Callcenter im Ausland

09. Mai 2012 11:12; Akt: 09.05.2012 12:23 Print

„Ich sprach Dialekt – da legte sie einfach auf“

Firmen wie Orange und Sunrise wickeln Kundenanfragen im Ausland ab – vielen Lesern stösst das sauer auf. Schlecht weg kommt aber auch die Fluggesellschaft Swiss.

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Vor allem Telekom-Firmen leiden unter Kommunikationsproblemen.

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Schweizer Firmen mit Schweizer Preisen, die Anrufe im Ausland beantworten lassen, kommen bei den Lesern von 20 Minuten Online schlecht weg. «Solche Praktiken müssen mit einem Boykott beseitigt werden. Denn die Firmen begründen ihre hohen Preise ja immer mit den hohen Personalkosten hier in der Schweiz», schreibt ein Angestellter eines grossen Schweizer Telekommunikations-Unternehmens. Er ist nicht der Einzige. Viele Callcenter-Angestellte, die sich gemeldet haben, beobachten mit Sorge, wie immer mehr von ihren Kollegen buchstäblich ins Ausland ausgelagert werden.

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Das schlägt durch auf die Qualität. «Eineinhalb Stunden habe ich in der Sunrise-Hotline gewartet, bis ich durchgestellt wurde», berichtet Leserin Tanja Rosenthal. «Als ich endlich jemanden am Telefon hatte, wurde ich regelrecht genötigt, Hochdeutsch zu sprechen. Trotzdem verstand der Mitarbeiter nicht, was ich wollte.» Noch schlimmer erging es Sunrise-Kundin Christine Leuthold. Zweimal schickte sie vergebens einen Fax an den Kundendienst. Erst nachdem sie ihren Telefonvertrag völlig entnervt gekündigt hatte, bekam sie einen Anruf. Von einem englisch sprechenden Mitarbeiter. Eine Orange-Kundin berichtet wiederum, wie sie über die Hotline internationale Kontakte knüpfte – zu einer norwegischen Studentin.

Swiss hebt international ab

Neben den Telekommunikationsunternehmen kommt allerdings auch die Fluggesellschaft Swiss schlecht weg. Die Lufthansa-Tochter gibt sich schweizerisch, zumindest in der Qualität und im Preis. Bei der Hotline aber sei es fast unmöglich, mit jemandem in Dialekt zu sprechen, erzählen viele Leser. «Die Dame am Telefon forderte mich auf, Hochdeutsch zu sprechen», berichtete Gabriela. «Ich habe trotzdem weiter Dialekt gesprochen, da wurde einfach aufgelegt.»

Laut Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack betreibt die Airline mehrere Callcenter im In- und Ausland. «Nur ein Drittel der Anrufe bei Swiss stammen aus der Schweiz selber. Dementsprechend international ausgelegt sind auch unsere Callcenter.»

Doch es gibt auch Leser, die kein Problem mit sprachlicher Vielfalt am Telefon haben. User Otna schreibt: «Wenn ihr nach Deutschland zum Einkaufen geht, redet ihr doch auch Hochdeutsch. Und bis jetzt ist noch niemand daran gestorben.»

(rba)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn Jemand mit mir Hochdeutsch redet und ich merke, dass diese Person mit meinem Dialekt mühe hat, dann passe ich mich an. Wofür lernen wir Hochdeutsch in der Schule? Wenn Herr und Frau Schweizer ins Ausland gehen, dann sollte man sich auch anpassen können. Die Hotlines sind Dienstleister und als solche müssen Sie sich verhalten. Ein Kunde ist nicht König sondern ein Partner meiner Meinung nach... Bei den Kommentaren von 20min schreiben auch 3/4 auf Schriftdeutsch und nicht Mundart... – Steven P.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simone am 09.05.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Service-Wüste CH

    Mit Sunrise habe ich die übelsten Erfahrungen. Hochdeutsch sprechende Mitarbeiter, unfreundlich, arrogant, hören nicht zu, hängen einem das Telefon auf... also das geht nicht. Und ich finde ich schon, dass der Kunder der König sein sollte, aber wir sind ja in der Service-Wüste Schweiz, wo alles teurer ist, aber immer weniger besser. Grundsätzlich finde ich, dass wir bei CH-Hotlines CH-deutsch sprechen dürfen und wenn das Gegenüber es nicht versteht, darum bittet, dass wir Hochdeutsch sprechen, dann mache ich das auch gerne. Viele Deutsche verstehen ja auch CH-Deutsch.

