Starker Franken

23. Januar 2015 09:26; Akt: 23.01.2015 14:09 Print

«Ich will sicher nicht die Löhne kürzen»

Der Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann will die Schweiz vor dem starken Franken schützen. Dafür sollen Kosten gesenkt werden, um Arbeitsplätze zu schützen.

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Bundesrat Johann Schneider-Ammann äussert sich zur Situation nach dem SNB-Entscheid. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Am WEF in Davos hat sich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann am Donnerstag zum EZB-Ankaufprogramm geäussert. Er betonte, wie wichtig die wirtschaftliche Erholung der EU auch für die Schweiz sei. «Für die Schweiz ist es hochinteressant, dass sich die EU erholt. Dafür muss sie aber strukturelle Risiken angehen», betonte Schneider-Ammann vor Journalisten.

Für die Schweiz sei es entscheidend, dass die wichtigste Handelspartnerin konjunkturell gut unterwegs bleibe. «So gesehen bin ich natürlich daran interessiert, dass die EU Zeit erhält, sich zu erholen», sagte der Wirtschaftsminister. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärte der Bundesrat zudem:«Wenn wir die Kosten nicht senken können, verlieren wir Jobs.»

Das Ziel sei es, «die Beschäftigung in allen Branchen möglichst hoch zu halten und die Deindustrialisierung der Schweiz zu verhindern». Als Wirtschaftsminister sei er hochgradig daran interessiert, dass in dieser schwieriger Situation alles dafür getan werde, dass die Unternehmen überleben und die Arbeitsplätze erhalten werden könnten.

Ziel: Joberhaltung

«Ich möchte weiterhin in diesem Land möglichst allen einen Job erhalten», sagte Schneider-Ammann im Gespräch mit Schweizer Radio SRF. Dazu brauche es eine ganze Anzahl von runden Tischen in Firmen und Branchen bis hin zu seinem runden Tisch mit den Spitzenverbänden.

Schneider-Ammann forderte von den Unternehmen wie auch von den Sozialpartnern schmerzhafte Zugeständnisse, «damit die Schweiz wirtschaftlich konkurrenzfähig bleibt». Es müsse jetzt über alles geredet werden: «Arbeitszeiten, Arbeitszeitflexibilität, Löhne, Lohnnebenkosten, Zulagen und Spesen.» Um die Sicherung der Arbeitsplätze zu erhalten, müssten «die Preise runter, die Kosten runter und die Effizienz gesteigert werden», erklärte er weiter.

Lohnsenkungen seien für jedes Unternehmen aber sicher das allerletzte Mittel in extremen Situationen. «Ich will sicher nicht die Löhne senken», stellte der Wirtschaftsminister klar. In diese Frage könne er sich ohnehin nicht einmischen, das sei Sache der Sozialpartner. Der Volkswirtschaftsminister kann sich aber vorstellen, dass die Höhe der Löhne bei der Bewältigung der schwierigen Situation eine Rolle spielen wird.

Kantone sind besorgt

Eine Woche nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses haben sich erstmals die Kantone geäussert.
Sie zeigen sich besorgt über die möglichen Auswirkungen für die Exportindustrie und den Tourismus. Ein Konjunkturprogramm steht aber vorderhand nicht zur Diskussion.

Im Moment gelte es, die Lage aufmerksam zu beobachten und arbeitsmarktliche Massnahmen zu prüfen, teilte die Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren (VDK) mit. Die Regierungsräte liessen sich dabei von Jean-Pierre Danthine, Vizepräsident der Nationalbank, über den Entscheid von letzter Woche unterrichten.

Für die Kantone stellt die Aufhebung des Mindestkurses die Volkswirtschaft vor grosse Herausforderungen. Im Vordergrund steht für die VDK, die Schweiz als exportorientierten Industriestandort und Werkplatz attraktiv zu halten.

Je nach Euro-Kurs würden sich die Produktionskosten und das Lohngefüge in betroffenen Firmen weiter akzentuieren. Bei allfälligen Auswirkungen auf die Beschäftigungslage wollen die Kantone bewährte Instrumente wie etwa die Einführung von Kurzarbeit prüfen.

Nicht übereilt reagieren

Die Kantone plädieren für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen in den nächsten Wochen. Diese sollten sich künftig noch mehr für günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen starkmachen.

Im Auge haben die Kantone die Umsetzung wichtiger Reformen wie der Unternehmenssteuerreform III und der SVP-Zuwanderungsinitiative. Sie appellieren an die nationale Politik, diese politischen Vorhaben nicht zum Schaden der Schweizer Volkswirtschaft umzusetzen. Dringlich sei auch ein rechtssicheres Verhältnis zu den wichtigsten Handelspartnern.

(cls)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hansli meier am 23.01.2015 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    geht doch ganz einfach

    witzig.... da müssen ja nur die "Manager" ein wenig auf ihren Lohn (Bonus) verzichten und schon ist das doch gar kein Problem mehr....

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  • oliver Sersen am 23.01.2015 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat und Manager sollen es vormachen

    Dann können die Bundesräte und die Manager mit gutem Beispiel voran gehen und für 3 Monate keinen Lohn fordern, dann wäre das Problem schon fast gelöst!!!

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  • Kleinunternehmer am 23.01.2015 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss im Leben Realist sein

    Um Stellen zu erhalten, müssen leider alle bluten. Die Regierung müsste dafür ein Vorbild sein, und die Löhne im Staatsunternehmen senken, bevor man den Kleinbezügern in der Wirtschaft an den Kragen geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Visionär am 24.01.2015 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Back to the roots...

    Jobs erhalten - ganz einfach: Zahl der Grenzgänger abbauen, B-Ausweise bei Arbeitslosigkeit über 1 Jahr nicht verlängern, Einwanderung kontrollieren (Innländerbevorzugung), zurück zu den orts- u. branchenüblichen Löhnen und Praktikumsstellen nur gegen Lohn erlauben. Also, eigentlich die Verhältnisse wie vor der PFZ wieder realisiernen...

  • Mittelstand am 23.01.2015 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelstand

    Wenn mir der Lohn gekürzte wird werde ich meine Steuer,Krankenkasse um 50% kürzen. Hoffe es gibt noch mehr Mitbürger wo so handeln würden.

  • Pietro am 23.01.2015 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Unsere Krankenkassen müssten auch abspecken!!!

    • Cand. Med. am 24.01.2015 03:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Auch Honorare kürzen

      Die KK-Prämien werden automatisch sinken, wenn die Arzthonorare nach unten angepasst werden.

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  • L.Eser am 23.01.2015 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor der eigenen Tür zuerst kehren

    Der soll zuerst mal seinen eigenen Lohn und den der anderen Politiker massiv senken. So sparen wir Bürger sowie die Firmen unnötige Steuern.

  • M.R. am 23.01.2015 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    PANIK!!!

    Dass der SNB irgendwann aufhören würde, der Eurokurs zu stutzen, war für jedermann vorhersehbar. Jahrelang hatte der Wirtschaft Zeit zum sich darauf vorbereiten, aber das Geld fliess zum oberen Etagen und Shareholders. Jetzt nach nur eine Woche wollen Bundesrat und Wirtschaft "schmerzvoller Massnahmen" ergreifen. OK, von mir aus nach einem Jahr, oder zumindest einem Monat, aber schon nach nur eine Woche? Wer weiss, was in die nächsten Monaten mit der Eurokurs passieren wird? Das ist schlicht und einfach Panik und unwürdig einer Bundesrat. 1) Ruhe behalten. 2) Wenn nötig Massnahmen ergreifen.