Extra-Geld

12. September 2018 09:30; Akt: 12.09.2018 09:30 Print

«Lehrlingslohn reicht nicht für die ganzen Kosten»

Budgetberaterin Andrea Schmid rechnet vor, was vom Lehrlingslohn für die Freizeit übrigbleiben kann. Und wohin das Geld sonst geht.

Bildstrecke im Grossformat »
Wie viel bleibt für den Ausgang vom Lehrlingslohn? Und wie viel zum Einkaufen, zum Beispiel für Kleider oder Schuhe? Die Lehrzeit bedeutet für viele junge Schweizer, dass sie zum ersten Mal selbst Geld verdienen und auch einteilen müssen. Eine Studie des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken zeigt: Im Durchschnitt liegt der Lohn von Lernenden im zweiten Semester bei 764 Franken. Wie die Studie zeigt, muss weniger als ein Drittel einen Teil des Lehrlingslohns für die Wohn- und Lebenskosten zu Hause abgeben. Die Lehrstellenplattform Yousty hat über 4000 Lehrlinge dazu befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Job sind. Von zehn verfügbaren Punkten bewerteten die Männer ihre Lehrstelle mit der Punktzahl 7,1. Die Frauen vergaben ihrem Job 6,9 Punkte. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zufriedenheit bei beiden Geschlechtern zugenommen. Die zufriedensten Lehrlinge arbeiten in den Kantonen Bern und Basel-Landschaft. Die hohe Zufriedenheit erklären die Studienautoren damit, dass insbesondere der Kanton Bern und die Bundesverwaltung die grössten Arbeitgeber im Kanton sind und zudem grosse Unternehmen wie Post, SBB und Swisscom, die eine Vorbildfunktion bei der Berufsbildung einnehmen, dort ansässig sind. Im Kanton Basel-Landschaft wird die hohe Zufriedenheit damit begründet, dass in dieser Region die Pharmaindustrie dominiert, die «leistungsstarke und motivierte Jugendliche anlockt». Nach ihren Zukunftsplänen befragt, gibt nur eine Minderheit an, weiterhin auf dem Beruf arbeiten zu wollen. Jürg Schweri, Professor am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung, erklärt die grosse Nachfrage nach Weiterbildung damit, «dass die Jungen sich heute sehr früh bewusst sind, dass allein eine Lehre für eine erfolgreiche Berufskarriere nicht mehr ausreicht». Lehrabgänger, die ihre Zukunft nicht im Lehrbetrieb oder im gelernten Beruf sehen, sind für die betroffenen Branchen problematisch. «Es ist sehr schwierig, gute Lehrabgänger zu finden», bestätigt Markus Bär vom Maler- und Gipserverband.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Hälfte der Lehrlinge bekommt zusätzlich Geld von der Familie, wie eine Umfrage des Verbandes Schweizerischer Kantonalbanken zeigt. Macht die Jugendlichen das fit genug, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen? 20 Minuten hat Andrea Schmid von der Budgetberatung befragt.

Umfrage
Wie viel geben Sie für Kleider/Schuhe im Monat aus?

Ist es richtig, dass die Familie noch etwas auf den Lehrlingslohn draufzahlt?
Das hat zum Teil berechtigte Gründe. Der Lohn reicht nicht für die ganzen Kosten der Lehrlinge. Es geht um zirka 20 Budgetposten – darunter auch Ausbildungskosten, Kost, Logis, Versicherungen, Krankenkasse, Mobilität, Zahnarzt, Freizeit. Insgesamt braucht es dafür rund 2000 Franken pro Monat.

