Gotthard-Basistunnel

01. Juni 2016 10:56; Akt: 06.06.2016 14:34 Print

«Jetzt sollte man noch die Worte der Hymne wissen»

Das Jahrhundert-Bauwerk ist eröffnet, die internationale Politik zeigt sich begeistert. Und Bundespräsident Schneider-Ammann scherzt vor dem Singen der Hymne.

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«Jetzt chunnt no d Landeshymne. Jetzt sötte mer no d Wort wüsse!», murmelte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann (Mitte) an der Tunnelfeier zu Vertretern der Prominenz, bevor der Schweizerpsalm gesungen wurde. Rechts im Bild ist Bundesrätin Doris Leuthard, links steht SBB-Chef Andreas Meyer. An der Inszenierung des deutschen Theaterregisseurs Volker Hesse vom Mittwochmittag scheiden sich die Geister. «Gipfeltreffen» im Tunnel: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann zusammen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, Italiens Premierminister Matteo Renzi sowie Frankreichs Präsident Francois Hollande. «Der Gotthard ist wie das Herz, nun fehlt noch die Aorta», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die deutsche Anbindung. Merkel versprach, mit noch mehr Elan an die anstehenden Aufgaben zu gehen. Zudem sagte Merkel, das Bauwerk sei viel mehr als nur ein Tunnel. Die ausländischen Staatsgäste sind begeistert. Man sei der Schweiz dankbar für den neuen Tunnel, sagte Frankreichs Präsident François Hollande. Bundesrat, Nationalratspräsidentin plus Festtags-Gäste. Alt Bundesrat Ogi in Hochform: «Ein solches Werk baut man nicht mit politischen Auseinandersetzungen. Solche Bauwerke werden gebaut durch Menschen, die bereit sind den weiten, schwierigen Weg zu gehen. Die Parteizugehörigkeit spielt dann keine Rolle mehr», sagt Ogi. Und umarmt danach Moritz Leuenberger. Vor dem Jahrhundert-Bauwerk: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, begrüsst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Im Tunnel-Look mit Löchern im weissen Kleid und Mantel: Bundesrätin Doris Leuthard auf dem Festplatz Süde in Pollegio. In ihrer Rede versagte ihr immer wieder die Stimme, sie war hörbar gerührt. Begrüssung mit einem Feuerwerk: Der erste Zug fährt aus dem Nordportal in Erstfeld heraus. Sie machten die «Erst-Passage»: Die Gewinner einer Fahrkarte bei der Eröffnungsfahrt. Um die Mythen des Gotthards ging es bei der Eröffnungsshow in Pollegio. Vier Religionsvertreter und ein Segen: Pfarrerin Simona Rauch, Imam Bekim Alimi, Rabbiner Marcel Yair Alimi sowie Pieter Zeilstra vom Bundesamt für Verkehr schauen zu, wie Abt Martin Werlen den Tunnel segnen darf. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann vor dem tiefen schwarzen Loch am Nordportal in Erstfeld. Tänzer in Mineur-Schutzanzügen an der Eröffnungsfeier für den 57 Kilometer langen Tunnel. Der «Vater der Neat»: Alt-Bundesrat Adolf Ogi spricht in Arth-Goldau. Neben Alt Bundesrat Ogi (links) gilt auch Alt Bundesrat Moritz Leuenberger als einer der «Väter des Gotthards». Die Gäste am Nordportal in Erstfeld. Blick von oben auf den Festakt am Südportal in Pollegio. Stolzer SBB-Chef: Andreas Meyer. Der Gotthard Basistunnel ist mit seinen rund 57 Kilometern Laenge der längste Eisenbahntunnel der Welt. Nach der offiziellen Eroeffnung folgt der kommerzielle, fahrplanmässige Betrieb ab Dezember 2016. Bronzene Gedenktafel: Neun Mineure starben während der Bauzeit. Für sie wurde einen Tag vor der Eröffnung des Gotthard eine Gedenkfeier beim Nordportal in Erstfeld abgehalten. Eine Statue der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure, vor der Segnung des Gotthard Tunnels im Zugangsstollen bei Amsteg. Die alte Bahn-Strecke bleibt: Die Kirche von Wassen aus einem fahrenden Zug auf der Gotthard Bergstrecke zwischen Erstfeld und Göschenen. Hier geht's zum Fest: Der Weg zur Feier für die Neue Eisenbahn-Alpentransversale, NEAT, in Erstfeld. Auf diesen «Tunnel» schaut die Welt: Die Schweizer Botschaft in Berlin im Fest-Look. Im Hintergrund der Deutsche Reichstag, Sitz des deutschen Parlamentes, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Botschaft liegt. Ein Mensch vor dem schwarzen Tunneleingang: Ein Schauspieler vor der Eröffnungsfeier für das vollendete Mega-Projekt.

