Neue Post-Chefin

22. November 2011 13:50; Akt: 22.11.2011 21:48 Print

«Ich kenne die Post nur von aussen»

von Balz Bruppacher - Eigentlich wollte sie Pilotin werden, nun pilotiert Susanne Ruoff bald die Post. Mit der Wahl der 53-Jährigen ist dem Gelben Riesen ein Coup geglückt.

storybild

Ihren Führungsstil umschrieb Ruoff mit den Worten Zuhören, Vertrauen haben sowie Fördern und Fordern im Team (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Post-Verwaltungsratspräsident Peter Hasler freute sich königlich, dass es gelungen war, den Namen der bereits am 12. November gewählten neuen Konzernchefin unter Verschluss zu halten. Entsprechend war die Dramaturgie an der Medienorientierung im Posthauptsitz Schönburg in Bern aufgebaut. Minutenlang schilderte Hasler die Ausgangslage und den Evaluationsprozess für die Nachfolge von Jürg Bucher, der Ende August 2012 in Pension geht. Erst dann ging der Verwaltungsratspräsident begleitet von Tross der Fotografen und Kameraleute vor die Tür und bat die Gewählte herein.

Ein Raunen ging durch die Medienschaffenden. Denn niemand schien zu wissen, um wen es sich bei der grossgewachsenen, eleganten Frau handelt. Auch im Verwaltungsrat hatte gemäss Hasler niemand Susanne Ruoff gekannt, bevor die langjährige IBM-Managerin ins Visier des von der Post beauftragten Headhunters kam. Und das Rennen unter anfänglich 200 möglichen Persönlichkeiten machte. Und zwar mit Bravour, wie Hasler bemerkte.

«Ich freue mich riesig», sagte die designierte Post-Chefin mit strahlendem Lachen. Sowohl ihre kurze Stellungnahme zur Wahl wie auch ihre Aussagen im Interview-Marathon am Schluss der Medienkonferenz waren von Respekt, aber auch von Zuversicht geprägt. «Ich kenne die Post nur von aussen und freue mich, sie nun von innen kennenzulernen», sagte Ruoff. Es sei ihr aber klar, dass es sich bei der Post um ein anderes Unternehmen als IBM und Britisch Telecom (BT) handle. Ihre Erfahrungen bei den beiden internationalen Grosskonzernen – zwei Jahrzehnte bei IBM und zuletzt CEO von BT Switzerland - prädestinieren Ruoff aber, die Post in die digitale Zukunft zu führen.

Keine Hemmschwellen gegenüber Politikern

«Politische Netzwerke habe ich bisher nicht gepflegt», räumte die Deutschschweizerin mit Wohnsitz in Crans-Montana im französischsprachigen Teil des Wallis ein. Sie möchte sich auch politisch nicht einordnen, sagte aber zum Kontakt mit Politikern: «Ich habe keine Hemmschwellen». Ihren Führungsstil umschrieb Ruoff mit den Worten Zuhören, Vertrauen haben sowie Fördern und Fordern im Team. Einen Frauenbonus beansprucht sie nicht. Er spielte auch bei der Wahl der in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Managerin überhaupt keine Rolle, wie Hasler versichert.

«Ich habe auch noch einen Mann»

«Ich habe auch noch einen Mann», antwortete Ruoff auf die Frage, wie sie berufliche Karriere und Familie unter einen Hut brachte. Die heute 18 und 20 Jahre alten Kinder wurden zunächst gemeinsam erzogen. «Dann habe ich die Aussenarbeit und er die Innenarbeit übernommen», bemerkte die Frau, die sich nach einer Berufslehre permanent weiterbildete und Studien und Lehrgänge an der Universität Freiburg, am französischen Wirtschaftshochschule Insead und an der HSG absolvierte. «Es ist Ehrgeiz, es ist Können da», lobte Hasler die neue Konzernchefin.

Skifahren und Wandern in knapp bemessener Freizeit

Skifahren und Wandern gehören zu Ruoffs Freizeitbeschäftigungen, «wenn ich trotz vielen Reisen einmal in Crans-Montana bin». Die beiden Kinder sind in Sitten zur Schule gegangen und perfekt zweisprachig aufgewachsen. Der Mann der viel beschäftigten Managerin besitzt im Wallis unter anderem einen Weinberg, wie Hasler verriet. Ruoff selber wollte laut einem Interview von «NZZexecutive» als Kind Pilotin werden. Nun pilotiert sie den zweitgrössten Arbeitgeber der Schweiz in eine Zukunft mit zahlreichen Herausforderungen. «Ich habe keine Angst», sagte sie. Das brauche sie auch nicht pflichtete der abtretende Konzernchef Bucher bei. Denn die Post sei gut unterwegs und brauche auch das Restmonopol in der Briefpost nicht, um die Zukunft erfolgreich zu bewältigen.