Sollen Lehrlinge zu Hause Geld abgeben?
Das ist die Gretchenfrage, ist aber gar nicht so wichtig. Entscheidender ist, ob das Geld, das ihnen zur Verfügung steht, bestimmten Budgetposten in angemessener Höhe zugeordnet ist. Denn es geht um Kompetenzen wie Planung oder das Einhalten von Grenzen. Ob es sich dabei unter anderem um einen Beitrag für Kost und Logis oder andere Budgetposten handelt, ist zweitrangig. Wichtig ist auch, ein realistisches Gespür dafür zu bekommen, was das Leben kostet. Zum Beispiel einzelne Bereiche wie Krankenkasse oder Telefonie.

Wie viel Geld sollte frei zur Verfügung stehen?
Auf der Website von Budgetberatung Schweiz sind dazu Beispiele aufgeschaltet. Bei einem Lehrlingslohn von 400 Fr. können es für Freizeit und Handy 150 Fr. sein. Für Jugendliche, mit einem Lohn von 1000 Fr. Lohn können es 230 Fr. sein. Was Kleider/Schuhe betrifft, empfiehlt die Budgetberatung pro Monat 70 Fr. respektive 80 Fr. Aber die Beispiele passen nicht für jede Familie, und es macht Sinn, eigene Lösungen zu finden.

Sollten Jugendliche den gleichen Lebensstandard haben wie ihre Eltern?
Je nach Familie werden die Eltern ihn sogar tiefer ansetzen. Hauptziel sollte immer sein, die Finanzkompetenz der Jungen zu fördern. Wer mit wenig Geld zurechtkommt, hat bessere Chancen, dass mehr Geld später nicht gleich in den Händen zerrinnt.

Wie ist es, wenn Jugendliche ihren Lohn von über 1000 Franken zu freien Verfügung haben?
Wenn das Geld nur für Freizeit, Handy und Kleider verwendet werden kann, dann entspricht dies dem Lebensstandard eines gehobenen Kaders. Das ist je nach Ausbildung und im Hinblick auf die Zukunft völlig unrealistisch. Hier sollten die Eltern unbedingt weitere Budgetposten an die Jugendlichen abgeben, damit junge Erwachsene nicht den Lebensstandard senken müssen, wenn sie zu Hause ausziehen.

(ish)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Vater mit Lehrling am 12.09.2018 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo? Lehrlingslohn reicht nicht?

    Hallo? Lehrlingslohn reicht nicht? Also, weniger Ausgang, weniger Alkohol, weniger teure (Marken-)Kleidung, nicht alle 6 Monate ein neues Smartphone, nicht allen nacheifern wollen und weniger protzen. Schon reicht das Geld, ohne dass man sich wirklich einschränken muss. Kapiert?

    einklappen einklappen
  • peter paul am 12.09.2018 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    häää?

    Ich verstehe dieses gejammer nicht. Weniger in den Ausgang und wenn dann nicht 1 flasche vodka mit zubehör kaufen und das 2x pro weekend. dann reicht es locker. Ich hatte in meiner Lehrzeit einen Maximal Lohn im 3. Lehrjahr von 850.00. und es hat gereicht....

    einklappen einklappen
  • Kreuzfahrt am 12.09.2018 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die heutige Jugend

    Verwöhnte Teenager! Lehrlings Lohn reicht locker für alles. Wenn nicht, macht ihr etwas falsch.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lehrling am 13.09.2018 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig

    Ich verdiene 700 neto 430fr nur für die krankekasse + abo liegen wir schon bei 450 = 250 Schulbücher = 880 fr + nen laptop kaufen für die schule + 7 - 800 fr und dann soll man noch kleider kaufen um zu arbeiten können.. yap.. alles klar .. ach ja nicht den monatsabo vergessen für den bus + 550 fr +/- im jahr Soll man jetzt alles in 12 monatsraten zahlen oder wie jetzt?

  • Lou Lou am 13.09.2018 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vorgeschriebene Kosten

    Letzten Sommer hat mein Sohn die Lehre als Zimmermann fertig absolviert. Kurz vor schulbeginn kam ein Brief ins Haus geflogen. Laptop obligatorisch mit Word Excel und sonst noch was eingerichtet. Günstige Variante 1300.-- WhatsApp Gruppen chat zwingend. Das heisst Handy mit Internet Zugang auch zwingend. Lehrbücher 800.-- usw. Und so fort. Wie soll das ein Lehrling finanzieren. Wir haben das übernommen.