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Knapp 17 Jahre nach dem Tunnelanstich ist es so weit: Heute wird der Gotthard-Basistunnel eröffnet. 12,2 Milliarden Franken hat das Hauptbauwerk der Neat gekostet – deutlich mehr als die ursprünglich budgetierten 6,7 Milliarden Franken. Am 11. Dezember 2016 rollen die ersten Züge fahrplanmässig durch den Gotthard-Basistunnel.

Was waren die grössten Hindernisse beim Bau?
Der Bau des Gotthard-Basistunnels wäre fast wegen der sogenannten Piora-Mulde gescheitert. In dieser Mulde befindet sich zuckerkörniges Gestein, das in Verbindung mit Wasser oder unter hohem Druck zu einem nassen, sandigen Brei verkommen kann. 1996 kam es zu einem Zwischenfall, als Sondierbohrungen in die Piora-Mulde vorstiessen und 1400 Kubikmeter der Gestein-Wasser-Mischung ausflossen. Es folgten politische Diskussionen, die den Bau des Tunnels in Frage stellten. Schliesslich ergaben weitere Sondierbohrungen, dass die Mulde auf der Höhe des Tunnels keinen Wasserdruck aufwies. 2008 erreichte Bohrmaschine Piora-Mulde und konnten sie relativ problemlos durchbohren.

Wie sicher ist der neue Tunnel?
Verschiedene Massnahmen sollen im 57 Kilometer langen Tunnel für Sicherheit sorgen. Der Tunnel besteht aus zwei Röhren, die alle 325 Meter über Fluchtwege miteinander verbunden sind. Zudem gibt es im Tunnel auf der Höhe von Faido und Sedrun zwei Nothaltestellen. Im Falle eines Brandes soll ein Lüftungssystem verhindern, dass Rauch in die andere Röhre gelangt (siehe Infografik). Vor und im Tunnel kontrollieren Sensoren die Züge etwa auf Hitze, Rauch oder gewisse chemische Stoffe. In Biasca und Erstfeld sind Lösch- und Rettungszüge stationiert.

Wie gross ist der Zeitgewinn für Reisende?
Als 1992 zum ersten Mal über die Neat abgestimmt wurde, war von einer Reisezeit von zwei Stunden zwischen Zürich und Mailand die Rede. Bald zeigte sich, dass diese Pläne nur sehr teuer umzusetzen waren. Schliesslich stimmte das Stimmvolk einer günstigeren Version zu. Inzwischen wird mit einer Reisezeit von 3 Stunden und 3 Minuten geplant – allerdings erst ab 2021. Wer von Luzern, Basel, Zürich, Genf, St. Gallen oder Bern nach Lugano reisen möchte, ist ab Dezember 2016 rund eine halbe Stunde schneller am Ziel.

Werden die Billette wegen des Tunnels teurer?
«Im Hinblick auf den Angebotsausbau am Gotthard wünscht die ÖV-Branche einen moderaten Zuschlag», heisst es bei den SBB zum Thema Preiserhöhung am Gotthard. Noch ist aber nichts entschieden. «Die Verhandlungen mit der ÖV-Branche verlaufen bis jetzt recht harzig», sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans. Der Distanzzuschlag sei dabei eine der Knacknüsse. Meierhans muss allfällige Preiserhöhungen absegnen.

Was geschieht mit der alten Bergstrecke?
Der alte Gotthardtunnel wird auch künftig für den Güterverkehr genutzt. Zudem werden Regio-Express-Züge zwischen Erstfeld und Lugano verkehren. Während dem Sommer gibt es an den Wochenenden und an Feiertagen einen Schnellzug, der von Zürich über die Bergstrecke nach Bellinzona und zurück fährt. Ab 2017 verkehrt ab Ostern bis Herbst täglich der «Gotthard Panorama Express»: von Luzern bis Flüelen per Schiff, anschliessend mit dem Zug über die alte Bergstrecke ins Tessin. Ende 2017 läuft die heutige Fernverkehrskonzession allerdings aus. Wie es mit den Fernverkehrszügen danach weitergeht, ist noch nicht klar.