Ruoff tritt am kommenden 1. Juni ihren neuen Job an und hat damit drei Monate zur Einarbeitung, bevor sie am 1. September Bucher ablösen wird. Sie ist die vierte Person an der Spitze des Konzerns innerhalb von vier Jahren. Im April 2009 löste Michel Kunz den langjährigen Konzernleiter Ulrich Gygi ab. Nach einem Machtkampf mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Claude Beglé kam schon zehn Monate später das Aus für Kunz. Er wurde im Dezember 2009 per sofort durch Jürg Bucher ersetzt, den erfolgreichen Chef der Finanztochter Postfinance. Beglés kurzes Gastspiel an der Spitze des Verwaltungsrats wurde im Januar 2010 beendet. Seither präsidiert der ehemalige Arbeitgeberdirektor Hasler das Aufsichtsgremium.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • susoft am 22.11.2011 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dass kommt gut!

    Ich war mit Ihr sehr zufrieden, bei IBM

  • Andrea K am 25.11.2011 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fr. 16 pro Stunde

    Den Zeitungsverträgern, welche für Fr. 16 die Stunde Ihren Job machen müssen, kann es eigentlich egal sein, wer nun an der Spitze ist. Wenn man dies auf einen Monatslohn hochrechnen würde: Fr. 16 x 8.4h x 21 Taage = Fr. 2822.40 pro Monat und das nur 12x im Jahr, den 13. gibts ja nicht. Dies ist nur eine hässliche Seite der Post von vielen. So einen Missstand sollte man Aufheben. Jeder hat mind. 20 Fr. pro Stunde verdient.

    einklappen einklappen
  • marc am 22.11.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Wieder einmal hat man fähige interne Personen einfach übergangen, mit der Folge, dass diese nun innerlich kündigen werden. Kennt man doch zur Genüge...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nichte am 29.11.2011 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Im Vornherein urteilen...

    Wie können Sie alle schon über sie urteilen bevor Susanne Ruoff ihre Arbeit aufgenommen hat?! Ich bin nämlich überzeugt, dass das ganz gut klappen wird! Lassen wir doch die völlig negativen Kommentare bis sie in die Arbeit eingestiegen ist und wir sehen wies läuft... "Liebs "Tanti" ich wünsch dr alles Gueti! Und mr sind all total stolz uf di!"

  • Marcel am 25.11.2011 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Aussichten

    Man muss kennen was man führen will. Frau Ruoff wird 2 Jahre brauchen, bis sie nur alle Ansprechpartner kennt. Sie mag super Qualitäten haben: Meine Prognose ist trotzdem, dass sie scheitern wird (und die Post leider dabei Schaden nimmt).

  • Andrea K am 25.11.2011 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fr. 16 pro Stunde

    Den Zeitungsverträgern, welche für Fr. 16 die Stunde Ihren Job machen müssen, kann es eigentlich egal sein, wer nun an der Spitze ist. Wenn man dies auf einen Monatslohn hochrechnen würde: Fr. 16 x 8.4h x 21 Taage = Fr. 2822.40 pro Monat und das nur 12x im Jahr, den 13. gibts ja nicht. Dies ist nur eine hässliche Seite der Post von vielen. So einen Missstand sollte man Aufheben. Jeder hat mind. 20 Fr. pro Stunde verdient.

    • Pascal am 25.11.2011 22:46 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Die Zeitungsträger sind extern angestellt, da Herr und Frau Schweizer ja die Liberalisiertung des Postmarkts wünschen. Das sind halt die Folgen davon. Die Post hat einen Gesamtarbeitsvertrag MIT 13. Lohn.

    einklappen einklappen
  • Bidu am 24.11.2011 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Chefin ist nicht so wichtig.

    Die schweizerische, kompetente MitarbeiterInnen sind sehr wichtig. Ohne sie läuft die Post nicht. Ich verstehe nicht, dass die Chefin viel Geld verdient hat.

  • B. Marke am 23.11.2011 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Good Luck

    Kenne die Dame nicht und hoffe dass sie mit ihrer Aussensicht neue Ideen einbringen kann. Immerhin ist niemand zum Zug gekommen der die Schweiz nur von Aussen kennt............