollten Sie nach Bern. Nächstes Jahr sind Wahlen.
Ich würde nicht ins Parlament passen. In Bern kann man nichts bewegen. Das sind die Gründe, weshalb ich nicht kandidiere. Die Schaffhauser Wähler können meinen Namen aber trotzdem auf den Zettel schreiben. Nur ist die Partei für mich noch nicht erfunden.

Zurück zur Debatte im Ständerat. Dort wurden drei Modelle zur Besteuerung von Boni über 3 Millionen behandelt. Was halten Sie davon?
Diese Modelle haben alle den falschen Lösungsansatz. Der Eigentümer – also die Aktionäre – müssen das Sagen über Vergütungen haben. Es ist nicht gut, wenn in der Bonifrage der Staat ins Spiel kommt.

Also wird Sie keines der drei Modelle zum Rückzug der Initiative bewegen?
Die Räte können so lange debattieren, wie sie wollen. Ich ziehe die Abzocker-Initiative nicht zurück. Das einzige, was gilt, ist die Einigungslösung mit der SVP – und in jenem Kompromiss ist auch die Boni-Thematik geregelt. Es ist vorgesehen, dass die Generalversammlung die Bezüge der Geschäftsleitung und die Boni absegnen muss.

Eine Ständeratskommission will durch die Hintertür sogar goldene Fallschirme zulassen.
Das ist ein Affront. Ich will ein komplettes Verbot von Antritts-, Abgangsentschädigungen und Prämien für Manager bei Firmenkäufen. Es ist mir aber schon klar, dass die FDP am liebsten keine Regelung hätte.

Was halten Sie als Unternehmer denn von der Wirtschaftspartei FDP?
Nicht viel. Diese Partei hat sich das Grab selber geschaufelt und wird nächstes Jahr unter 10 Prozent Wähleranteil fallen. Sie ist keine Wirtschaftspartei mehr und macht nur noch Politik für Multis. Sie schützt die Abzocker. Noch viel schlimmer ist aber der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Er ist zu sehr mit der Wirtschaftselite verfilzt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Keller am 15.12.2010 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Minders Kampf gegen die Betrüger

    Es geht den Managern nicht mehr darum die Firma zum Erfolg zu führen, sondern bei den Meisten nur um das eigene Einkommen. Die Aktionäre als Geldgeber haben nichts zu sagen, und so kann VR und Direktion den Gewinn für sich abschöpfen, und betrügen so intitutionelle Pensionskassen und Sozialintitutionen um ihre Gelder. Die Börsenkurse von Novartis, CS und UBS in den letzten 10 Jahren als Beispiel sind aussagekräftig.

  • Roger am 20.12.2010 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Mitarbeiter keinen Lohn für Manager!!

    Diese Manager welche tief und tiefer in die Kasse greifen und sich damit "Schamlos" Bereichern sollten sich bewust sein, dass sie ohne Ihre Mitarbeiter gar keinen Lohn hätten.... Die Mitarbeiter bestimmen auch, den Wert einer Firma. Schlechtes und fehlerhaftes Produkt lässt sich nicht verkaufen. Unzuverlässige Mitarbeiter bringen eine Firma in misskredit und kostet die Firma an Glaubwürdigkeit. Manager hin oder her!! Daher schlage ich vor, dass ein Teil des Gewinnes als Soziale-Rückstellung für die Mitarbeiter gemacht werden muss.

  • Diego Freyler am 17.12.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Vater

    Mein Vater war auch Manager aber dennoch auch ein praktiker alte Schule halt. Das fehlt den Managern heute! Um es mit den seinen Worten zu sagen alles was 350k Salär übersteigt ist unanständig und durch keine Arbeit eines Managers zu rechtfertigen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • adi wgraph am 07.11.2013 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker Initiative

    Viele Argumente zählen für u.viele gegen die 1:12 Initiative. Bei der Annahme der Initiative werde ich als Selbständiger Unternehmer ein zweites Unternehmen gründen, nämlich ein Einzelunternehmen für mich. Sodann werde ich bei meinem Hauptunternehmen nur noch als freischaffender Mitarbeiter mit entsprechend ausgearbeitetem Vertrag im sogenannten Auftrag die Führungsaufgaben erledigen. Dadurch kann ich elegant die 1:12 Initiative umgehen. Mit dieser Initiative blähen wir einzig unser Wirtschaftssystem mit mehr Einzelunternehmer auf und es hilft in keiner Weise, überhöhte Löhne zu stoppen.

  • Roger am 20.12.2010 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Mitarbeiter keinen Lohn für Manager!!

    Diese Manager welche tief und tiefer in die Kasse greifen und sich damit "Schamlos" Bereichern sollten sich bewust sein, dass sie ohne Ihre Mitarbeiter gar keinen Lohn hätten.... Die Mitarbeiter bestimmen auch, den Wert einer Firma. Schlechtes und fehlerhaftes Produkt lässt sich nicht verkaufen. Unzuverlässige Mitarbeiter bringen eine Firma in misskredit und kostet die Firma an Glaubwürdigkeit. Manager hin oder her!! Daher schlage ich vor, dass ein Teil des Gewinnes als Soziale-Rückstellung für die Mitarbeiter gemacht werden muss.

  • Diego Freyler am 17.12.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Vater

    Mein Vater war auch Manager aber dennoch auch ein praktiker alte Schule halt. Das fehlt den Managern heute! Um es mit den seinen Worten zu sagen alles was 350k Salär übersteigt ist unanständig und durch keine Arbeit eines Managers zu rechtfertigen!

  • Guschti am 16.12.2010 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wähle das ORIGINAL!

    Als Dankeschön, dass Herr Thomas Minder dieses Problem in Angriff nahm, und einmal mehr, um den Parlamentariern zu zeigen, was ich von ihnen halte. Auch Minder's nächste Initiative hat meine vollste Unterstützung. 1 Jahr ist genug!

  • Jamc am 16.12.2010 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nur eine frage der Zeit ...

    ... bis es wieder zu Klassenkrieg kommt. Es kanns nicht sein dass 10-20% der Bevölkerung 80-90% des Weltvermögens besiszt.

    • oegen@bluewin.ch am 16.12.2010 23:29 Report Diesen Beitrag melden

      Die "Bombe" tickt

      Bravo - bin auch der Meinung - die "Bombe" tickt - nur sind die in Bern einfach anderer Ansicht...oder einfach Gehörlos??

    • berni am 17.12.2010 00:20 Report Diesen Beitrag melden

      nichts neues...

      als wäre das etwas neues. war immer so und wird noch verstärkt. alles andere ist illusion.

    • Peter Schmailzl am 17.12.2010 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst Verantwortung übernehmen

      Der Klassenkampf hat schon lange begonnen, und wird auf dem Rücken der schwächsten ausgetragen, und dies ohne Kriegserklärung. So eine Kriegsführung empfinden sogar Terroristen als unwürdig. Schämen sollten sich die Bürger, die diese Politiker unüberlegt wählen oder zu faul sind, einen Stimmzettel auszufüllen Da kann ich nur sagen, selbst schuld! Herr Minder, ihre Iniziative ist ein wichtiger erster Schritt, der nächste wäre Ihre Kandidatur.

    • Ueli am 18.12.2010 08:15 Report Diesen Beitrag melden

      Vorbild für das Volk ein Denkstoss

      Ich bin kein gehlerter, für mich ist die Abzockerprämie, das selbe wie, wenn ich als Privat Person Konkurs gehe. Mein Fallschirm ist der Staat, weil ich ein mind. Eikommen haben muss um zu überleben. So brauchen wir uns über nichts mehr sorgen zu machen oder?

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