  • marc am 10.05.2012 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Fremdsprache

    Also ich Arbeite zwischendurch in Deutschland, wo ich verständlicherweise Hochdeutsch sprechen muss, was mir jedesmal schwer fällt. Denn Hochdeutsch ist und bleibt eine Fremdsprache. Ausser in der Schule kommen die meisten nie in die Situation Hochdeutsch sprechen zu müssen. Schreiben und Verstehen ist kein Problem, nur die Routine beim sprechen fehlt meist, daher wird es mehr und mehr zur Fremdsprache. Mir passiert es oftmals, dass ich einen Satz beginne und grammatisch nicht zu Ende sprechen kann. Die Übung fehlt...

  • jürg schneider am 09.05.2012 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Dialekt

    Stimmt nicht! Wenn ich Jestetten einkaufe und anschliesend Mittagesse kann ich Problemlos Dialekt sprechen. Wenn mal ein Wort nicht verstanden wird, wird höflich nachgefragt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Röne am 13.05.2012 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitung - Fernseher ?

    Aber warum lesen wir dann Schweizer Zeitung in HOCHdeutsch ?

  • Andreas Hägele am 10.05.2012 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Leider ich Sie nix verstanden

    Auch ich habe schon einer Hotline angerufen. Die haben nicht mal hochdeutsch richtig verstanden. Es stellte sich dann heraus, dass das Callcenter in der Tschechei war. Es handelt sich um eine internationale Firma. Angerufen habe ich während den üblichen Bürozeiten. Entsprechend haben wir uns dann beim Techniker beschwert, als dieser dann bei uns war.

  • marc am 10.05.2012 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Fremdsprache

    Also ich Arbeite zwischendurch in Deutschland, wo ich verständlicherweise Hochdeutsch sprechen muss, was mir jedesmal schwer fällt. Denn Hochdeutsch ist und bleibt eine Fremdsprache. Ausser in der Schule kommen die meisten nie in die Situation Hochdeutsch sprechen zu müssen. Schreiben und Verstehen ist kein Problem, nur die Routine beim sprechen fehlt meist, daher wird es mehr und mehr zur Fremdsprache. Mir passiert es oftmals, dass ich einen Satz beginne und grammatisch nicht zu Ende sprechen kann. Die Übung fehlt...

  • Nadine Rickli am 10.05.2012 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hochdeutsch/Mundart - Abzocke

    Ich würde mal behaupten, eine der Landessprachen der Schweiz ist Deutsch und nicht Mundart oder Dialekt. Wiso sollte es denn so ein Problem sein, auf Schriftdeutsch zu kommunizieren? Für etwas lernen wir dies ja in der Schule. Liebe Schweizer Mitbürger - bitte zeigt ein bisschen mehr Flexibilität! Und zum Thema Callcenter im Ausland: Schade, dass wir von den Telekommunikationsgesellschaften in der Schweiz so "abgezockt" werden.

  • jasi1996 am 10.05.2012 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Fremd im eigenen Land

    Hier geht es ja nicht nur ums Dialekt sondern in erster Linie darum, dass die Callcenter ins Ausland verlegt werden und wir trotzdem die teuren Preise der Schweiz zahlen müssen. Ich selbst wechsle automatisch ins Hochdeutsche wenn der andere Hochdeutsch spricht. Aber manchmal denke ich auch, dass es denjenigen die in der Schweiz leben zumindest möglich sein muss Dialekt am Wohnort zu verstehen. Callcenter im Ausland finde ich nur okay wenn die Preise angepasst werden. Aber noch lieber würde ich Dialekt reden. Ich fühle mich manchmal als Fremde im eigenen Land.