Wer profitiert vom Tunnel?
Laut einer Studie der Credit Suisse dürfte der Gotthard-Basistunnel neue Tagestouristen ins Tessin bringen. Davon dürfte vor allem die Gastronomie profitieren. In Altdorf entsteht zudem bis 2021 ein neuer Kantonsbahnhof samt Gewerbe- und Dienstleistungszentrum. Auch in Bellinzona wird der Bahnhof ausgebaut, das soll die Verdoppelung der Zahl der Fahrgäste innerhalb von zehn Jahren ermöglichen.

Wer zählt zu den Verlierern des neuen Tunnels?
Vor allem Orte in der Leventina und im Reusstal, die an der alten Bergstrecke liegen, fürchten, dass die wirtschaftliche Situation künftig noch schwieriger wird. Zu den Verlierern gehört gewissermassen auch die Schweizer Verlagerungspolitik. Die Neat und der Gotthard-Basistunnel waren vor allem für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene gedacht. Doch die ursprünglichen Verlagerungsziele dürften nicht erreicht werden.

Was wurde aus Porta Alpina?
Um die Jahrtausendwende wurde die Idee der sogenannten Porta Alpina lanciert. Diese sah auf der Höhe von Sedrun eine Haltestelle im Tunnel sowie einen rund 800 Meter langen Lift vor, der die Passagiere direkt in das Bündner Bergdorf transportieren sollte. Die Wartehallen im Berg wurden bereits ausgebrochen, doch 2012 wurde das Projekt durch den Bundesrat sistiert. Nun arbeitet die Bündner Regierung an Möglichkeiten, um den Sedruner Zugangsstollen und die Wartehallen doch noch touristisch nutzen zu können.

Gab es Todesfälle beim Bau des neuen Tunnels?
Ja. Neun Menschen verloren beim Bau ihr Leben. Grund waren vor allem Unfälle mit Fahrzeugen und Maschinen. Zum Vergleich: Beim Bau des 15 Kilometer langen Gotthard-Tunnels, der zwischen 1872 und 1882 erstellt wurde, kamen 199 Arbeiter ums Leben.

(lin/sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierre am 01.06.2016 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Effekthascher

    Feiern sollen primär die Arbeiter, welche das Werk realisiert haben. Dann kommt die CH-Bevölkerung, welche das Werk finanziert hat und auch heute natürlich brav arbeitet. All die Effekthascher, Beinhochlagerer und pseudo Promis, die nun vor Ort festen können mir gestohlen bleiben. Deshalb interessiert mich das Fest auch nicht.

  • deutscher am 01.06.2016 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    da könnte Angela was lernen

    da könnte Angela was lernen, wenn sie einsichtig wäre. Aber in D doktert man lieber weiter an BER und Stuttgart 21 rum und verlocht sinn- und planlos Milliarden von Euros ohne greifbares, termingerechtes Ergebnis.

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  • Sederick am 01.06.2016 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Was habt ihrer gegen dasKleid von Doris?

    Das Kleid mit Löchern steht für alles, was uns ausmacht!Tunnellöcher, Steuerschlupflöcher, Löcher im Käse, 925 Löcher im AKW Benznau, Finanzloch, A Löcher, B Locher etc. etc.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • NIIAAAA am 01.06.2016 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Wie sinnlos ist denn das? Zum Glück haben wir genug Geld das man einfach mal so für unnützes rauswerfen können..

  • BaQflip am 01.06.2016 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hymne Wechsel

    Vu mir us chammer die Hymne liebend gern wechsle :-)

  • Luis V am 01.06.2016 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosses

    Grosses Lob an die Arbeiter!! Wenn man bedenkt das es 57km sind die gebohrt werden mussten...

  • Geissenpeter am 01.06.2016 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jetzt San Bernardino Basistunnel!!

    jetzt fehlt noch ein Basistunnel im Osten dann hat die Schweiz 3 Alpentunnel und ist damit perfekt erschlossen. West- und Zentralschweiz haben mit Lötschberg, Gotthard und Simplon 3 Tunnel in den Süden. Die Ostschweiz braucht auch einen Tunnel. Wieso werden wir immer vernachläasigt?

    • Cartman1993 am 01.06.2016 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      weil man dort bauen sollte, wo auch ein entsprechendes Verkehrsaufkommen da ist

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  • Alex96 am 01.06.2016 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehenswürdigkeiten

    Wollt ihr uns mit den Artikel eifersüchtig machen? Ein Lob an die Tunnelbauer, und wieder eine neue Sehenswürdigkeit in der Schweiz für den Tourismus. :-)