    • Logisch: Wer sonst? am 13.09.2018 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lou Lou

      Sie sind als Eltern gesetzlich dafür verpflichtet und sicherlich nicht ihr Sohn! Dass man je nach Ausbildung gewisse elektronische Geräte haben muss, ist vor Lehrbeginn klar und das Tragen der Kosten auch. Im Lehrvertrag steht, wer die Kosten der Schulbücher... übernimmt und zudem beziehen die Eltern auch die Ausbildungszulage. Als Eltern müsste man sich über Ausbildungen etwas mehr orientieren.

    einklappen einklappen
  • Büezer am 13.09.2018 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte nicht prahlen

    Jeder der behauptet in der Lehre ALLES selbst bezahlt zu haben lügt! Kinderzimmer, Krankenkasse, Essen zu Hause kostet auch usw usw. Da reichen auch 1000.- monatlich nicht wirklich..

  • Pain_in_the_Ass am 13.09.2018 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und da sind sie wieder

    All diese Besserwisser, die es so schwer hatten und sich alles selbst erarbeiten mussten. Damals habt ihr angeblich mit 200.- im Monat überlebt und heute schafft ihr das nicht einmal mit 5000.- Lohn. Ich habe im Studium für mich meine Kosten pro Monat ausgerechnet und kam auf mind. 1500.- im Monat. Darunter läuft nichts. Darin waren alle Rechnungen, Essen, ein günstiges Zimmer, Ausgang und sonstige Ausgaben enthalten. Obwohl bei mir der Ausgang auf ein Minimum beschränkt war und ich vieles bereits besass, war es trotzdem schwierig über die Runden zu kommen. Jetzt wollt ihr liebe Kommentatoren ernsthaft behaupten, dass ihr es mit 200.- geschafft habt? Erzählt eure Märchen doch woanders!

    • Peter am 13.09.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Das reicht locker

      In der Lehre lebt man aber mehrheitlich noch Zuhause. Des weiteren braucht man nie Essen zu kaufen, ich nehme da immer etwas von zuhause mit. ich brauche für mein Zugbillet ca. 20 Fr pro Woche und für das Auto ca. 40 Fr. pro Woche. Also käme ich mit 240 Fr im Monat über die Runden. Des weiteren gebe ich 150 Fr. pro Monat meinen Eltern ab, und nach Abzug dessen bleiben mir noch ca. 500 Fr im Monat übrig. Und das reicht locker für Essen, Kleider und Ausgang.

    • Pain_in_the_Ass am 13.09.2018 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Hallo Peter, du scheinst meinen Kommentar missverstanden zu haben. Ich habe alle Kosten gerechnet und nicht nur die Transportkosten. So steht es in meinem Kommentar auch geschrieben. Dir wird beinahe alles bezahlt. Du hast Kost und Logis beinahe komplett bei deinen Eltern. Ausserdem werden dir Krankenkasse sowie Sonderausgaben ebenfalls bezahlt. Es spricht auch nichts dagegen. Die älteren Kommentatoren hingegen lassen keine Gelegenheit aus über die heutige Jugend zu lästern und behaupten teilweise, dass sie sich mit ca 200.- selbst finanziert haben, was offensichtlich nicht stimmen kann.

    einklappen einklappen
  • baba am 13.09.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Kompromiss

    Ich musste zum Glück nix abgeben, Krankenkasse und Zahnarzt haben weiter meine Eltern bezahlt. Für alles andere, also Handy, Ausgang, Kleidung, Frisör, Urlaub, Auto und Benzin usw musste ich selbst aufkommen. Ich finde das ne gute Lösung um mit einer budgetplanung anzufangen...